Auf diesen Hauptstrassen plant Bern Tempo 30

Bern

In Zürich, Basel und Bern soll der Verkehr auch auf Hauptachsen nur noch mit Tempo 30 rollen. In Bern betrifft dies Strassen, die laut Verkehrsdirektorin Ursula Wyss einen «stark siedlungsorientierten Charakter» haben.

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Innerorts gilt Tempo 50. Das ist die Norm. In allen grossen Schweizer Städten und in grösseren Landgemeinden ist aber inzwischen ebenfalls normal, dass auf Quartierstrassen das Tempo auf 30 oder gar 20 Stundenkilometer reduziert wird. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass dadurch die Zahl gravierender Unfälle abnimmt und die Lärmbelastung sinkt. Zürich, Basel und Bern wollen darum das Tempo-30-Regime auf gewisse Hauptachsen ausweiten. Dies berichtete die «NZZ am Sonntag».

Verkehr nicht ganz verbannen

Welche Hauptstrassen in Bern künftig nur noch mit 30 Stundenkilometern befahren werden sollen, hat die städtische Verkehrsplanung festgelegt. In einer Antwort auf einen Vorstoss der Fraktion SP/Juso veröffentlichte der Gemeinderat den entsprechenden Plan (siehe Grafik). Wie wurden die Hauptachsen bestimmt, auf denen eine Temporeduktion geprüft werden soll? Laut Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) sind es Strassen, die einen «stark siedlungsorientierten Charakter» haben – an denen also gewohnt, eingekauft oder zur Schule gegangen wird.

Diese Strassen sind also im Prinzip beides: Hauptachsen, aber auch Quartierstrassen. In solchen Fällen gelte es einen Kompromiss zu finden. «Die Anwohner dürfen Sicherheit und Lebensqualität erwarten, aber es ist ganz klar, dass auch der Verkehr rollen können muss.» Als Beispiel für einen solchen Kompromiss nennt Wyss den Viktoriarain, auf dem seit November Tempo 30 gilt. Anwohner und Quartierverein hätten gerne eine nächtliche Sperre für den Verkehr gehabt, aber auf der Verbindungsstrasse müsse Verkehr möglich bleiben, sagt Wyss. Der Kompromiss: Tempo 30.

In der Stadt Bern gibt es zahlreiche Hauptstrassen, die ein- oder beidseitig an Tempo-30-Zonen angrenzen. Der Gemeinderat erachtet es als sinnvoll, zu prüfen, bei welchen Quartier- und Stadtteilzentren die Geschwindigkeit auf dem Basisnetz reduziert und Tempo-30-Zonen über das Basisstrassennetz hinweg miteinander verbunden werden könnten.

Tempo 30 teilweise auch auf Hauptstrassen – da ist der Widerstand der Autolobby programmiert. Strassen mit Tempo 30 würden weniger Verkehr schlucken und die Stadt auf diese Weise den Verkehr zum Stocken bringen, lautet die Kritik. Diese Argumentation lässt Verkehrsdirektorin Wyss nicht gelten. «Die Erfahrungen zeigen, dass Tempo 30 den Verkehr bremst, aber keine Staus produziert.» Das Unternehmen Bernmobil unterstütze die Bestrebungen der Stadt, auf gewissen Hauptachsen das Tempo zu reduzieren. «Weil der Verkehr dadurch flüssiger wird.»

In Basel flächendeckender

Bei der Einführung von Tempo 30 ist Bern verglichen mit anderen Städten bei den Leuten, aber nicht führend. «Der Leidensdruck ist in allen grossen Städten vergleichbar. Basel führt Tempo 30 aber viel flächendeckender ein als wir», sagt Wyss. Der Grund: Die Stadt Bern ist bei der Einführung von Tempo 30 nicht frei, sondern muss diese mit dem Kanton absprechen und bewilligen lassen. In Basel-Stadt fällt diese Ebene weg. Es sei deshalb auch so, dass in der Stadt Bern jeder Tempo-30-Abschnitt einzeln zur Bewilligung eingereicht und «von Hausnummer zu Hausnummer» bewilligt werden müsse, sagt Wyss. «Der administrative Aufwand ist gross und wird – aus rein städtischer Sicht – den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht.»

SP-Nationalrätin Nadine Masshardt hat auf Bundesebene einen Vorstoss eingereicht, welcher ein einfacheres Bewilligungsverfahren für Tempo-30-Zonen zum Ziel hat. Aus Sicht der Städte wäre dies sehr zu begrüssen, sagt Ursula Wyss.

Bahnhof: Noch kein Tempo 30

Die Stadt hatte bei ihren Abklärungen für Tempo 30 eine ganze Reihe weiterer wichtiger Strassen im Blick. Auf einigen davon kann das Temporegime in nächster Zeit aber nicht angepasst werden, weil die Bedingungen dafür heute nicht erfüllt sind. Konkret: «Abklärungen zur Zweckmässigkeit gibt es hier erst, wenn die Strassen sowieso saniert oder umgestaltet werden», sagt Wyss. Dies gilt zum Beispiel für den Bahnhofplatz und den nördlichen Bubenbergplatz oder für den Eigerplatz.

Im Ausland schon weiter

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass gewisse Länder bei der flächendeckenden Einführung von Tempo 30 in Städten mehr vorwärts machen als die Schweiz. «Es sind – ähnlich wie beim Thema Passivrauchen – Länder, an die man nicht zuerst denkt: Frankreich oder Italien zum Beispiel.» Wenn der Verkehr langsamer durch den Ort rolle, sagt Wyss, gewinne eine Stadt an Attraktivität.

Berner Zeitung

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