Aufstocken? Das Mundiger Parlament sagt Ja

Ostermundigen

Das Ostermundiger Gemeindeparlament steht hinter der Aufstockung im Lindendorf-Quartier. Die Mieter erhalten nicht mehr Mitspracherecht – und die Vermieter keine Vorgaben punkto Mietzinsen.

Geht es nach dem Willen des Parlaments, können die Wohnblöcke im Lindendorf um bis zu drei Stockwerke erhöht werden. Foto: Christian Pfander

Geht es nach dem Willen des Parlaments, können die Wohnblöcke im Lindendorf um bis zu drei Stockwerke erhöht werden. Foto: Christian Pfander

Markus Zahno

«Wohnen mit Blick auf die Zukunft». Mit diesem Slogan wurde vor knapp vierzig Jahren für das – damals neue – Lindendorf 2 geworben. Die Siedlung am Rand von Ostermundigen galt als ökologisch visionär: gut isoliert, geheizt mit Wärmepumpen, verkehrsfrei, mit Biotopen und grossen Grünflächen zwischen den Wohnblöcken.

Bald könnte sich hier wieder Visionäres ereignen, diesmal punkto innerer Verdichtung. Das Ostermundiger Gemeindeparlament sagte am Montagabend mit 28 zu 8 Stimmen Ja zur neuen Überbauungsordnung. Gemäss dieser können die drei- und vierstöckigen Wohnblöcke im Lindendorf um bis zu drei Etagen aufgestockt werden.

So wären 110 zusätzliche Wohnungen möglich, ohne einen Quadratmeter Grünfläche zu überbauen. Insbesondere soll das angrenzende, ­umgerechnet 56 Fussballfelder grosse Landstück Ostermundigen-Nord grün bleiben, jenes Landstück, das die Regionalkonferenz Bern-Mittelland gerne eingezont sähe.

Nein zu stärkeren Vorgaben

Heute besteht das Lindendorf aus 12 Wohnblöcken mit insgesamt 228 Wohnungen. Werden die Häuser aufgestockt, gehen Attikawohnungen verloren, andere Wohnungen werden komplett erneuert. Das weckt Ängste: 126 Bewohnerinnen und Bewohner reichten Einsprache ein. Sie fürchten sich vor steigenden Mietzinsen, sinkender Wohnqualität und Baulärm.

Dass sich die Siedlung fürs Verdichten eigne, war im Parlament unbestritten. «Wir alle wissen, dass wir den Verschleiss von Kulturland dringend stoppen müssen», erklärte Rahel Wagner namens der EVP/CVP-Fraktion. Sie sowie die SP/Grüne-Fraktion wollten die Besitzer der Wohnblöcke aber stärker in die Pflicht nehmen.

Gefordert wurde, die Mietzinse bei 20 Prozent der Wohnungen nach der Sanierung nicht wesentlich zu erhöhen. Zudem sollten die Mieterinnen und Mieter mehr Mitspracherecht erhalten – und die Vermieter hätten verpflichtet werden sollen, die Emissionen während der Umbauphase möglichst tief zu halten. Die bürgerliche Mehrheit lehnte diese Forderungen an die Vermieter allerdings ab.

Nein zur Volksabstimmung

Die Lindendorf-Wohnblöcke gehören zehn verschiedenen Eigentümern: Pensionskassen, Anlagestiftungen und Immobilienfirmen. Zum Teil haben sie ihre Liegenschaften vor kurzem saniert; dort wird in nächster Zeit kaum aufgestockt. Die Mehrheit der Häuser hat seit dem Bau aber kaum Erneuerungen erfahren. Diese werden in den nächsten Jahren ohnehin saniert – und könnten bei dieser Gelegenheit aufgestockt werden.

Noch ist die Aufstockungsmöglichkeit aber nicht in trockenen Tüchern. Eigentlich wollte der Gemeinderat die Überbauungsordnung am 19. Mai freiwillig dem Stimmvolk vorlegen. Das will das Parlament nicht. Jedoch könnten zum Beispiel Mieter das Referendum ergreifen: Falls 300 Bürger unterschreiben, kommt die Aufstockung des Lindendorfs doch noch vors Volk.


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