Ausgerechnet Gampelen

Gampelen

Der Kanton will auf Land der Justizvollzugsanstallt Witzwil einen Platz für Fahrende einrichten. Provisorisch für zwei Jahre.

Wo sich die Strasse im Nebel verliert, steht die Asylunterkunft Eschenhof. Zur Linken werden bald Fahrende Rast machen.

Wo sich die Strasse im Nebel verliert, steht die Asylunterkunft Eschenhof. Zur Linken werden bald Fahrende Rast machen.

(Bild: Adrian Moser)

Dass der Kanton Bern nächstes Jahr einen zweiten provisorischen Transitplatz für ausländische Fahrende eröffnen will, ist seit Monaten klar. Um den Standort machten die Verantwortlichen allerdings stets ein Geheimnis. Bis jetzt, da landauf, landab die Gemeindeversammlungen angesagt sind. Behörde um Behörde gibt die zu behandelnden Geschäfte bekannt, und siehe da: In Gampelen wird am Freitagabend über einen «provisorischen Platz für Fahrende» informiert, so die Ankündigung zu Traktandum 10.

Geplant ist er auf einem Feld neben der Asylunterkunft Eschenhof, wie das Infoblatt der Gemeinde hart an der Grenze zum Kanton Neuenburg verrät. Auf einer Parzelle, die Teil der Justizvollzugsanstalt Witzwil ist und damit dem Kanton gehört – für weitere Auskünfte verweisen die Behörden auf eine Medienmitteilung vom Freitag sowie eben auf die Versammlung selber. Statthalterin Franziska Steck werde da persönlich Rede und Antwort stehen.

Nur noch so viel: Der Platz sei «als Provisorium für zwei Jahre geplant». Eröffnet werde er im nächsten Frühling.

Dichtes Nebeneinander

Im Dorf herrscht trotzdem schon Aufregung. Im Moment ist zwar noch offen, wie sich die Gegner organisieren wollen. Ob auch in Gampelen ein Bürgerkomitee gegründet wird, das ähnlich wie in Wileroltigen Widerstand leistet (siehe Kasten).

Klar ist dagegen, dass viele den Plänen des Kantons kritisch gegenüberstehen. Immerhin beherbergt die Gemeinde mit ­Witz­wil schon ein Gefängnis. Dazu mit der Stiftung Tannenhof eine Institution für Menschen, die alkoholkrank sind oder mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Und schliesslich eben noch die Asylunterkunft Eschenhof.

Gleichzeitig hat derselbe Kanton dem TCS-Camping Gampelen auf Ende 2024 den Stecker gezogen. Dass er dies auf Druck der diversen Natur- und Umweltorganisationen tat, stimmt die Kritiker kaum milder. Und nochmals zum Eschenhof: Ob das dichte Nebeneinander von Asylbewerbern und Fahrenden nicht Konfliktpotenzial biete?

Durchzogene Erfahrungen

Die Gampeler haben halt ihre Erfahrungen gemacht. Zu gut ist ihnen der Frühsommer 2016 in Erinnerung, als beim Rasthof Platanenhof schon einmal ausländische Fahrende wohnten. Bis zu 500 Leute seien es zeitweise gewesen, erzählt Platanenhof-Besitzer Jakob Aebi, der hier, direkt an der Autostrasse T10, auch das Landmaschinenunternehmen Aebi Suisse SA führt. Für eine Gemeinde mit gut 900 Einwohnern sei das sehr viel.

Für Aufsehen sorgte aber nicht allein die schiere Menschenmenge. Zu reden gab auch, dass die Fahrenden eine mobile Toilettenanlage sabotiert hatten und dafür ihre Notdurft unter freiem Himmel verrichteten. Aebi klagte auch von vereinzelten Diebstählen im Tankstellenshop, die erst aufhörten, als zwei Sicherheitsleute Präszenz markierten. Und: Bis die Fahrenden nach knapp einem Monat weiterzogen, waren zähe Verhandlungen nötig.

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