Auf der ersten US-Raumstation flog ein Stück Bern mit

Bern

Ein Film, der am Donnerstag an der Uni Bern vorgestellt wurde, zeigt: Das Weltraumprojekt Skylab von 1973 war doch kein Fehlschlag.

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Die Mission begann und endete mit einem Desaster. Am 14. Mai 1973 startete die wissenschaftliche Mission Skylab mit einer unbemannten Saturn-Rakete der US-Weltraumbehörde Nasa. Nur 63 Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral löste sich der Schutzschild und beschädigte die erste Raumstation der Amerikaner. Im Orbit waren dann diverse Reparaturen nötig. Weil auch ein Solarpanel abgerissen wurde, kam es zu Problemen mit der Stromversorgung.

Die Flugleitung sowie nachfolgende Astronauten konnten das scheinbar unlösbare Problem lösen. In den folgenden Jahren machten mehrere Besatzungen der Raumstation wissenschaftliche Experimente, Sonnen- und Erdbeobachtungen und untersuchten die Auswirkungen der Langzeit-Schwerelosigkeit auf den Menschen. Das Ende der Skylab-Mission war mit einem kontrollierten Absturz 1983 geplant. Es kam anders.1979 ging die (unbemannte) Raumstation unkontrolliert auf Kollisionskurs mit der Erde. Am 11. Juli 1979 stürzte das über 30 Meter lange und 80 Tonnen schwere Gefährt über Australien ab. Verletzt wurde niemand.

Aber der damals 10-jährige Dwight Steven-Boniecki hatte nachts im Bett Angst, dass er von der Raumstation getroffen wird. Der Australier ist heute 49 Jahre alt, Autor und Filmemacher. Er hat den Dokumentarfilm «Searching for Skylab» gedreht, den er am Donnerstag an der Universität Bern vorgestellt hat. Gezeigt wurde der Streifen aber nicht, die Vorpremiere fand am Donnerstag im Kino Kosmos in Zürich statt.

Der vergessene Grosserfolg

Nicht nur für den Filmemacher Steven-Boniecki, auch weltweit galt die Skylab-Mission bei vielen als Fehlschlag. Mit dem Film soll dieses Urteil revidiert werden. «Skylab ist ein vergessener Grosserfolg», sagt Steven-Boniecki heute nach seinen jahrelangen Recherchen.

Dieser Meinung ist auch Peter Wurz, Professor und Leiter Space Research & Planetary Sciences der Universität Bern. Die Universität Bern war mit einem Experiment an der Mission beteiligt: «Es ähnelte jenem mit dem Sonnenwindsegel bei der ersten Mondlandung», sagte Wurz. «Mittels Folien haben Johannes Geiss von der Uni Bern sowie der Nasa-Astronaut Don Lind Partikel der kosmischen Strahlung und des Sonnenwindes gemessen.» Auch seien erdnahe Teilchen von der Magnetosphäre eingefangen und deren Herkunft – nämlich die Sonne – bestimmt worden. Dass Skylab ein sehr gutes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit sei, betonte gestern auch Tanya Ward von der US-Botschaft in Bern.

Der Film «Searching for Skylab» kommt frühestens im Februar in die Kinos. Wo ist noch offen.

Berner Zeitung

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