«Auf kurdischer Seite sind Linksautonome mitgelaufen»

Bern

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) ruft Kurden und Türken jetzt zur Besonnenheit auf. Er verurteilt die Austragung ausländischer Konflikte im Gastland. Er sei von der demonstrierten Gewaltbereitschaft schockiert, so Nause.

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Ralph Heiniger

Herr Nause, wie beurteilen Sie die Arbeit der Polizei?
Reto Nause: Die Polizei hat alles unternommen um die beiden Gruppierungen voneinander zu trennen. Das war aber ausserordentlich schwierig, weil es Leute gab, die ganz gezielt, mit ausserordentlicher Gewaltbereitschaft und hoher Brutalität die Auseinandersetzung gesucht haben.

Wurde die Polizei ebenfalls direkt attackiert?
Die Polizei war zwischen den Fronten. Die Kantonspolizei konnte noch schlimmere Szenen verhindern. Zur direkten Konfrontation der beiden Kundgebungszüge kam es nicht.

Was machte den Einsatz für die Polizei besonders schwierig?
Die Polizei konnte die beiden Gruppierungen nur schlecht voneinander unterscheiden. Weiter gab es auf kurdischer Seite Leute aus linksautonomen Kreisen, die mitgelaufen sind.

Wie beurteilen Sie die Gewaltbereitschaft der Demonstranten?
Das Ganze ist für mich schockierend. Es sind keinerlei Hemmschwellen mehr erkennbar. Ich verurteile ausserdem, dass man einen Konflikt, der ein türkisch- kurdischer Konflikt ist, ins Gastland bringt, um ihn mit Gewalt auszutragen. Ich rufe die Verantwortlichen in den entsprechenden Gruppierungen auf, jetzt zur Besonnenheit zu mahnen.

Müssen wir damit rechnen, dass künftig weitere ausländische Konflikte in Bern ausgetragen werden?
Dass internationale Konflikte nach Bern getragen werden, ist im Prinzip kein neues Phänomen. Wir hatten etliche Kundgebungen als zum Beispiel der Krieg in Sri Lanka in die finale Phase kam. Wir hatten auch schon Dutzende Demonstrationen von Kurden. Dass es aber zur direkten Konfrontation kommt, ist für mich beängstigend.

Heisst das auch, dass man das Gefahrenpotential von Seiten der Behörden unterschätzt hat?
Wir hatten die Demonstration der türkischen Seite bewilligt. Der Aufruf zu dieser Demo war im Prinzip nicht militant. Wir wussten aber, dass es eine aussergewöhnliche heikle Situation wird, als die kurdische Seite zur Gegendemonstration aufrief. Mit einer derartigen Gewaltbereitschaft, hatten wir aber doch nicht gerechnet.

Hätte man die Bewilligung unter diesen Umständen nicht wieder entziehen sollen?
Wenn eine Bewilligung mal erteilt ist, dann ist es unser Auftrag, die bewilligte Kundgebung zu schützen. Wenn sich ein Veranstalter im Vorfeld an die Regeln hält, dann müssen es ganz triftige Gründe sein, um eine erteilte Bewilligung wieder zu entziehen. Ob ein Entzug der Bewilligung die Lage vereinfacht hätte, steht zudem auf einem ganz anderen Blatt. Und ich möchte betonen: die kurdische Gegendemonstration haben wir nicht bewilligt.

Am Abend kam es vor der Reitschule erneut zu Scharmützeln. Wie hängen diese mit den Vorfällen am Nachmittag zusammen?
Auf kurdischer Seite sind Linksautonome mitmarschiert. Insofern gibt es einen Zusammenhang.

Nachdem im Februar die Polizeiwache und das Amthaus aus der Reitschule angegriffen wurden, hatte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) die Leitung der «Stadtgespräche» zwischen Stadt und Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (Ikur) übernommen. Trotzdem stehen jetzt Sie Red und Antwort. Warum?
Am Samstag kam es zu einem Polizeieinsatz, da ist es klar, dass der Sicherheitsdirektor Auskunft gibt.

Wie die Polizei meldet, fanden die Angreifer am Abend Unterschlupf in der Reitschule. Das wirkt nicht so, als hätte sich die Situation seit Februar verbessert.
Die Sicherheitslage um die Reitschule ist nach wie vor angespannt.

Aber man hörte doch seither mehrfach, wie konstruktiv der Dialog sei und dass man Fortschritte machen würde. Waren das alles leere Worte?
Nochmals: Die Sicherheitslage um die Reitschule ist nach wie vor angespannt.

Berner Zeitung

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