Köniz

Bald ruht ihre Nähmaschine

KönizFast zwei Jahrzehnte lang nähte Franziska Ellenberger Taschen. Ihre Kreationen gabs sogar in Zürichs hippen Läden zu kaufen. Nun geht der Einfraubetrieb zu.

Der Stern war ihr Markenzeichen. Nach 17 Jahren schliesst Franziska Ellenberger ihre Taschenmanufaktur Sistars, welche die 57-Jährige seinerzeit zusammen mit ihrer Schwester gegründet hatte.

Der Stern war ihr Markenzeichen. Nach 17 Jahren schliesst Franziska Ellenberger ihre Taschenmanufaktur Sistars, welche die 57-Jährige seinerzeit zusammen mit ihrer Schwester gegründet hatte. Bild: Beat Mathys

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eigentlich wollte die Schwester nur endlich eine praktische Badetasche haben, die genug gross und wasserdicht ist. Also bat sie Franziska Ellenberger um Hilfe. Die beiden Geschwister besorgten sich Blache, setzten sich an die Nähmaschine und experimentierten. Es entstanden neue Ideen, neue Formen, neue Resultate – und schliesslich ihre eigene Taschenmanufaktur Sistars.

Das war 2001. Jetzt, 17 Jahre später, gibt Franziska Ellenberger schweren Herzens Werkstatt und Laden an der Landorfstrasse auf, die sie seit dem Ausstieg ihrer Schwester vor über einem Jahrzehnt allein geführt hat.

Zu anstrengend ist der 57-Jährigen der Einfraubetrieb in den letzten Jahren geworden. Das Nähen, die Kundenpflege, die Bewirtschaftung des Onlineshops, die regelmässigen Messebesuche: «Das alles war sehr energieraubend», so Ellenberger.

Entschluss war Erleichterung

Lange habe sie gehadert, habe einmal dichtmachen wollen, sich dann aber wieder umentschieden. «Es war ein bisschen wie eine langjährige Beziehung, die eigentlich keine Zukunft mehr hat, die man aber auch nicht einfach so kampflos aufgeben will.» Letzten Herbst fasste Ellenberger dann definitiv den Entschluss aufzuhören. «Das war eine Erleichterung.»

Trotzdem: Kalt lässt sie die Aufgabe des Geschäfts keineswegs, in das sie fast zwei Jahrzehnte lang ihr Herzblut gesteckt hatte. «Die Arbeit war meine Leidenschaft», so Ellenberger. Die Kreativität, der Kontakt mit der Kundschaft, deren Freude über das fertige Produkt – es sei ein schönes Handwerk gewesen.

1 Geschäft, 1000 Aufgaben

Besonders die Anfangszeit um die Jahrtausendwende war fulminant. «Damals konnte ich noch vom Nähen leben», erzählt die gelernte Kürschnerin, als die sie früher noch Tierfelle und Pelze bearbeitet hatte. Das Geschäft brummte.

Die Accessoires mit dem Stern – ihr Markenzeichen – fanden sogar beim traditionellen Berner Modegeschäft Ciolina Gefallen, das eine Zeit lang mit den Schwestern zusammenarbeitete. Es war die Sternstunde der Marke Sistars, deren Taschen seinerzeit in den Schaufenstern von ­Zürichs hippen Läden standen.

«Jetzt ist die Luft ein bisschen draussen.»Franziska Ellenberger

In den letzten Jahren sei das Geschäft härter, die Konkurrenz durch grosse Billiganbieter und das schier endlose Angebot im Internet grösser geworden. Ellenberger liess sich deswegen nicht vom Kurs abbringen, versuchte mit der Zeit zu gehen, verfolgte die Modetrends, nähte nebst Taschen auch Smartphone-Hüllen und Brillenetuis.

Sie brachte sich selber bei, wie man eine Website betreibt, eignete sich das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop an – und ging daneben noch zwei Tage pro Woche einem Nebenerwerb in einer Teigwarenmanufaktur nach.

Die Nähmaschine kommt mit

Die neuen Herausforderungen habe sie bis zum Schluss gerne angenommen. «Jetzt ist die Luft aber ein bisschen draussen», sagt die Könizerin, die ihr Pensum im Nebenjob aufstocken wird. Noch bis Ende Monat nimmt sie Aufträge entgegen. Ende Mai ist endgültig Schluss mit den Taschen, für die sie oft über 15 Stunden pro Exemplar an der alten Adler-Nähmaschine hockte.

Letztere erwarb Ellenberger vor 30 Jahren als Occasionstück. Unzählige ihrer knalligen Kreationen hat sie damit genäht. Es ist der einzige Gegenstand, den sie aus der Werkstatt mitnehmen wird. Denn hie und da etwas nähen werde sie wohl weiterhin. Künftig aber nur noch nach Lust und Laune. «Oder wenn es für Freunde mal wieder eine Hose zu kürzen gibt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.04.2018, 08:14 Uhr

Artikel zum Thema

«Hier herrscht ein Wegwerfverbot»

Taschen aus Störleder und Wolle aus Bisonfell: Die Berner Designerin Sabina Brägger experimentiert gern mit ungenutzten Materialien. Ein Besuch in ihrem Atelier in einer Sattlerei in Bern. Mehr...

Im Namen der Tasche

Warum gewisse Modelle zu Ikonen wurden – und welche aktuelle Tasche das Potenzial hat, mehr als bloss kurzzeitig Kultstatus zu erlangen. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Tingler Bin ich fix?

Mamablog Ist geschlechtsneutrale Erziehung extrem?

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...