Auf dem Viererfeld hätte ganz Stettlen Platz

Bern/Stettlen

Was verdichtet bauen heisst, zeigt ein Vergleich zwischen der geplanten Überbauung Viererfeld/Mittelfeld in Bern und der Gemeinde Stettlen. Auf einer siebenmal kleineren Fläche fänden im Stadtquartier gleich viele Bewohner Platz.

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3000 Menschen sollen in der Überbauung Viererfeld/Mittelfeld in Bern wohnen, circa 750 Arbeitsplätze in Büros, Läden oder Restaurants kämen dazu. Am Rande der Länggasse entsteht ein neues Stadtquartier, wenn die Bernerinnen und Berner am 5. Juni der Umzonung und dem Kauf des Landes zustimmen.

Die Überbauung der Landwirtschaftsfläche ist umstritten – direkte Anwohner, Familiengärtner und eine Allianz von ganz links aussen und bürgerlich Politisierenden kämpft für die grüne Wiese. Die unterschiedlichsten Gründe treiben die Gegner an. Während die einen das Vierer- und Mittelfeld gar nicht überbauen wollen, möchten es die anderen nicht mit den vom rot-grünen Stadtrat beschlossenen Auflagen überbauen.

In der Stadt wird mit Bauland haushälterisch umgegangen

In einem Punkt sind sich Gegner und Befürworter der Überbauung Viererfeld einig: Bereits eingezontes Bauland in der Stadt Bern ist rar und damit wertvoll. Noch höher liegt die Hürde, wenn eine grüne Wiese oder wie im Fall Viererfeld landwirtschaftlich genutztes Gebiet eingezont werden soll. «Ob wir Grünflächen überbauen wollen, muss wohlüberlegt sein.

Und wenn wir wie beim Viererfeld zum Schluss kommen, dass es richtig ist, müssen die Auflagen streng sein», sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher an einem Diskussionsabend zum Viererfeld, organisiert von ihrer Partei, dem Grünen Bündnis. Wie haushälterisch die Stadt mit dem wertvollen Areal umgeht, zeigt ein Vergleich, den Teuschers Parteikollegin und Stadträtin Franziska Grossenbacher am gleichen Anlass zog: Auf dem Vierer- und Mittelfeld würden in etwa gleich viele Menschen leben und arbeiten wie heute in der Gemeinde Stettlen – in Bern aber auf einer siebenmal kleineren Fläche (siehe Grafik). Beim Landverbrauch macht Stettlen klar Zweiter.

Dieser Vergleich basiert auf der aktuellen Einwohnerzahl der Gemeinde Stettlen. Nicht berücksichtigt ist dabei die geplante Überbauung auf dem Areal der alten Kartonfabrik Deisswil.

In Stettlen fressen Einfamilienhäuser Land

Bei der Gemeinde Stettlen nimmt man den Vergleich mit Verwunderung zur Kenntnis. «Ich finde diese Gegenüberstellung nicht sehr geglückt», sagt Gemeindeschreiberin Verena Zwahlen. «Bei uns leben viele Einwohner in Einfamilienhäusern», sagt sie. Die meisten dieser Häuser befänden sich zudem an Hanglage. Aber: Verdichtung sei selbstverständlich auch in Stettlen ein grosses Thema, betont Zwahlen.

Bernapark: Hier verdichtet auch Stettlen

Zukunftsgerichtet sieht das grösste Bauprojekt der Gemeinde Stettlen aus: Ein neues Quartier mit Markthalle, Gesundheitszentrum, Kita sowie Wohnungen und Arbeitsplätzen für ein- bis zweitausend Menschen ist auf dem Areal der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil geplant. Der 70 000 Quadratmeter grosse Bernapark zählt zu den grössten Entwicklungsgebieten im Kanton Bern und soll in drei Etappen realisiert werden. Am Mittwoch haben die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung der Umzonung des Areals zugestimmt.

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