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«Behindert zu sein ist kein Freibrief»

Darf ein Arbeitnehmer eine fehlbare behinderte Mitarbeiterin entlassen? Martin Boltshauser, Leiter Rechtsdienst und Geschäftsleitungsmitglied des Behindertenverbands Procap, nimmt Stellung.

Martin Boltshauser: «Mit behinderten Menschen kann und muss man reden.»
Martin Boltshauser: «Mit behinderten Menschen kann und muss man reden.»
Marcel Bieri

Herr Boltshauser, eine Mitarbeiterin betrügt ihren Arbeitgeber und wird entlassen. Ist das ­richtig?Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung ist arbeitsrechtlich sicher ein Grund für eine Kündigung, allenfalls sogar für eine fristlose Kündigung.

Auch wenn die Arbeitnehmerin behindert ist – so wie jene 55-Jährige, die ihre Mittagessen ein Jahr lang nicht bezahlt hatteund schliesslich von der Stiftung Rossfeld entlassen wurde?Zu diesem Fall kann ich mich nicht äussern. Grundsätzlich ist aber ein Mensch mit Behinderung ein normaler Arbeitnehmer mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie sie jeder andere Arbeitnehmer hat. Unzulässig wäre es, jemandem aufgrund einer behinderungsbedingten Einschränkung zu kündigen. In der Praxis ist es allerdings oft schwierig festzustellen, ob ein Fehlverhalten behinderungsbedingt ist. Der Arbeitgeber hat gegenüber einem gesunden Menschen eine Sorgfalts- und Fürsorgepflicht. Gegenüber einem Menschen mit Behinderung gilt diese selbstverständlich auch.

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