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AvG: «Ich konnte keine politische Botschaft erkennen»

Stadtpräsident Alec von Graffenried war am Samstagabend persönlich bei der Reithalle, um sich ein Bild zu machen. Er ist enttäuscht ob der Gewaltbereitschaft, aber froh darüber, dass die Polizei die angrenzenden Quartiere schützen konnte.

Ralph Heiniger
Polizisten räumen von Randalierern errichtete Barrikaden weg.
Polizisten räumen von Randalierern errichtete Barrikaden weg.
Jürg Spori
Wurde arg in Mitleidenschaft gezogen: Die Neubrückstrasse nach den Ausschreitungen.
Wurde arg in Mitleidenschaft gezogen: Die Neubrückstrasse nach den Ausschreitungen.
Keystone
Nach den Krawallen sind die Strassen mit Steinen übersät.
Nach den Krawallen sind die Strassen mit Steinen übersät.
Keystone
Polizisten sichern die Neubrückstrasse, nachdem die Situation eskalierte.
Polizisten sichern die Neubrückstrasse, nachdem die Situation eskalierte.
Keystone
Im Hintergrund ist eine von Vermummten errichtete Barrikade zu sehen, die anschliessend von der Polizei weggeräumt wurde.
Im Hintergrund ist eine von Vermummten errichtete Barrikade zu sehen, die anschliessend von der Polizei weggeräumt wurde.
Keystone
Solche Szenen spielten sich am späten Samstagabend vor der Reitschule ab.
Solche Szenen spielten sich am späten Samstagabend vor der Reitschule ab.
Jürg Spori
Scherben, Tränengas, Rauchpetarden:
Scherben, Tränengas, Rauchpetarden:
Jürg Spori
Einer von mehreren Wasserwerfern, die am Samstagabend eingesetzt wurden.
Einer von mehreren Wasserwerfern, die am Samstagabend eingesetzt wurden.
Jürg Spori
Vermummte liefern sich vor der Reitschule eine Strassenschlacht mit der Polizei.
Vermummte liefern sich vor der Reitschule eine Strassenschlacht mit der Polizei.
Jürg Spori
Polizisten werden mit Flaschen und Steinen angegriffen...
Polizisten werden mit Flaschen und Steinen angegriffen...
Jürg Spori
Die dunklen Sonnenbrillen dienten den Polizisten als Sichtschutz, damit sie nicht mit Laserpointern geblendet werden können.
Die dunklen Sonnenbrillen dienten den Polizisten als Sichtschutz, damit sie nicht mit Laserpointern geblendet werden können.
Raphael Moser
Demonstranten feuern Leuchtpetarden gegen Polizisten ab, diese antworten mit dem Wasserwerfer.
Demonstranten feuern Leuchtpetarden gegen Polizisten ab, diese antworten mit dem Wasserwerfer.
Raphael Moser
Polizisten drängen an einer von Randalierern errichteten Strassensperre vorbei.
Polizisten drängen an einer von Randalierern errichteten Strassensperre vorbei.
Raphael Moser
Polizisten auf der Neubrückstrasse. Mit den Steinen, die am Boden liegen, wurden die Einsatzkräfte beworfen.
Polizisten auf der Neubrückstrasse. Mit den Steinen, die am Boden liegen, wurden die Einsatzkräfte beworfen.
Raphael Moser
Rechts oben ist der brennende Lieferwagen zu erkennen.
Rechts oben ist der brennende Lieferwagen zu erkennen.
Raphael Moser
Polizisten in Vollmontur verteidigten sich gegen Angriffe von Demonstranten.
Polizisten in Vollmontur verteidigten sich gegen Angriffe von Demonstranten.
Jürg Spori
In der Nähe der Abstellgleise an der Neubrückstrasse...
In der Nähe der Abstellgleise an der Neubrückstrasse...
Jürg Spori
...setzten Randalierer ungefähr um 22 Uhr...
...setzten Randalierer ungefähr um 22 Uhr...
Raphael Moser
...einen Lastwagen in Flammen.
...einen Lastwagen in Flammen.
Jürg Spori
Offenbar gehört der Lieferwagen der SBB.
Offenbar gehört der Lieferwagen der SBB.
Nik Sarbach
Verängstigte Partygäste verfolgen das Geschehen aus dem Innern der Reitschule. In der Nacht von Freitag auf Samstag findet im Dachstock eine Drum'N'Bass Party statt. Der Anlass ist ausverkauft.
Verängstigte Partygäste verfolgen das Geschehen aus dem Innern der Reitschule. In der Nacht von Freitag auf Samstag findet im Dachstock eine Drum'N'Bass Party statt. Der Anlass ist ausverkauft.
Raphael Moser
...und reagieren darauf mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfer.
...und reagieren darauf mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfer.
Jürg Spori
Die Demonstranten errichteten auf der Schützenmattstrasse mit Containern...
Die Demonstranten errichteten auf der Schützenmattstrasse mit Containern...
Jürg Spori
...und Absperrgittern Barrikaden und zündeten diese an.
...und Absperrgittern Barrikaden und zündeten diese an.
Jürg Spori
Auch auf der Neubrückstrasse wurden mit Gittern Barrikaden errichtet.
Auch auf der Neubrückstrasse wurden mit Gittern Barrikaden errichtet.
Jürg Spori
Unter anderem das Errichten der Barrikaden führte dazu, das die Situation eskalierte.
Unter anderem das Errichten der Barrikaden führte dazu, das die Situation eskalierte.
Jürg Spori
So sperrte die Polizei die Strassen ab: Im Hintergrund sind die Absperr-Jeeps zu sehen, 20 Meter davor wurde ein Absperrband angebracht. Wer dieses überschreitet, wird mittels Wasserwerfer und Gummischrot zurückgedrängt.
So sperrte die Polizei die Strassen ab: Im Hintergrund sind die Absperr-Jeeps zu sehen, 20 Meter davor wurde ein Absperrband angebracht. Wer dieses überschreitet, wird mittels Wasserwerfer und Gummischrot zurückgedrängt.
Jürg Spori
Die Polizei lässt den Demonstranten keine Wahl:
Die Polizei lässt den Demonstranten keine Wahl:
Jürg Spori
Nach mehreren Runden um die Reitschule kommt der Demonstrationsumzug schliesslich auf dem Vorplatz zum Stillstand.
Nach mehreren Runden um die Reitschule kommt der Demonstrationsumzug schliesslich auf dem Vorplatz zum Stillstand.
Jürg Spori
Hier marschierte der Demonstrationsumzug noch.
Hier marschierte der Demonstrationsumzug noch.
Jürg Spori
Um 20.40 Uhr marschierte ein Demonstrationsumzug mit geschätzten 500 Teilnehmern aus der Reitschule in Richtung Henkerbrünnli.
Um 20.40 Uhr marschierte ein Demonstrationsumzug mit geschätzten 500 Teilnehmern aus der Reitschule in Richtung Henkerbrünnli.
Jürg Spori
Die Kantonspolizei Bern ist beim Bollwerk auch am Samstagabend mit einem Grossaufgebot präsent. Beim Kunstmuseum steht bereits ein Wasserwerfer bereit.
Die Kantonspolizei Bern ist beim Bollwerk auch am Samstagabend mit einem Grossaufgebot präsent. Beim Kunstmuseum steht bereits ein Wasserwerfer bereit.
Jürg Spori
Entlang der Schützenmatt...
Entlang der Schützenmatt...
Jürg Spori
...wurde an jedem Baum...
...wurde an jedem Baum...
Jürg Spori
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Herr von Graffenried, was war Ihre erste Reaktion auf die Ausschreitungen?Alec von Graffenried:Ich bin sehr enttäuscht von der Gewaltbereitschaft und deprimiert wegen der Vorfälle.

Wird die Stadtregierung Sanktionen verhängen? Es stellt sich die Frage, gegen wen wir Sanktionen verhängen sollten. Es ist erfreulich, dass einzelne mutmassliche Täter angehalten werden konnten. Aber es ist Aufgabe der Justiz, diese zu sanktionieren, nicht der Stadt Bern.

Steht eine Schliessung der Reithalle zur Debatte? Wir haben auf der einen Seite ­gewalttätige Männer, welche diese Angriffe aus der Reitschule lanciert haben. Auf der anderen Seite ist die Reitschule, wo es sehr viele Leute gibt, die damit gar nichts zu tun haben. Wir werden Gespräche mit der Reitschule führen müssen, diese Gespräche stehen in den nächsten Tagen sowieso auf dem Programm.

Am Freitag und am Samstag wurden Demoumzüge ver­hindert. War das die richtige Strategie? Wir hatten am Mittwoch den Umzug durch die Länggasse. Dabei wurde erheblicher Sachschaden angerichtet. Das Ziel der Stadtregierung war es deshalb, weitere Umzüge durch Wohnquartiere zu verhindern. Wir sind erleichtert, dass dank des Ein­satzes der Kantonspolizei ein Übergreifen der Gewalt auf die angrenzenden Quartiere verhindert werden konnte.

Die Strategie der Einkesselung war also eine Strategie des Gemeinderats? Nein, es gab keine Strategie der Einkesselung. Es ging der Stadtregierung darum, Umzüge durch angrenzende Quartiere zu verhindern. Das haben wir von der Polizei verlangt, die Polizei hat dies im Rahmen ihrer operativen Verantwortung umgesetzt.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) stärkt der Polizei den Rücken. Bild: Keystone
Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) stärkt der Polizei den Rücken. Bild: Keystone

Konnten Sie bei den beiden Demonstrationen eine politische Botschaft erkennen? Nein, das konnte ich wirklich nicht. Es gab auch kein Angebot der Demonstrierenden, um über eine politische Forderung zu diskutieren. Mit allfälligen legitimen politischen Anliegen hatte das gar nichts zu tun.

In ihrer Medienmitteilung betont die Stadtregierung, dass sie offen sei für den Dialog. Doch es wirkt nicht so, als wäre die andere Seite überhaupt an einem Dialog mit der Stadt interessiert. Das ist leider richtig. Es gab keinerlei Dialogangebot seitens der Demonstranten. Doch man könnte mit uns reden. Sowohl der Gemeinderat wie auch der Stadtrat sind sehr offen, wenn es darum geht, Fragen zu Wohnungsnot oder zu leer stehenden Liegenschaften zu diskutieren und pragmatische Lösungen zu finden. Ausserdem darf man in Bern sehr wohl demonstrieren, aber es wurde kein Gesuch eingereicht. Das Ganze spielt sich hier auf einer anderen Ebene ab.

Angefangen hat es am Mittwoch mit der Räumung an der Effingerstrasse. Wie beurteilen Sie diese Räumung? Es handelt sich um eine Liegenschaft des Bundes. Der Bund hat gerichtlich die Exmission erwirken können, die Polizei hat diese durchgesetzt. Die Stadt war in diese Vorgänge nicht involviert.

In der Länggasse hat die Gruppe «Fabrikool» ein Gebäude des Kantons besetzt, das seit Jahren leer steht. Dort findet nun ein Dialog statt. Und das führte nun dazu, dass eine Zwischennutzung trotz anders lautender Ankündigungen des Kantons vorerst doch möglich ist. Dieses Beispiel zeigt doch, was alles geht, wenn man nur miteinander redet. Ich hatte eigentlich gehofft, dass dieser Fall als positives Gegenbeispiel dienen wird, und war etwas perplex, als es am Freitag und am Samstag dennoch zu Ausschreitungen kam.

Sie sind gerade mal seit sechs Wochen Stadtpräsident. Eine Schonfrist erhalten Sie offenbar nicht. Wie gehen Sie persönlich mit dieser schwierigen Situation um? Ich stelle fest, dass sich die Welt seit den Wahlen nicht verändert hat. Ich habe mir am Samstag selbst vor Ort ein Bild gemacht. Meine ersten Gespräche mit Vertretern der Reitschule stehen noch bevor. Für mich ist wegweisend, wie sich die Reitschule in diesem Konflikt verhalten wird, in dem sie selbst mittendrin steckt.

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