«Batnight» ohne fliegende Fledermäuse

Stettlen

Einmal im Jahr gibt es in ganz Europa eine Fledermausnacht. Am Samstag konnten Freunde dieser Tiere beim Schulhaus Bleiche in Stettlen viel über die ­geschickten Flieger erfahren.

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Der Fledermausverein Bern und der Naturschutzverein Nubis organisierten zusammen im Schulhaus Bleiche die diesjährige «Batnight», eine Veranstaltung für grosse und kleine Fledermausfreunde. Dies mit viel Fantasie und Liebe zum Detail. Für Fans der Flattermänner im Kindergarten- und Grundschulalter gab es Geschichten und Puppentheater als Einstimmung auf den Abend.

Ganz gebannt folgte ein ganzer Raum voller Kinder mucks(fleder)mäuschenstill den Abenteuern des Flederkinds Lily, das eigentlich nur einen leckeren Mistkäfer essen möchte und dabei fast selbst auf dem Teller des Fuchses landet.

Das Nahrungsangebot nimmt immer mehr ab

An Infoständen gab es unter anderem ausgestopfte Fledermäuse zu bewundern, und es gab all das zu kaufen, was wichtig für die ­Ernährung von Fledermäusen ist. Zum Beispiel ein Insektenhotel oder Samen für eine Wildblumenwiese. «Fledermäuse brauche einen Garten, der summt und brummt», sagt Irene Weinberger, Mitglied im Vorstand des Fledermausvereins.

Denn obwohl Fledermäuse von Fischen, Fröschen über kleine Säugetiere bis zu andern Fledermäusen so ziemlich alles verspeisen, sind doch die heimischen Fledermausarten ausschliesslich Insektenfresser, und Insekten gibt es immer weniger. Unter anderem weil die Landwirtschaft ihre Lebensräume zerstört.

Buntwiesen, Trockenmauern, Sträucher, Tümpel und Gebüsche helfen, die Artenvielfalt zu erhalten und Fledermäusen Nahrung zu bieten. Für ein glückliches Fledermausleben braucht es aber auch Dunkelheit, Höhlen oder ­alte Dachstühle als Wohnungen und Strukturen wie Bäume und überhängende Dächer, unter denen die Tierchen bei der Jagd geschützt entlangfliegen können. Das alles sind Dinge, die es in modernen Siedlungen wegen Lichtverschmutzung, quadratischer Häuser und vieler freier landwirtschaftlicher Flächen zunehmend weniger gibt.

Einige Arten sind akutgefährdet

Die Fledermaus hat es also schwer und ist auf Fledermausfreunde dringend angewiesen. Vor allem die Grosse Hufeisen­nase und das Graue Langohr sind akut gefährdet. Sie brauchen Schutz. «Jedes Teil unserer Welt hat seine Bedeutung. Wenn es fehlt, verschiebt sich alles, und wir merken es erst später», sagt Martin Bader vom Fledermausverein.

Zudem sind Fledermäuse faszinierende kleine Wesen mit ihrem Ultraschallecholot, die sogar rückwärts fliegen können. Clara Crepin (9) findet sie «schön und süss». Sie hat Fledermäuse in der Primarschule durchgenommen und ihre ganze Familie zur Fledermausnacht gebracht.

Ihr Bruder Bastian (11) freut sich vor allem darauf, echte Fledermäuse zu sehen. Zusammen begeben sich alle Fledermaussucher nach Einbruch der Dunkelheit auf Exkursion, ausgerüstet mit Stirnlampen, Taschenlampen und sogar richtigen Fledermausdetektoren.

Fledermäuse wollen nicht nass werden

«Der Detektor macht die Ultraschallrufe der Fledermäuse hörbar», erklärt Daniela Schmieder, Vorstandsmitglied im Fledermausverein und Exkursionslei­terin. Ist einer der geschickten Flieger in der Nähe, hört man ein Knattern oder ein «nasses Wassertropfen-Schmatzgeräusch». Allerdings fängt das Gerät auch Geräusche ein wie die Signale von Smartphones, Schlüsselklimpern und Automotoren.

Es gab an der Exkursion in Stettlen einiges zu hören, jedoch leider keine Fledermaus. Diese zogen es vor, beim nasskalten Wetter nicht auszufliegen, obwohl der Naturschutzverein ein Lichtzelt aufgestellt hatte, um ­Insekten anzulocken, die auch leckeres Fledermausfutter sind.

Doch auch die Insekten mochten nicht nass werden und kamen nur vereinzelt zum Licht. Aber eins ist sicher: In dieser Fledermausnacht haben die speziellen Tierchen ein paar neue Freunde gefunden.

Mehr Informationen: www.fledermaus-be.ch.

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