SBB bieten der BLS die Anlage in Biel an

Die SBB sagen endlich, wie sie das Werk­stättenproblem der BLS lösen wollen: Sie bieten Gastrecht in der Serviceanlage in Biel.

Wartet die BLS künftig ihre Züge in einer SBB-Werkstätte? (Im Bild stellvertretend die Serviceanlage der SBB in Biasca)<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Wartet die BLS künftig ihre Züge in einer SBB-Werkstätte? (Im Bild stellvertretend die Serviceanlage der SBB in Biasca)

(Bild: Keystone)

Eigentlich wollten die SBB am Mittwochmorgen über den Stand der Arbeiten am Entflechtungsbauwerk im Berner Wylerfeld informieren. Interessanter war aber, was am Rand des Medientermins zum Hin und Her um die Eisenbahnwerkstätten im Raum Bern zu hören war.

Indirekt stehen die zwei Themen insofern in einem Zusammenhang, als die SBB noch letztes Jahr dem geplanten BLS-Neubau im Westen Berns offen das Wort sprachen. Weil sie, wie sie sagten, mit dem neuen Gleistunnel im Wylerfeld Abstellflächen für Rollmaterial verlieren und diese angesichts der ohnehin schon knappen Kapazitäten gerne ersetzt hätten.

Umso mehr waren die SBB nun, da sie ihre radikale Kehrtwende vollzogen und die neue BLS-Werkstätte flugs als überflüssig bezeichnet hatten, in Erklärungsnotstand. Zumal sie die Details zu den Alternativen bislang beharrlich für sich behalten hatten – doch das änderte sich nun plötzlich: Man biete der BLS den Standort Biel an, hiess es am Mittwoch.

Der heikle vierte Punkt

Was das heisst, erläutert Sprecher Reto Schärli auf Nachfrage. Ihm zufolge schlagen die SBB ein Vorgehen vor, das sich grob in vier Punkten zusammenfassen lässt. Die SBB verlagern erstens die laufenden Unterhaltsarbeiten aus Biel weg an andere Stand­orte. SBB und BLS lasten zweitens ihre heutigen Serviceanlagen in Spiez und Luzern besser aus. Die SBB übergeben drittens ihre Anlage in Biel der BLS zur «mehrheitlichen Nutzung». SBB und BLS optimieren viertens ihre Zugumläufe so, dass «aufwendige und teure Leerfahrten vermieden werden können».

Gerade dieser letzte Punkt hat es in sich. Für die SBB ist er nämlich nur in der engen Kooperation erfüllbar, zu der sie die BLS im Seilziehen um den Fernverkehr drängen. Konkret bieten sie der BLS ein paar Fernverkehrslinien zum Betrieb im Auftragsverhältnis und gegen ein entsprechendes Entgelt an. Die BLS dagegen will selber und in voller unternehmerischer Freiheit und Verantwortung in diesem Bereich aktiv werden können.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Kritik zu sehen, mit der so viele auf die Kehrtwende der SBB in der Werkstättenfrage reagierten: Der grossen, national tätigen Bahn sei mittlerweile jedes Mittel recht, um die kleine, nur kantonal verankerte Bahn an die Wand zu spielen.

Nun das grosse Aufatmen?

Ach ja, eines geht im ganzen Gerangel zuweilen fast vergessen. Sollte sich das SBB-Konzept tatsächlich realisieren lassen, wäre das Aufatmen in Berns Westen gross. Die umstrittene neue BLS- Werkstätte mitten in der bäuer­lichen Kulturlandschaft des Gebiets Chliforst wäre definitiv Makulatur.

Berner Zeitung

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