Bald führen zwei Radwege zum Flughafen

Belp

Der Kanton baut einen neuen Fuss- und Veloweg in Belp – nach ziemlich alten Plänen. Dabei gibt es schon einen Radweg zum Flughafen.

Strasse zum Flughafen: Bald führt hier ein durchgehender Radweg entlang. «Das Land wird mit Steuergeldern zubetoniert», sagt Daniel Schneider.

Strasse zum Flughafen: Bald führt hier ein durchgehender Radweg entlang. «Das Land wird mit Steuergeldern zubetoniert», sagt Daniel Schneider.

(Bild: Urs Baumann)

Johannes Reichen

Neben der Strasse zum Flughafen Belp steht eine kleine Tafel im Gras. «Hier werden ab dem 24.August 3600 Quadratmeter Kulturland vom Kanton Bern mit Steuergeldern zubetoniert», steht darauf. Landwirt Daniel Schneider hat die Tafel aufgestellt. Er stört sich daran, dass wieder ein Stück Land verschwindet – für ein Bauwerk, das aus seiner Sicht unnötig ist. «Es gibt ja bereits einen Radweg zum Flughafen», sagt er.

Schneider bewirtschaftet in der Giessmatt einen Bauernbetrieb, wenige Meter abseits der Flughafenstrasse. «Ich wehre mich als Bürger gegen diesen Weg.» Er hat erst kürzlich davon erfahren. Vor dem Baubeginn fragt er sich jetzt, wie es so weit kommen konnte.

Veloweg führt über Kies

Der Radweg ist das letzte Kapitel in der fast endlosen Geschichte der Flughafenzufahrt. 2002 lehnten die Stimmbürger des Kantons in einer Referendumsabstimmung eine Erschliessungsstrasse vom Lindenkreisel zum Flughafen ab. Daraufhin bewilligte der Grosse Rat 8,85 Millionen Franken für ein redimensioniertes Projekt. So wurde 2005 der Abschnitt zwischen Aemmenmatt und Flughafen eröffnet – ohne durchgehenden Radweg entlang der Strasse. Stattdessen führt ein Radkiesweg übers Land zum Flughafen.

Der zweite Abschnitt der Zufahrt zwischen Lindenkreisel und Aemmenmatt wurde im Mai eröffnet . Die Belper Bevölkerung hatte die nötigen 9,5 Millionen Franken 2012 bewilligt. Auch ein Radstreifen gehört dazu. Der wird jetzt noch bis zum Flughafen verlängert – eine asphaltierte Alternative zum Kiesweg.

«Teuer und gefährlich»

Der Anstoss dazu kam von der Gemeinde. «Der bestehende Kiesweg kreuzt zweimal eine Strasse», sagt Gemeinderat Hans Aeschlimann?(SVP). Das könne zu gefährlichen Situationen führen. Zudem sei der Unterhalt für die Gemeinde aufwendig. Bei schlechtem Wetter bekomme er einige Reklamationen über den Zustand. «Wir sind froh, dass der Kanton den Weg baut.»

Schneider wundert sich aber, wie dieses letzte Teilstück finanziert wird. Schliesslich habe das Stimmvolk den Strassenkredit ja abgelehnt. Unterstützung erhält er von Ueli Augstburger?(SVP). «Jetzt soll es auf einmal möglich sein, den Radweg zu finanzieren?», fragt der Grossrat aus Gerzensee. Er hat sich vor Ort ein Bild gemacht und findet das Projekt ebenso unsinnig. Der bestehende Weg befinde sich in einem guten Zustand. «Ich bin schon etwas vor den Kopf gestossen.»

Weg kostet 270'000 Franken

Unbestritten ist: Der Strassenplan wurde 2001 genehmigt, und das benötigte Land gehört bereits seit 2004 dem Kanton Bern. Daran erinnert Kreisoberingenieur Ueli Weber. «2004 haben wir nicht auf den Radweg verzichtet, weil wir kein Geld gehabt hätten.» Sondern weil der Kanton nach dem Abstimmungs-Nein nicht mehr Geld als nötig habe ausgeben wollen.

Jetzt aber sei der richtige Zeitpunkt, das letzte Teilstück des Radwegs zu bauen. Er werde aus dem Investitionsrahmenkredit finanziert. Die Kosten betragen rund 270'000 Franken.

Ein breiter Grünstreifen

Der neue Fuss- und Velostreifen ist 800 Meter lang, drei Meter breit und führt von der Druckerei Jordi bis zur Karthalle im Belpmoos. Zwischen dem Weg und der Strasse dient ein 1,5 Meter breiter Grünstreifen der Entwässerung. Für Landwirt Daniel Schneider ist das zu viel. «Ein halber Meter würde genügen.» Auch für Gemeinderat Aeschlimann ist der Verlust der Landwirtschaftsfläche bedauerlich. «Man kann sich heute tatsächlich fragen, ob der Grünstreifen wirklich 1,5 Meter breit sein muss.»

Aber das wurde ja schon vor 15 Jahren entschieden.

Berner Zeitung

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