Auf Schatzsuche in der neuen Bärner Brocki

Die Bärner Brocki ist umgezogen. Am Samstag wurde am Hofweg 5 in Bern der neue Standort eröffnet. ­Am Montag lief der Betrieb bereits auf Hochtouren.

Eine Kaffeepause nach dem Durchstöbern: Die Bärner Brocki führt auch am neuen Standort ein Bistro.

Eine Kaffeepause nach dem Durchstöbern: Die Bärner Brocki führt auch am neuen Standort ein Bistro.

(Bild: Beat Mathys)

Den hellblauen Citroën 2CV beim Eingang gibt es leider nicht zu kaufen. Am Samstag wurde das Auto bis zum Dach mit Stofftieren gefüllt, zur Eröffnung der neuen Bärner Brocki.

Die älteste Brockenstube der Schweiz wechselte den Standort und zog am Eröffnungstag letzten Samstag bereits die Massen an. «Man konnte kaum durchlaufen», sagt ein Mitarbeiter. Gestern, am ersten offiziellen Tag, hat sich die Lage schon wieder etwas beruhigt. Besucher hat es trotzdem viele. «Wir müssen noch etwas in den Rhythmus kommen, aber der Start ist gelungen», sagt Roland Hegnauer, Leiter Bärner Brocki.

Über rund 1000 Quadratmeter erstreckt sich die Ladenfläche der Brocki am Hofweg 5. Eine fast identische Fläche ist im Untergeschoss zu Lagerräumen, Aufbereitungsplätzen und Büros geworden. Knapp achtzig Personen arbeiten, meist im Teilzeitpensum, in der Brockenstube und sorgen dafür, dass die gespendeten Waren in einem guten Zustand weiterverkauft werden können. Und dass sie im Laden am richtigen Ort landen. Denn das scheinbare Chaos hat viel System. Die Kleider sind nach Farbe sortiert, die Bücher nach Thema eingeräumt und angeschrieben.

Stöbern und Kaffee trinken

Die Bärner Brocki soll ein Treffpunkt für das Quartier sein, sagt Hegnauer. Man solle nicht nur Sachen bringen und stöbern, sondern sich auch in der Brocki auf einen Kaffee im hauseigenen Café Wohnzimmer treffen. «Für uns war wichtig, dass wir in der Lorraine bleiben konnten.»

Die Brocki stand vorher am Pappelweg und konnte dort bereits viele Kunden gewinnen. Die neue Lage soll die Brocki noch präsenter machen. Direkt an der Hauptstrasse und neben der Busstation können die Kunden mit den Schaufenstern angelockt werden. Von der Strasse aus sieht man ausserdem ins Bistro. Die zusammengewürfelten Tische und Stühle stehen mehrheitlich zum Verkauf. Bei Kaffee und Kuchen oder Sirup können sie gleich getestet werden.

Geführt wird die Bärner Brocki von der Gewa-Stiftung für berufliche Integration. Sie hilft benachteiligten Personen dabei, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. In der Brocki kann die Stiftung weitere ihrer Angebote vorstellen.

Wie etwa den Velocorner: Die Occasions-E-Bikes, die in Schönbühl von der Gewa aufbereitet werden, gibt es ab sofort am Hofweg 5 zu testen und zu kaufen. «Der viele Platz war der Hauptgrund für den Umzug», sagt Hegnauer. «Am neuen Standort konnten wir einige Werkstätten einrichten, sodass unsere Mitarbeiter in Zukunft die Möbel und Kleider gleich restaurieren oder reparieren können.»

Ein besonderer Fund

In der Brocki findet man alles, von dem man noch nicht wusste, dass man es sucht. Ein alter Plattenspieler von Grundig, der mit einem Kabelanschluss für Smartphones aufgemöbelt wurde, Lederstiefel, Keksbüchsen mit traditionellen Sujets, Silberbesteck oder Wohnzimmermöbel aus den 60er-Jahren. Da schlägt jedes Secondhand liebende Herz höher.

Auch die Mitarbeiter werden immer wieder aufs Neue überrascht. Roland Hegnauer erinnert sich an einen besonderen Fund: «Bei einer Wohnungsräumung haben wir zwischen Briefmarkensammlungen einen Umschlag mit Tickets für den Final der Fussball-WM 1954 gefunden. Die waren ungebraucht. Da hat jemand das ‹Wunder von Bern› verpasst.»

Berner Zeitung

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