Auf einmal wieder WM-Titelkandidat

Zwei Rennen vor Saisonende kämpft Tom Lüthi um die Weltmeisterschaft in der Moto2-Kategorie.

Vorne weg: Tom Lüthi beim GP von Australien.

Vorne weg: Tom Lüthi beim GP von Australien.

(Bild: Vincent Guignet (freshfocus))

Fabian Ruch

Das Leben als rasender Motorradfahrer kann abwechslungsreich sein. In den letzten Wochen weilte Tom Lüthi beispielsweise zwei Tage in Melbourne und zwei Tage in Kuala Lumpur, er war beim letzten GP auf der traumhaften Insel Phillip Island in Australien – und ab und zu bleibt ein wenig Zeit, den Kopf zu lüften. Aber Lüthi sagt: «Mein Fokus liegt auf der Arbeit. Ich habe einen Job zu erledigen.»

«Druck liegt bei Marquez»

Und der sieht vor dem GP von Malaysia morgen auf einmal sehr erfreulich aus. Nach schwierigen Monaten liegt für den Berner in einem Jahr auf der Achterbahn sogar der Weltmeistertitel in der Moto2 wieder drin. Der Saisonstart war stark, im Sommer lief es nicht gut, zuletzt fuhr Lüthi zweimal aufs Podest. Und weil WM-Leader Alex Marquez überraschend schwächelte und auf Phillip Island nur Achter wurde, beträgt Lüthis Rückstand zwei Rennen vor Schluss nur noch 28 Punkte. Wobei das immer noch ziemlich viel ist, und deshalb sagt er: «Klar ist theoretisch alles möglich. Aber Marquez müsste sehr schwach fahren, damit ich noch eine Chance erhalte.»

Lüthi hat sich eine klare Strategie zugelegt, wie er mit der Situation umgeht. Und so sagt er: «Eigentlich mag ich gar nicht über die WM-Chancen reden. Ich will schnell sein, zweimal aufs Podest fahren, und dann schauen wir, wo ich am Ende lande.»

Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Die Medien interessieren sich wieder stärker für Lüthi, er hat auf einmal auch wieder etwas zu verlieren. Selbst wenn er sagt: «Der ganze Druck liegt bei Marquez.»

Am letzten Wochenende sagte er, das sei nicht spurlos am Spanier vorbeigegangen, doch nun meint er: «Ich schaue nur auf mich. Was andere machen, interessiert mich nicht.» Die letzten GP in Sepang und Valencia mag er. Und ein Sturz, vielleicht von Marquez, ist bei den Hochgeschwindigkeitsakrobaten schnell passiert.

Wahrscheinlich kommt der Aufschwung zu spät. Aber es sei ein gutes Zeichen und ein Produkt der harten Arbeit seines Teams, habe man die passende Abstimmung doch noch wiedergefunden. «Ich bin selbstbewusst und spüre, dass ich ganz vorne mitfahren kann.» Zu spüren ist seine Zuversicht, nachdem er in den schwierigen Wochen gehadert und nach einem Ausweg gesucht hat.

Zwei Rennen vor Saisonende ist für den 33-Jährigen mit 214 Punkten zwischen Rang 1 und 6 noch alles möglich, wobei der Sechste Luca Marini, zuletzt Sieger in Australien, 48 Zähler zurückliegt. Eine Top-5-Platzierung also dürfte es mindestens geben, in seinen acht Moto2-Jahren landete er stets zwischen Platz 2 und 5 – ausser 2013, als er von Verletzungen ausgebremst wurde. Vor seinem Abstecher in die MotoGP, in der er letztes Jahr punktlos blieb, wurde Lüthi 2016 und 2017 Zweiter.

Es geht auch um viel Geld

Auf Rang 2 steht Tom Lüthi auch jetzt. Doch Brad Binder (209 Zähler), Jorge Navarro (199) und Augusto Fernandez (192) lauern knapp hinter ihm. Und selbst wenn Topfavorit Marquez (242) nur schwer zu überholen sein wird, ist es für den Schweizer sportlich wie wirtschaftlich entscheidend, wie er die Saison beendet. «Es macht bezüglich Prämien einen Riesenunterschied, ob ich das Podest erreiche.»

Für ihn steht ein sechsstelliger Betrag auf dem Spiel. Und wenn es ihm morgen gelingt, den Rückstand auf unter 25 Punkte zu verringern, lebt sogar sein Traum vom Moto2-WM-Titel bis zum letzten Rennen in Valencia am 17. November weiter.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt