Baustellen und Grossanlässe fordern «Mr. Umleitungen»

Bern

Während des Umzugs «Tanz dich frei» werden keine Trams in den Osten der Stadt Bern fahren. Das ist nur eine von vielen Entscheidungen, die Urs Amstutz, Leiter Sonderanlässe und Baustellen bei Bernmobil, dieses Jahr treffen musste.

Keine Umleitung ohne Urs Amstutz: Der Planer von Bernmobil vor der Baustelle Bollwerk.

Keine Umleitung ohne Urs Amstutz: Der Planer von Bernmobil vor der Baustelle Bollwerk.

(Bild: Andreas Blatter)

Während am 25. Mai die einen ihre persönliche Freiheit zelebrieren und auf Berns Strassen tanzen wollen, werden andere eingeschränkt: Findet der Umzug «Tanz dich frei» auf der gleichen oder einer ähnlichen Route statt wie letztes Jahr, ist der Kollaps des öffentlichen Verkehrs vorprogrammiert. Denn das Bollwerk, eine der Hauptausweichrouten für Bernmobil während der Marktgasse-Sanierung, wäre dann ebenfalls unpassierbar. Das Problem: Niemand weiss, ob der Umzug wieder durchs Bollwerk führen wird. Keiner fühlt sich für den im Internet angekündigten Anlass verantwortlich, und die Behörden haben keine Ansprechpartner.

Keine Trams in den Osten, Ersatzbusse fraglich

«Da ist ein Grossanlass angekündigt und wir können uns praktisch nicht darauf vorbereiten», sagt Urs Amstutz, seit 25 Jahren Leiter Sonderanlässe und Baustellen bei Bernmobil. Weil Fahrzeuge disponiert und Dienstpläne gemacht werden müssen, wurden trotz unsicherer Ausgangslage die Weichen gestellt: Es werden am Abend des 25. Mai keine Trams in den Osten der Stadt Bern fahren.

«Da niemand mit den Veranstaltern Kontakt aufnehmen kann, müssen wir eben von einem möglichen Szenario ausgehen», erklärt Amstutz. Nehme man eine ähnliche Route und eine ähnliche Teilnehmerzahl an wie letztes Jahr, könnten Richtung Osten keine Trams fahren. «Ob wir dann mit Ersatzbussen durchkommen, ist eine Frage, die ich heute schlicht nicht beantworten kann.»

Die Marktgasse gesperrt, das Bollwerk zu, Bundesplatz und Bundesgasse ebenfalls – das ist für die Planer von Bernmobil eine schier unlösbare Aufgabe. Urs Amstutz formuliert es so: «Wenn zusätzlich zur Marktgasse auch noch das Bollwerk und die Bundesgasse zu sind, ist das, wie wenn man bei einer Operation am offenen Herzen den Bypass abklemmt.» Dennoch ist er die Ruhe in Person. Das Motto von «Mr. Umleitungen»: «Wenn man etwas nicht ändern kann, muss man versuchen, das Beste daraus zu machen.»

Baustellen schliessen verzögert alles

Die Stadtbehörden diskutieren im Moment darüber, für den Tanzanlass gewisse Teile der Baustellen zuzuschütten und vorübergehend stillzulegen. Bei Bernmobil hat man daran wenig Freude: «Ob der Zeitplan für die Bauarbeiten eingehalten werden könnte, ist für uns fraglich. Es gäbe wohl Verzögerungen. Längere Umleitungsphasen wären nötig, und die Fahrgäste länger von Unannehmlichkeiten betroffen», sagt Bernmobil Sprecherin Annegret Hewlett. Natürlich könne man auch bei Bernmobil nachvollziehen, dass die Stadt alles dafür tun müsse, dass den Teilnehmern von «Tanz dich frei» nichts passiere, sagt Hewlett. Aber: Man schränke dafür alle von den Bauarbeiten Betroffenen länger ein.

Noch hofft man auch bei Bernmobil, dass die Veranstalter des Tanzumzugs ihre Verantwortung wahrnehmen und gemeinsam mit den Stadtbehörden planen. Das müsste nun allerdings schnell passieren. «Wenn wir wie im letzten Jahr am Vorabend der Veranstaltung ein Mail mit der Route erhalten, können wir nicht mehr reagieren», sagt Planer Urs Amstutz.

GP, Frauenlauf, Bike-EM, Gigathlon, Openair...

«Tanz dich frei» wird wohl für Bernmobil zur grössten Herausforderung. Aber auch sonst hält das (Bau)jahr 2013 noch einige Knacknüsse für das Unternehmen bereit. Ein besonders herausforderndes Jahr ist das aktuelle für Planer Urs Amstutz aber nicht. «Seit der Sanierung des Bahnhofplatzes hatten wir eigentlich jedes Jahr grössere Baustellen. Wir haben langsam Übung.» Im Moment läuft die BEA. Durch die Marktgasse können keine Trams aufs Messegelände fahren. Ersatzbusse sind über die Route Lorrainebrücke im Einsatz. Damit ist man bei Bernmobil bis jetzt sehr zufrieden.

Wiederkehrende Grossanlässe wie die BEA oder auch der Grand Prix von Bern sind für Planer Urs Amstutz zwar jedes Mal «anspruchsvoll, aber machbar». Der GP dauere einen Tag, die Route sei lange im Voraus klar, die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern gut. «So soll es sein.»

Berner Zeitung

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