Auf eine gute Nachbarschaft

Bern

Die Nachbarn im Stadtteil III sollen näher ­zusammenrücken: Gemeinsam jassen, für andere einkaufen gehen oder zusammen spazieren gehen – solche Aktivitäten will das Projekt «Nachbarschaft Bern» fördern.

Dem Nachbar beim Einkaufen helfen:?Eine von vielen verschiedenen Formen der Nachbarschaftshilfe, welche das Pilotprojekt ­«Nachbarschaft Bern» fördern will.

Dem Nachbar beim Einkaufen helfen:?Eine von vielen verschiedenen Formen der Nachbarschaftshilfe, welche das Pilotprojekt ­«Nachbarschaft Bern» fördern will.

(Bild: zvg/Ephraim Bieri)

Sheila Matti

Kennen Sie eigentlich Ihre Nachbarn? Wenn ja, wie gut? Unterhalten Sie sich öfters mit ihnen, oder passen Sie sogar auf ihre Haustiere auf, während sie in den Ferien sind? In einem dicht besiedelten Gebiet wie der Stadt Bern sei eine solche spontane Unterstützung zwischen Nachbarn nicht selbstverständlich, sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) an der Kick-off-Veranstaltung von «Nachbarschaft Bern».

Das Pilotprojekt ist Teil des Gesamtprojekts «Socius – zu Hause in der Nachbarschaft», welches von der Age-Stiftung finanziell unterstützt wird. Es soll die Nachbarschaftshilfe im Stadtteil III fördern, indem es zwischen Hilfesuchenden und Freiwilligen vermittelt. Teuscher freute es ­besonders, dass – neben diversen Stadträten und Mitgliedern der Partnerorganisationen – auch viele Quartierbewohner den Weg in den Werkhof 102 gefunden hatten, um den Start des Projekts mitzuerleben.

Gemeinsame Spaziergänge

Wie die Nachbarschaftshilfe konkret aussehen könnte, zeigt der ausgefüllte Flyer einer Quartierbewohnerin: Sie bietet ihre Hilfe beim Kochen oder beim Blumengiessen an und würde sich umgekehrt um Unterstützung beim Installieren des Druckers freuen.

Nachdem die ältere Dame ihren Flyer abgeschickt hat, wird Projektleiterin Simone Stirni­mann ihre Angaben mit den anderen Einsendungen abgleichen und die Dame kontaktieren, sobald sich ein passendes Gegenüber gefunden hat. «Dabei achte ich möglichst darauf, dass die Beteiligten nahe beieinander wohnen», erklärte Stirnimann.

Ein anderer Anwesender, der seinen Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen möchte, ist bereits seit drei Wochen für «Nachbarschaft Bern» im Einsatz; zweimal pro Woche, jeweils für mehr als eine Stunde, geht er mit einem älteren Herrn spazieren. Nach anfänglichen Berührungsängsten ergäben sich mittlerweile interessante Gespräche, meint der Herr und erzählt weiter, dass er nach seiner Pensionierung etwas für die Gemeinschaft habe tun wollen. Über die Freiwilligenagentur Benevol kam er so, noch vor dem offiziellen Start des Projekts, zu «Nachbarschaft Bern».

Lange Liste von Beteiligten

Benevol ist nur eine von vielen ­regionalen Organisationen, die sich am Pilotprojekt beteiligen: Die Vereinigung der Berner Gemeinwesenarbeit, die Friedenskirche und die Kirchgemeinden, die Quartierkommission des Stadtteils III, die Spitex Bern sowie die Pro Senectute Region Bern und das Schweizerische ­Rote Kreuz haben ihre Zusage gesichert. Besonders erstaunt sei man ausserdem über die Betei­ligung der Eisenbahner-Baugenossenschaft gewesen. Deren Teilnahme mache aber durchaus Sinn, fand Teuscher: «Gerade die Genossenschaft ist es, die mit ihren Mietern in Kontakt steht und möchte, dass ein friedliches Klima im Quartier herrscht.»

Bis 2018 läuft das Pilotprojekt «Nachbarschaft Bern». Wenn es sich in dieser Zeit bewährt, soll es auch auf andere Stadtteile übertragen werden. Bis dahin wird die Plattform aber sicherlich dazu beitragen, dass einige Anwohner des Stadtteils III ihre Nachbarn besser kennen lernen.

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