Zum Hauptinhalt springen

Auf der Münsterplattform bleiben die Tische leer

17 Restaurants sind in städtischen Liegenschaften einquartiert. Beim Restaurant auf der Münsterplattform soll nach 2015 alles besser werden. Zurzeit nützen die Stadt und die Betreiber die gute Lage schlecht.

Leere Stühle: Das Restaurant auf der Berner Münsterplattform ist seit Jahren eine Enttäuschung.
Leere Stühle: Das Restaurant auf der Berner Münsterplattform ist seit Jahren eine Enttäuschung.
Tanja Buchser
Schluss nach 13 Jahren: Pächter Hans Ruedi Haller gibt das Restaurant Dählhölzli Ende Oktober ab.
Schluss nach 13 Jahren: Pächter Hans Ruedi Haller gibt das Restaurant Dählhölzli Ende Oktober ab.
Susanne Keller
Das Restaurant Rosengarten mit Sicht auf die Altstadt. Gartenbeiz.
Das Restaurant Rosengarten mit Sicht auf die Altstadt. Gartenbeiz.
Urs Baumann
1 / 10

Mittag bei schönem Wetter: Zwischen Bahnhof und Bärengraben bleibt draussen kaum ein Tisch länger als ein paar Minuten frei. Ausser beim Restaurant auf der Münsterplattform. Dort zeigten Augenscheine an schönen Juni- und Julitagen das gleiche Bild: Trotz der herausragenden Lage sitzen beim Pläfe-Beizchen bloss ein paar verlorene Seelen.

Ein Leser dieser Zeitung schrieb vor einigen Wochen in einer Zuschrift: «Samstagmorgen um 10 Uhr. Münstergassmärit, viele Touristen. Schon sehr warm. Wir möchten auf der Pläfe Kaffee trinken: Das Café: zu.» Auch die Mountainbike-EM vor drei Wochen, als die Sonne schien und Sportler und Betreuer aus ganz Europa jeweils schon am Vormittag Publikum zum Münster lockten, änderte nichts daran: Das Pläfe-Beizchen öffnet gegen Mittag, wobei nirgends verbindliche Öffnungszeiten angeschlagen sind. Aber eben: Es scheint ohnehin kaum noch jemanden zu interessieren.

Tagelang präsentiert das Restaurant Münsterplattform das gleiche Mittagsangebot: Hotdogs, drei verschiedene Sandwiches und für 18 Franken «Tomaten mit Mozzarella an feinem Olivenöldressing», die in der Kühlvitrine unter Haushaltfolie warten.

Seit Jahren nicht investiert

Sabine Halbig, Gesellschafterin und Geschäftsführerin im privaten Restaurant Ratskeller, dessen Ableger das Pläfe-Beizchen ist, hält dagegen: «Wir servieren auf der Plattform auch Essen aus dem Ratskeller», sagt sie. Zudem umfasse das Angebot vor Ort zusätzliche Salate und verschiedene Kuchen, die wie die Sandwiches hausgemacht seien.

Dennoch versteht Halbig die Kritik am Restaurant im Pläfe-Pavillon. «Wir würden ja selber gern mehr machen», sagt sie. In den letzten 20 Jahren, in denen sie für den Betrieb zuständig war, seien immer mehr Auflagen dazugekommen. Deshalb seien das grosse Salatbuffet oder die Küche unter freiem Himmel, die sie früher mittags betrieben habe, nicht mehr möglich. «Das ist nach heutigen Standards nicht mehr erlaubt.» Gegen ein fix montiertes Schild mit den Öffnungszeiten sei die Denkmalpflege.

Halbig bedauert, dass die Stadt seit Jahren nicht mehr in das Restaurant investiert habe. Sie als Mieterin könne nicht in die Infrastruktur investieren. Anders lasse sich aber kein grösseres Angebot bereitstellen, sagt sie. Auf die Frage, ob es denn nicht hinreichend kleine, aber feine Gegenbeispiele gebe, antwortet sie ausweichend und findet, dieser Punkt bedürfe einer vertieften Erörterung.

«Ich möchte gerne auch künftig hier wirten», hält Halbig fest. «Die Pläfe ist ein sehr schöner Ort, er hat etwas Mystisches.» Vielleicht liege es an der speziellen Lage, sagt sie, dass auf der Pläfe jede und jeder beim Konzept mitreden wolle. Für konstruktive und realistische Vorschläge sei sie jederzeit offen.

Miete hängt vom Umsatz ab

Ob die langjährige Betreiberin über 2015 hinaus auf der Pläfe wirten darf, scheint ungewiss. Auch laut Fernand Raval, Leiter der städtischen Liegenschaftsverwaltung, schöpft das Restaurant sein Potenzial nicht aus. «Der Vertrag soll in der heutigen Form nicht weitergeführt werden», sagt er. Der Standort werde zukünftig «garantiert aufgewertet». Die entsprechenden Überlegungen seien aber noch nicht so weit ausgereift, dass er bereits etwas dazu sagen könne.

Über finanzielle Abmachungen bestehender Verträge gibt die städtische Liegenschaftsverwaltung grundsätzlich keine Auskunft. Sie weist nur die Gesamtsumme aus, die sie bei den Restaurants in ihren Liegenschaften einnimmt (siehe Kasten). Weil jeder Vertrag neben der Basismiete eine Umsatzmiete vereinbare, steht fest: Würde das Restaurant Münsterplattform besser laufen, nähme die Stadt höhere Mieten ein.

Läuft ein von ihr vermieteter oder verpachteter Gastrobetrieb unbefriedigend, hat die Stadt kaum Möglichkeiten, zu intervenieren. Mit dem Vertrag werde der Mieter zum eigenverantwortlichen Unternehmer, sagt Raval. «Selbstverständlich ist es möglich, den Abschluss eines Vertrags mit Bedingungen zu verknüpfen. Im Nachhinein ist das aber nicht mehr möglich.»

Je nachdem, wie viel der Betreiber in sein Lokal investiert, schliesst die städtische Liegenschaftsverwaltung Verträge auf 5 bis 10 Jahre ab. Der aktuelle Vertrag mit der Pläfe-Wirtin wurde 2002 abgeschlossen und ist 2011 verlängert worden.

Breit gefächerte Stadtbeizen

Neben dem Restaurant Münsterplattform sind 16 weitere Gastrobetriebe in städtischen Liegenschaften untergebracht (Kornhauscafé und -keller einzeln gezählt; siehe Kasten). Die Übersicht zeigt traditionsreiche Lokale wie die Brasserie Bärengraben, aber auch neuere, innovative Betriebe wie das Lötschberg oder das Weincafé Klösterli.

Vom Rock Garden, der Nachtschwärmer mit Hamburgern versorgt, bis zur Familien- und Ausflüglerbeiz im Dählhölzli decken die Restaurants viele Bedürfnisse ab. Im Dählhölzli soll bald ein neuer Pächter übernehmen (siehe Zweittext). In jüngerer Vergangenheit zeigten Beispiele wie das Park-Café, der Kornhauskeller oder der Rosengarten, dass sich auch Stadtbeizen weiterentwickeln können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch