Autos sollen auf dem Pannenstreifen der A6 fahren dürfen

Bern

Weil der Bund auf der Autobahn A6 im Ostring den Pannenstreifen für die Autos freigeben will, verlangen die Quartierbewohner, dass die Stadt den Freudenbergerplatz neu gestaltet.

Auf der A6 im Ostring soll der Pannenstreifen für die Autos freigegeben werden.

Auf der A6 im Ostring soll der Pannenstreifen für die Autos freigegeben werden.

(Bild: Stadt Bern/zvg)

Schon seit Jahrzehnten hoffen die Bewohner in der Schosshalde und im Murifeld darauf, dass sie einmal Ruhe vor der Autobahn haben würden, die durch ihr Quartier führt. Der ersehnte Entlastungstunnel wird aber noch lange nicht gebaut. Nun sehen Quartiervertreter trotzdem eine Chance, dass die Stadt wenigstens die Umgebung der Autobahn etwas freundlicher gestaltet – wenn die A6 schon nicht unter dem Boden verschwindet.

Denn der Bund plant, den Verkehr auf der A6 zwischen Muri und Wankdorf zu verflüssigen, indem er in rund fünf Jahren die Pannenstreifen zu Stosszeiten für die Autos freigeben will. Diese Gelegenheit will die Quartierkommission QUAV 4 nutzen. Sie will das Vorhaben zwar nicht blockieren. Aber sie stellt eine Forderung: Wenn der Bund die Autobahn umgestaltet, die durch ihr Quartier führt, soll er es auch ermöglichen, endlich den Freudenbergerplatz umzugestalten.

«Es ist einer der unwirtlichsten Plätze der Stadt», sagt Sabine Schärrer, Geschäftsführerin der Quartierkommission. In der Tat besteht der Platz aus Strassen: einem Autobahnviadukt, zwei Autobahnausfahrten, zwei Autobahneinfahrten. «Man quert eine Wüste, wenn man vom Ostring her ins Freudenbergzentrum einkaufen gehen will», schildert Schärrer das Unbehagen der Quartierbewohner. «In Stosszeiten stehen die Fussgänger und Velofahrer mitten im Verkehr und warten ewig auf Grün», sagt sie.

Stadt soll Einsprache erheben

Schärrer und die Quartierkommission möchten nicht nur, dass die Stadt einen Brunnen und ein paar Bänkli auf den Platz stellt. «Wir wollen, dass man grundsätzlich neu plant.» Der Viadukt müsse zwar bleiben, da hegen die Quartiervertreter keine unrealistischen Pläne. Aber über die Neuorganisation des gesamten «Freudenbergersalats» müsse man diskutieren, findet Schärrer.

Die Quartierkommission selber kann beim Bund keine Einsprache machen. Um zu erreichen, dass die Umgestaltung des Platzes und dessen Umgebung trotzdem nicht vergessen geht, soll die Stadt beim Bund Einsprache gegen die Pannenstreifenumnutzung erheben und auf diese Weise den Anliegen des Quartiers beim Bund Gehör verschaffen.

SP-Stadtrat Thomas Göttin, selber ein Quartierbewohner, sowie weitere Stadträte unterstützen dieses Vorgehen und haben einen entsprechenden Vorstoss im Stadtrat eingereicht. Die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) ist einverstanden. Sie sagt: «Die Stadt wird aller Voraussicht nach Einsprache machen.»

Allerdings will die Stadt die geplante Umnutzung der Pannenstreifen keinesfalls verzögern oder gar verhindern. «Die Umnutzung braucht es unbedingt», sagt auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). «Nur wenn der Verkehr auf der Autobahn flüssig läuft, können wir ihn aus den Quartieren fernhalten», argumentiert er und erinnert daran: «Sobald es auf der Autobahn einen Unfall gibt, werden etwa der Ostring oder der Inselplatz vom Verkehr überschwemmt.»

Berner Zeitung

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