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Auf den Spuren Einsteins

Albert Einstein ist Thema der neuen Führung, die der Verein Stattland anbietet. Sie zeigt unter anderem, an wie vielen Orten in Bern Einstein gelebt hat.

Schauspielerin Nicole Berger als Maja Einstein, Einsteins Schwester.
Schauspielerin Nicole Berger als Maja Einstein, Einsteins Schwester.
Nicole Philipp

Auf dem Münsterplatz hält Renate Schär einen solarbetriebenen Taschenrechner in der Hand. «Wissen Sie, was dieses Gerät mit Albert Einstein zu tun hat?», fragt sie die Besucher der neuen Stattland-Führung «Alles relativ? Einstein in Bern». Kopfschütteln. «Dieses Gerät», sagt Projektleiterin Schär, «funktioniert dank des fotoelektrischen Effekts, den Einstein 1905 entdeckt hat.»

Albert Einstein zieht 1902 als 22-jähriger Fachlehrer von ­­Zürich nach Bern, wo er an der Gerechtigkeitsgasse 32 eine einfache Bleibe findet und als Experte III. Klasse am Patentamt arbeitet. Seiner Freundin Mileva Maric schreibt er: «Hier in Bern ist es reizend. Auf beiden Seiten der Strassen ziehen sich ganz alte Arkadengänge hin, sodass man beim ärgsten Regen von einem Ende der Stadt zum anderen gehen kann, ohne merklich nass zu werden.»

Preisgeld für Mileva Maric

Renate Schär zeigt auf das Haus am Münsterplatz 12, das ehemalige Standesamt. «Hier haben Mileva und Albert 1903 geheiratet.» Und unvermittelt tritt Mileva Maric (Nicole Berger) auf. Schwarz gekleidet, im Stil der Jahrhundertwende. Sie erzählt, dass die Ehe nicht immer glücklich gewesen sei, «er hatte immer weniger Zeit für mich».

Dann zeigt sie eine Liste, die ihr Albert in die Hand gedrückt hatte. «Meine Kleider und meine Wäsche müssen in Ordnung gebracht werden. Serviere mir jeden Tag drei Mahlzeiten. Unsere Ehe beschränkt sich auf gesellschaftliche Verpflichtungen. Erwarte keine Zuneigung mehr von mir.»

Kramgasse 49. Das Einstein-Haus. Die zweite Station der Führung. Einsteins leben 1905 hier mit ihrem einjährigen Sohn Hans Albert, und es ist das Jahr, das als Annus mirabilis in die Geschichte eingeht, das Wunderjahr, in dem Einstein fünf bahnbrechende Entdeckungen macht. Unter anderem die spezielle Relativitätstheorie und den fotoelektrischen Effekt, für den er 1922 den Nobelpreis erhält.

Renate Schär mutmasst über den Einfluss, den Mileva Maric auf die Arbeiten ihres Mannes hatte. Immerhin hatte sie als eine der ersten Frauen Physik und Mathematik studiert. Mileva selber habe diesbezüglich aber nie etwas in Anspruch genommen. Die Fragen bleiben offen. Sicher ist nur, dass Eherüpel Albert das Nobelpreisgeld seiner Frau vermachte.

Sechser im Zeugnis

Vor dem Zytgloggeturm kommt die Zeitdilatation zur Sprache, jenes Phänomen der Relativitätstheorie, das besagt, dass bewegte Uhren langsamer laufen. Die Erklärungen stossen nicht bei allen auf Verständnis. «Das ist uns zu hoch», sagt ein Rentnerpärchen.

Am Waisenhausplatz dann, im heutigen Progr, habe Einstein Kontakte mit Wissenschaftlern gepflegt und Experimente durchgeführt. An der Speichergasse lebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Einsteins Schwester Maja, die (ebenfalls alias Nicole Berger) in persona auftritt. Das Vorurteil, ihr Bruder sei immer ein schlechter Schüler gewesen, stimme nicht, sagt sie. Sie reicht ein Zeugnis herum, das von Sechsern nur so wimmelt.

Die Führung endet mit einem Blick auf die Universität, wo Einstein 1908 die erste Vorlesung gab. Es kamen nur drei Hörer, seine drei besten Freunde.

Führungen: Mi, 12.6., 18 Uhr; Sa, 6.7., 14 Uhr; weitere im zweiten Halbjahr 2019. Treffpunkt: Mosesbrunnen Münsterplatz. Dauer: circa 75 Minuten. 25 Franken.

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