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Aus Liebe zu dritt nach China

Zwei Freunde wollten von Bern nach China radeln. Dann verliebte sich einer von ihnen. Aus dem Duo ist nun ein Trio geworden. Heute geht die Reise los, 20'000 Kilometer in einem Jahr liegen vor ihnen.

Tobias Marti
Andreas Hugi, Lorin Reber und Tamara Brunner (v. l.) starten heute ihre Velotour nach China.
Andreas Hugi, Lorin Reber und Tamara Brunner (v. l.) starten heute ihre Velotour nach China.
Stefan Anderegg

Zwei Dinge will Andreas Hugi während seines Trips auf keinen Fall: «sterben oder mich verkrachen». Von beidem sind die drei jungen Menschen an dem Tag meilenweit entfernt. Sie scherzen und lachen, Berns Altstadt im Hintergrund, neben sich die Tourenvelos mit den vielen Taschen, vor sich schlappe 20'000 Kilometer. Andreas Hugi (31), Lorin Reber (31) und Tamara Brunner (33) starten heute die längste Reise ihres Lebens: Sie radeln in einem Jahr von Bern nach China.

Nun sind durchaus schon Leute von hier aus mit dem Velo nach China gereist. Eine Konstellation wie in ihrem Fall dürfte dabei aber selten gewesen sein. Tamara Brunner und Lorin Reber sind ein Paar, Andreas Hugi und Lorin Reber sind beste Freunde. Ihr Umfeld spricht sie häufig auf die Zusammensetzung an, die Beteiligten selber finden sie nur mässig erwähnenswert. Er habe keine Bedenken, das fünfte Rad am Wagen zu sein, so Hugi. Er habe alle Optionen, könne sich einbringen oder raushalten. Reber seinerseits findet, er habe den Fünfer und das Weggli: «Ich habe die Freundin und den besten Freund dabei.» Und Brunner bemerkt trocken: «Wenn es jemand mit uns beiden aushält, dann Hugi.»

Und dann sagte sie Ja

Die drei stellen die Reise unter einen freiheitlichen Grundsatz, sich streckenweise aufzuteilen oder auch auszusteigen, sind durchaus Optionen. Zelte – so eine häufig gestellte Frage – haben sie übrigens zwei Stück dabei.

Tatsächlich war das Trio einmal ein Duo. Die Idee zur Reise kam den beiden Männern irgendwann nach Mitternacht im Sommer vor zwei Jahren. Weil sie damals das nötige Geld nicht beisammen hatten, liessen sie sich mit dem Start aber noch Zeit. In etwas mehr als einem Jahr wollten sie die nötigen 20'000 bis 30'000 Franken pro Person gespart haben.

Dann kam die Liebe ins Spiel, als Lorin Reber Tamara Brunner kennen lernte. Schon beim ersten Date berichtete er ihr von seinem Vorhaben. Später fragte er, ob sie mitkommen wolle. Und prompt sagte sie zu. Zu dem Zeitpunkt besass sie noch nicht einmal ein taugliches Fahrrad. Die Länder auf dem Weg nach China interessierten sie aber durchaus, manche hatte sie bereits besucht, andere standen noch auf dem Programm.

Lorin Reber blieb nichts anderes übrig, als seinen besten Freund über die neue Ausgangslage zu informieren. «Ich kenne Lorin und wusste, dass so ein Szenario eintreffen könnte», sagt dieser nüchtern. Alleine verreisen wollte Hugi aber auch nicht, es blieben die Optionen zu dritt oder gar nicht. Das Trio war ge­boren.

Gemeinsames Training

Mittlerweile haben die drei unzählige Stunden gemeinsam absolviert, zur Hauptprobe fuhren sie im Sommer ins 1400 Kilometer entfernte Baskenland. Die Spiesse waren damals noch ungleich. Lorin Reber, nebenberuflich Velokurier, gab zu viel Gas. Als Folge hatten die andern schon am Mittag übersäuerte Beine. So soll es nun nicht mehr laufen. Tamara Brunner fährt seit geraumer Zeit einmal wöchentlich mit dem Fahrrad von Bern nach Freiburg zur Arbeit. Und auch Hugi – der früher knapp in der Lage war, den Thunersee zu umrunden – trainierte emsig. Zu Beginn wollen sie es sowieso langsam angehen, mit Strecken von maximal 60 Kilometern pro Tag.

«Wenn es jemand mit uns beiden aushält, dann Hugi.»

Tamara Brunner

Wesentlich wichtiger als die Kondition, die sich während des Fahrens von selber einstelle, sei sowieso die mentale Verfassung, ist das Trio überzeugt. Dazu gehören etwa auch die Ämtchen, die verteilt werden. Teamwork ist angesagt, jemand hält die Velos in Schuss, jemand navigiert, wieder jemand kocht und kauft die Lebensmittel ein.

Raus aus der Komfortzone

Die Wohnungen sind aufgelöst, die Jobs gekündigt, die Versicherungen abgeschlossen, die Steuererklärung gemacht, zwanzig Kilo Gepäck pro Person verstaut. Rund zwanzig Länder werden sie auf ihrem Weg durchqueren, die Behörden sind über ihre Strecke informiert. Politisch einigermassen heikel dürfte wohl Turkmenistan werden. Die Daheimgebliebenen wollen sie per Blog und Skype auf dem Laufenden halten.

Nun gilt es aus der Komfortzone auszubrechen, wie es Andreas Hugi nennt. Für ihn gehe mit der Reise ein Lebensabschnitt zu Ende, ist er überzeugt. Retour vom Trip will Hugi ein strukturiertes Leben führen. Bei Lorin Reber tönt es eher umgekehrt, er kann sich gut vorstellen, dass er ein Leben ausserhalb der Komfortzone beibehalten möchte. Und Tamara Brunner sieht die Sache eher pragmatisch. «Ich glaube nicht, dass die Reise lebensverändernd sein wird», sagt sie.

Wie dem auch sei: fürs Erste und bis auf weiteres ist für das Trio erstmals tüchtig strampeln angesagt.

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