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Bähnler mit Leib und Seele

Jürg Aeschlimanns Modelleisenbahnanlage ist ein Zuschauermagnet. Am Sonntag pilgerten zahlreiche Bahnfreaks an die Flugbrunnenstrasse, um sich am Bähnli zu erfreuen.

So sieht Jürg Aeschlimanns Modelleisenbahnanlage an der Flugbrunnenstrasse in Bolligen aus. <i>Video: Enrique Muñoz García</i>

Jede halbe Stunde bringt ein eigens organisierter Shuttlebus neue Besucher in Jürg Aeschlimanns Garten; bis zu 50 ­Leute gleichzeitig betrachteten am Sonntag Gras und Farne in der Flugbrunnenstrasse 21 in Bolligen. Warum? Durch die Pflanzen schlängelte sich die Rhätische Bahn.

Mehr als 200 Meter Gleise und 2,2 Kilometer Kabel hat ­Hobbymodellbauer Aeschlimann (60) verlegt, um seinen Vorgarten ins Bündnerland zu verwandeln; durch drei Tunnel, über vier Brücken und an fünf Bahnhöfen vorbei winden sich über 120 Waggons aus verschiedenen Jahren Eisenbahngeschichte.

Den Bahnhof Filisur, das Herzstück der Anlage, hat Aeschlimann nach einem Reissplan aus dem Jahr 1979 sogar selbst gebaut, und nach über 40-jähriger Sammel- und Basteltätigkeit fahren zwölf Züge von Filisur nach Bergün, Stuls und Surava. Jeder einzelne Wagen hat dabei einen Wert zwischen 800 und 1000 Franken; Luxusmodelle aus Messing werden für bis zu 6000 ­Franken gehandelt.

Was bewegt Aeschlimann dazu, seinen kompletten Vorgarten und seinen Keller in ein Bahnparadies zu verwandeln? Er lacht. «Ich baue für die Leute; es ist toll, wenn alles schön aussieht und funktioniert!»

Von Beruf Bähnler

Viermal im Jahr öffnet er seinen Garten für Nachbarn und Eisenbahnfreunde. Zwischen den öffentlichen Vorführungen steht der Nachbarsbub am Schaltpult. Aeschlimann selbst arbeitet beim RBS wie zuvor sein Vater; die ganze Familie hat Bahn im Blut. Als 1979 die Firma Lehmann die berühmte Krokodilbahn als Modellbahn ankündigte, gab es für Grossvater Aeschlimann kein Halten mehr: Vater und Sohn verschrieben sich voll und ganz dem Modellbau.

«Ich bin immer gern im Bündnerland gewesen», sagt Aeschlimann auf die Frage, warum er sich entschieden hat, gerade die Albulastrecke nachzubauen, obwohl sie rund 250 Kilometer von Bern entfernt liegt.

Dabei geht es ihm aber nicht um eine detailgetreue Nachbildung, sondern auch um Fantasie: «Wir haben auch ein paar Gartenzwerge und Tiere auf dem Gelände versteckt, denn das mögen die Kinder.»

So schaut ein Eichhörnchen aus dem Strauch, und ein Murmeltier thront über einem Haus. Die Liebe zum Detail ist im ganzen Garten sichtbar.

Geduld ist gefragt

«Man braucht vor allem Geduld als Modellbauer», meint Urs Aeschlimann (28), Sohn von Jürg Aeschlimann und Lokführer von Beruf. Als er geboren wurde, war die Anlage schon fertig. «Ich bin da so reingewachsen», sagt er, «mit drei Jahren durfte ich am Rad drehen, mit fünf Jahren am Stellwerk mithelfen. Ich habe immer meinem Vater zugeschaut.»

Mit dem Modellbau ist jedoch auch viel Arbeit verbunden. Zehn Stunden haben Aeschlimann junior und senior damit verbracht, ihre Modellbahn für den Publikumsverkehr vorzubereiten. Es gibt immer etwas zu reparieren und zu reinigen, vor allem nach einem Regentag, und auch Schnecken werden der Bahn zur Gefahr.

Dass es sich aber lohnt, zeigt ein Blick in Urs Aeschlimanns Gesicht: «Es macht Freude, zu sehen, wie die Menschen Freude haben», sagt er und fügt hinzu: «Dass dieser Tag ein solcher Erfolg ist, verdanken wir auch dem Club Eisenbahn­freunde RBS, der die Leute zu uns schickt.»

Der Verein feierte am Sonntag sein 35-Jahr-Jubiläum. Wo? Natürlich am Bahnhof.

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