Bald kommt Leben in den Prestigebau

Bern

Anfang Juni ziehen die ersten Bundesangestellten ins 379 Millionen Franken teure Verwaltungszentrum am Guisanplatz. Sie profitieren von zusätzlichen Bussen.

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Zehn Jahre lang dauerten die Planungs- und Bauarbeiten für die neuen Verwaltungsgebäude auf dem Areal des ehemaligen Militärgeländes am Guisanplatz. Anfang Juni ziehen nun 1400 Mitarbeitende der Bundesanwaltschaft, der Bundesämter für Polizei Fedpol und für Bevölkerungsschutz sowie der Armasuisse ein. Bis im September sollen weitere 1000 Angestellte an den Guisanplatz 1 zügeln.

«Es ist ein grosser Meilenstein, auf ein einziges Areal kommen hier Leute zusammen, die bisher auf elf verschiedene Standorte verteilt waren», sagte Martin Frösch, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Bauten und Logistik, an der gestrigen Medienführung. «So können Synergien genutzt und Betriebskosten gesenkt werden.»

Bezogen werden drei Gebäude, die die Namen historischer Schlachten tragen: Laupen, Sempach, Morgarten. Letzteres, am Standort des alten Zeughauses erbaut, ist mit acht Stockwerken und 1400 Arbeitsplätzen auf 30000 Quadratmetern das grösste. Der Neubau Laupen bietet 800 Arbeitsplätze, Sempach 200. Dieses kleinste Gebäude ist ein architektonischer Mix aus alt und neu; die 1897 erbaute Militär-Sattlerei und die 70-jährige Wäscherei wurden zusammengeführt und mit modernen Elementen kombiniert. Während in den anderen Gebäuden Steinböden dominieren, läuft man im Haus Sempach hingegen – wie in alten Zeiten – auf Riemenparkett.

600 Plätze im Restaurant

In den Verwaltungsgebäuden wurde viel mit Glas, Sichtbeton, Holz gearbeitet. «Bei Neubauten und Sanierungen des Bundesamtes für Bauten und Logistik werden die Arbeitsplätze nach dem Multispace-Konzept erstellt», sagte Mediensprecher Jonas Spirig.

Das bedeutet flexible, modulare Arbeitsplätze im Baukastensystem – wo die mobile Innenarchitektur ohne grossen Aufwand den entsprechenden Bedürfnissen angepasst werden kann. Die Gebäude verfügen über helle Innenhöfe, wo sich auch Cafeterias befinden, mit Polstermöbeln ummantelte Sitzecken und Rückzugsmöglichkeiten. Und im Haus Morgarten wird ein 600-plätziges Personalrestaurant betrieben.

Auch bezüglich der Anfahrt der 2400 Angestellten habe man sich Gedanken gemacht, meinte Martin Frösch. «Nach den Sommerferien wird Bernmobil regelmässig während der Stosszeiten zusätzliche Busse vom Bahnhof zum Guisanplatz einsetzen», sagte er. Diese seien natürlich auch für die Bevölkerung zugänglich.

Die Kritiker

Für die Realisierung dieses Verwaltungskomplexes am Guisanplatz genehmigten die Eidgenössischen Räte 2012 einen Kredit von 420 Millionen Franken. Tatsächlich habe das Projekt 379 Millionen Franken gekostet, wurde am Donnerstag betont. Nicht angesprochen wurde hingegen, dass es zum Standort Guisanplatz auch Kritik gibt. Einerseits vonseiten der SP Bern-Nord: Ursprünglich wurde nämlich von einer für die Bevölkerung zugänglichen Parkanlage gesprochen. Weil aber die terroristische Bedrohung in Europa gestiegen sei, machte der Bund 2016 eine Kehrtwende. Ins Areal kommt jetzt nur, wer einen Mitarbeiterbadge trägt.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle ihrerseits moniert, dass die Ausnutzung zu schlecht sei. Laut Immobilienstrategie des Bundes sollen die Investitionskosten für einen Arbeitsplatz 120 000 Franken nicht übersteigen. Diese kämen aber mit der vorgesehenen Anzahl Beschäftiger am Guisanplatz auf 180 000 Franken.

Berner Zeitung

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