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Bärenpark: Steuerzahler sollen Millionen zahlen

Die Kostensteigerung beim Bau des Bärenpark hat mehrere Gründe. Die Lücke von rund neun Millionen Franken soll nun die Stadt Bern übernehmen. Der Gemeinderat beabsichtigt, dem Stadtrat dafür einen Kredit vorzulegen.

Der Fotograf schreibt: «Auf dem Bild sieht man die Bärendame Björk im Bärenpark Bern. Es scheint, als mache sie Dehnübungen oder Gymnastik.»
Der Fotograf schreibt: «Auf dem Bild sieht man die Bärendame Björk im Bärenpark Bern. Es scheint, als mache sie Dehnübungen oder Gymnastik.»
Dominic Röthlisberger
Christine Aeschlimann
Stefan Streit
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Die hohe Kostensteigerung beim Bau des Berner Bärenparks und die späte Information dazu hat mehrere Gründe: Schlechte Abklärung des Baugrunds, unklare Rollen, Informationsmängel, Komplexität des Projekts. Das hat die Administrativuntersuchung ergeben.

Hauptursachen für die letzte Kostenüberschreitung seien Mehraufwände etwa wegen Tiefbauarbeiten sowie höhere Forderungen der ausführenden Baufirma insbesondere wegen Beschleunigungsmassnahmen und Bauablaufstörungen «aufgrund des unverrückbaren Fertigstellungstermins» dieses «Prestigeprojekts».

Das heisst es in der am Freitag in Bern den Medien präsentierten 48-seitigen Administrativuntersuchung von alt Oberrichter Ueli Hofer und Baufachmann Bernhard Matter.

Die Bedeutung für die Stadt Bern und die Finanzierung durch Sponoren habe den Bärenpark zu einem Prestigeprojekt für Politik und Wirtschaft gemacht, «das von einem gewissen Moment an nicht mehr scheitern durfte und dessen zum Voraus festgesetzter Eröffnungstermin unbedingt eingehalten werden musste.»

Zu lesen ist im Bericht auch, die Schlussabrechnung sei zwar noch nicht da, doch stehe heute ein Kostenmaximum von 21,3 Millionen Franken fest.

Das sind 6,8 Millionen Franken mehr als die 14,5 Millionen Franken, die nach einer ersten Kostenerhöhung bis zum Herbst 2009 als Baukosten galten - aber nicht die 24 Millionen Franken, die damals als oberste Grenze angegeben wurden.

Unklare Rolle des Leistunsgausschusses

Von der Organisation her hätten in Bezug auf den Bau und die Kosten an sich «angemessene Kontrollmassnahmen» bestanden, steht im Bericht weiter. Die Komptenzen seien nicht klar geordnet gewesen.

Mängel orten die Autoren des Berichts vor allem beim Projekt- Lenkungsausschuss, der im August 2005 gebildet wurde. Ihn führten nacheinander die Gemeinderatsmitglieder Barbara Hayoz, Stephan Hügli und Reto Nause.

Hayoz habe entgegen einer Ankündigung von 2005 dafür nie ein Pflichtenheft erstellt; seine Zusammensetzung sowie seine Aufgaben und Kompetenzen seien nicht geregelt gewesen. Für die Stadtbauten Bern (StaBe) war er der Bauherr, die Mitglieder selber sahen ihn als Begleitorgan.

Dieser Ausschuss habe sich in Bezug auf die Kostenentwicklung zu passiv verhalten und hätte Anfang 2008 unter Hayoz «eindeutig» den Gemeinderat über schon vor Baubeginn feststehende Mehrkosten - damals 1,5 Millionen - informieren müssen, schreiben die beiden Autoren. Auch später habe der Lenkungsausschuss eine «unvollständige Kommunikation» betrieben.

Hofer sagte dazu am Freitag vor den Medien, Anfang 2008 hätte das Projekt noch gestoppt werden können, im August 2008 aber nicht mehr.

Fehler orten die Autoren auch beim Projektleiter der StaBe und beim externen Bautreuhänder, während der StaBe-Direktor Rudolf Lanzrein bezüglich Kostenüberwachung nichts falsch gemacht habe. Er habe aber den Verwaltungsrat zwischen Dezember 2008 und September 2009 ungenügend informiert. Der StaBe-Verwaltungsrat habe keine Pflichten verletzt.

Entlastet wird auch der Berner Gemeinderat als Kollektiv. Nicht er, sondern die Sicherheits- und später die Finanzdirektion seien für den Bau und die Finanzen des Bärenparks zuständig gewesen. Letztlich sei der Bärenpark halt einfach auch ein «äusserst komplexes Projekt» gewesen.

Problematische Fremdfinanzierung

Im Bericht ist auch die Rede von grossen Spannungen zwischen Planern und der ausführenden Baufirma. Zudem habe sich die vom Gemeinderat befürwortete und vom Stadtrat beschlossene Fremdfinanzierung negativ auf die Kostenkontrolle und -disziplin ausgewirkt.

Weil nie ein Bruttokredit gesprochen worden sei, habe die «politisch und psychologisch wichtige Kreditbegrenzung» gefehlt.

Der Bericht bestätigt im Weiteren, dass im Wesentlichen der Mehraufwand für umfangreiche Hangsicherungen zur ersten Kostenerhöhung von 9,7 auf 14,5 Millionen Franken führte. Die Kosten dafür wurden wegen mangelhafter Baugrunduntersuchungen unterschätzt.

SDA/sgl

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