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Barbara Hayoz: Managerin statt «Stadtmutter»

Unnahbar wirkt sie, auf manche gar arrogant. Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP) ist sich dessen bewusst. Verbiegen will sie sich aber nicht, um Stadtpräsidentin zu werden. «Ich will keine Tschäppät-Kopie sein», sagt sie.

Es ist früh für einen Samstag. Barbara Hayoz sieht aus, als sei sie schon ein paar Stunden aktiv: Mit leicht geröteten Wangen vom Spaziergang durchs morgenfrische Kirchenfeldquartier verströmt sie Tatendrang. Fest ist ihr Händedruck, wach und aufmerksam sind ihre Augen. «Ich gehe im Fall nicht immer so früh zum Coiffeur. Ich schlafe gerne aus», sagt sie, als wolle sie diesen Eindruck von Perfektion etwas mildern.

Eine «Win-win-Situation»«Plan B Hairstyling» – hier lässt sich Barbara Hayoz frisieren. Hat die Finanzdirektorin einen Plan B, falls es am 30.November nicht klappen sollte mit der Wahl zu Berns erster Stadtpräsidentin? Sie lächelt. «Ich habe nichts zu verlieren. Ich befinde mich in einer klassischen Win-win-Situation.» Sie wolle Stadtpräsidentin werden, sagt Hayoz. Aber falls sie für dieses Amt nicht gewählt würde, könne sie weitere vier Jahre ihre Direktion führen. «Eine geniale Direktion. Der Job macht mir riesige Freude.»

Seit Anfang 2007 steht die freisinnige Barbara Hayoz der Finanzdirektion vor, davor der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie. «Hölle schwierig» werde es, Alexander Tschäppät zu schlagen, sagt Barbara Hayoz. Aber es sei möglich. «Vor vier Jahren durfte ich auch nicht damit rechnen, auf Anhieb in die Stadtregierung gewählt zu werden.» Doch die Kantonsparlamentarierin liess bekannte Stadtpolitiker weit hinter sich.

Barbara Hayoz wirkt entspannt, als ihr Coiffeuse Debora Kaufmann die Haare wäscht. Obschon sie es doch gewöhnungsbedürftig findet, dass sie im Moment eine derart öffentliche Person ist. «Ich staune, was die Leute alles über mich wissen oder wissen wollen.»

Eine Image-KorrekturGemeinderätin Barbara Hayoz wirkt oft unnahbar, auf manche gar arrogant. Stadtpräsidiumskandidatin Barbara Hayoz sagt: «Das ist mir bewusst. Ich habe in den letzten Monaten dazugelernt.» Sie sei offener, kommunikativer und «auch herzlicher» geworden. Sie weiss um die Stärke ihres Konkurrenten: «Alex ist ein brillanter Smalltalker.» Verbiegen werde sie sich aber nicht, betont Hayoz. Alexander Tschäppät und sie seien «zwei grundverschiedene Menschen». Barbara Hayoz doppelt nach: «Ich will als Stadtpräsidentin keine Tschäppät-Kopie sein.» Solche Auftritte seien nicht ihr Ding. Sie findet, man dürfe «die Rolle eines Stadtpräsidenten einer kleinen Stadt auch nicht überschätzen». Es ist das erste und einzige Mal in diesem Gespräch, dass ein Miniangriff auf ihren Konkurrenten herauszuhören ist.

Barbara Hayoz bemüht sich um mehr Lockerheit, will auch ihre private Seite zeigen. So ganz wohl scheint sie sich dabei aber nicht zu fühlen. Es ist ihr lieber, eine gewisse Distanz zu wahren. Das zeigt sich auch in der Finanzdirektion. Man ist per Sie mit der Chefin. Auch ihren Mann und die beiden Söhne will Barbara Hayoz nicht zu stark ins Rampenlicht zerren. Als Stadtpräsidentin wäre sie «eine Managerin der Stadt», sagt Hayoz. «Keine herzliche Stadtmutter, die auf dem Märit Kinder abküsst.»

Eine Frage des StilsDebora Kaufmann föhnt Barbara Hayoz’ Haare in Wellen. «Ich bin mir bewusst, dass ich als Politikerin stärker über mein Äusseres definiert werde als ein Mann», sagt Hayoz. An ihre erste BEA-Eröffnung als neu gewählte Grossrätin ging sie in Jeans. «Es war DAS Gesprächsthema.» Heute achte sie mehr auf ihre Garderobe. «Ich habe meinen Stil gefunden.» Den Wahlkampf auf ein Duell zwischen Frau und Mann zu reduzieren, Barbara Hayoz über Frauenthemen zu definieren – das passt nicht. Sie kokettiert nicht mit ihrer Weiblichkeit. Es fällt auf, dass sie hie und da davon spricht, «Stadtpräsident» zu werden.

Ein RückschlagIn den letzten Wochen wurde Barbara Hayoz vor allem von Tschäppäts SP heftig kritisiert: Hayoz Vorzeigeprojekt, der Bärenpark, kostet wegen geologischer Schwierigkeiten statt 10 Millionen nun deren 14,5. «Als ich das erfahren habe, wurde mir im ersten Moment richtig schlecht», sagt sie. Natürlich kämen die Probleme für sie zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. «Aber jammern hilft jetzt nichts, ich muss die fehlenden Mittel zusammenbringen.»

Es sei «Chefsache», in solchen Momenten den Kopf hinzuhalten, findet sie. Als Finanzdirektorin sei das weniger aufwändig als davor als Polizeidirektorin. «Die Finanzen sind mein Gebiet, hier kenne ich mich aus», sagt die Betriebsökonomin.

«Mitgestalten, etwas bewegen, Verantwortung übernehmen» – das ist es, was Barbara Hayoz an ihrer Arbeit in der Stadtregierung gefällt. «Als Stadtpräsidentin könnte ich vermehrt Themen lancieren», sagt sie. Bern sei reif für einen Wechsel. Bern werde «unter seinem Wert geschlagen». Aus Bern, seiner einzigartigen Lage zwischen Deutschschweiz und Romandie und seiner politischen Stellung, «könnte man viel mehr machen», sagt Barbara Hayoz. Die Stadt müsse ihre Führungsrolle wahrnehmen, ohne den umliegenden Gemeinden gegenüber dominant aufzutreten.

«Es gibt Leute, die denken, ich kandidiere zu früh fürs Stadtpräsidium», sagt Hayoz. Für sie ist es «ein logischer Schritt». Ob das die Stimmberechtigten auch so sehen? «Die Tagespolitik gibt den Ausschlag, wer gewählt wird», glaubt Barbara Hayoz. Bis dahin ist Ausschlafen am Samstag gestrichen.

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