Bern

Baden im Bremgartenwald

BernWälder haben eine positive Wirkung auf uns Menschen. Daran glaubt auch Reto Weishaupt. Er führte am Sonntag ein sogenanntes Waldbad im Bremgartenwald durch.

Der Kursleiter Reto Weishaupt über die Wirkung von Wäldern auf den Menschen und störende Geräusche.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr an der Bushaltestelle Länggasse steht eine Gruppe von zehn Personen, die sich zum Waldbaden getroffen hat. Waldbaden? Der Name ist Programm, wir tauchen in den Bremgartenwald ein. «In Japan gibt es das Waldbaden schon über dreissig Jahre», erklärt Reto Weishaupt, der den Ausflug leitet.

Je weiter wir in den Wald gehen, desto leiser werden Autobahn, Kirchenglocke und Menschenstimmen. Die Wege werden schmaler, der Wald etwas dichter. Waldbaden sei nicht wie Wandern: «Wir schlendern und tauchen mit allen Sinnen ein», sagt der 36-jährige Weishaupt, der als Meditationslehrer tätig ist.

Ein Drittel der Schweiz ist von Wald bedeckt, mit 500 Millionen Bäumen. «Und sie fügen sich zusammen zu einem riesigen Lebewesen. Einem Ökosystem, das mit bioaktiven Molekülen kommuniziert, von denen auch wir Menschen profitieren können», ist der Appenzeller überzeugt. Und zitiert Studien, die belegen, dass zwei Stunden Aufenthalt im Wald den Anteil der natürlichen Killerzellen um vierzig Prozent steigern, den Blutdruck senken und das Immunsystem stärken können.

Abschweifen will gelernt sein

Wir folgen ihm tiefer in den Wald hinein. Jeder ist für sich, manche berühren Bäume, andere inspizieren Pflanzen, wenige kommen vom Weg ab. Wir schlendern so langsam, dass man hochblicken kann und sich so fühlt, als würde man auf der Aare liegen und die Baumwipfel ziehen vorbei. Manche könnten es komisch finden, sich mit Fremden schweigend in den Wald zu setzen. Beim Waldbad ist es irgendwie in Ordnung, jeder ist ganz bei sich.

Weishaupt hat wunderschöne Plätze im Bremer für die Pausen gefunden. Beim zweiten Stopp setzen wir uns gemütlich auf die eigene Decke, ziehen die Schuhe aus, damit wir den Waldboden spüren, und sind weit weg von allen Geräuschen. Wir sinken in uns rein, hören zuerst nur, ein Radfahrer fährt neben uns vorbei, und ein feiner Wind streicht durch die Wipfel, und Weishaupt führt uns durch die Achtsamkeitsmeditation. Einige der Waldbadenden haben Erfahrung damit. «Es braucht Übung darin, die abschweifenden Gedanken zurückzuführen», sagt Rita Pergola, die mit ihrer Tochter Laura und ihrem Mann Orazio teilnimmt.

Keine Lust auf die Stadt

Beim dritten Stopp machen wir eine Qigongübung, die Weishaupt vorzeigt und wir nachmachen. «Das Waldbad hat für mich viele Parallelen zu Yoga», sagt eine 45-Jährige aus Thörishaus. Ihre Cousine sagt: «Ich kenne die positive Wirkung des Waldes, aber manchmal im Alltag vergisst man das einfach.» Nach zwei Stunden tauchen wir aus dem Wald auf, alle wirken entspannt. Und Lust, wieder in die Länggasse und ins Stadtleben zurückzukehren, haben wir eigentlich nicht.

Nächster Termin: 16. September 2017, um 10-12 Uhr. Kosten: 30 Franken pro Person. Infos unter mindfulmind.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.08.2017, 17:47 Uhr

Artikel zum Thema

Dr. med. Wald

Ein Waldspaziergang tut gut. Das fühlen wir alle, irgendwie. Jetzt beginnt die Wissenschaft zu erforschen, warum genau Bäume und Pflanzen eine heilsame Wirkung auf den Menschen haben – und kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Introvertierter Bär

Casino historisch Die schwankende Brücke

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hauslieferung: Der Weihnachtsbaum wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron Trump ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...