Bern

Audi-Offroader überrollt das grüne Image von Mobility

BernMobility fällt in Bern in Ungnade, weil das Carsharing-Unternehmen neu auch Geländewagen für den «Fahrspass» anbietet. Ausgerechnet jetzt will Mobility von der Stadt 13 neue Standplätze in Quartierstrassen mieten.

Vor vier Monaten warb Mobility für seine neu gekauften Geländewagen der Marke Audi Q3, das sorgt für Kritik. (Symbolbild)

Vor vier Monaten warb Mobility für seine neu gekauften Geländewagen der Marke Audi Q3, das sorgt für Kritik. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Schon seit einiger Zeit können Kunden der Autoteilergenossenschaft Mobility im Berner City-West- und im Bahnhofparking ein Käfer-Cabrio, einen Mini Cooper oder einen noblen schwarzen BMW mieten. An der Beundenfeldstrasse neben dem Viktoriaplatz steht zudem eine Audi-Limousine bereit.

Bisher hat Mobility solche Fahrzeuge, die unter der Kategorie «Emotion» zu mieten sind, ohne grosse Einwände seiner Mitglieder angeboten. Doch dann die Kehrtwende: Vor vier Monaten warb Mobility für seine neu gekauften Geländewagen der Marke Audi Q3 und schrieb seinen Kunden, es erwarte sie «sportlich-eleganter Fahrspass». Wohl mit der Absicht, auch weniger sportliche Mobility-Kunden auf den Geschmack des «puren Emotion-Feelings» zu bringen, bot die Carsharing-Genossenschaft den Geländewagen mit 150 PS sogar eine Woche lang zum «Budget»-Tarif an.

Das überrascht: Denn früher rühmte sich die Mobility-Genossenschaft unter anderem im «Blick», dass sie «bewusst darauf verzichtet», Gelände- oder Sportwagen in die Flotte aufzunehmen. Weil die Genossenschaft der «ressourcenschonenden Mobilität» verpflichtet sei.

Offroader nach Protest in Bern nach Thun verlegt

Die zehn neuen Audi-Offroader riefen deshalb Umweltorganisationen auf den Plan. In Bern ­protestierte unter anderen der Verein Läbigi Stadt. «So ein Auto widerspricht eindeutig dem ökologischen Grundgedanken des Carsharings», erklärt Nadine Masshardt, die Präsidentin des Vereins, gegenüber dieser Zeitung. Mittlerweile hat Mobility versucht, die Wogen so gut wie möglich zu glätten: Der Offroader, der am Berner Bahnhof stationiert war, ist nun in Thun parkiert.

Denn Mobility ist in Bern auf gute Stimmung angewiesen: Das Unternehmen will von der Stadt zusätzlich zu den bisher 22 Standplätzen auf öffentlichem Grund weitere 13 Plätze in der Länggasse, am Nydeggstalden, an der Kirchbergerstrasse und an der Sulgeneckstrasse mieten. Die Einsprachefrist für die entsprechenden Baugesuche lief vergangenen Freitag ab.

Vor drei Jahren hat die Stadt dem Unternehmen versprochen, dass es insgesamt 35 solche Plätze auf öffentlichem Grund belegen darf. Für die Nutzung zahlt Mobility der Stadt 2400 Franken pro Jahr und Parkplatz. Damals versprach sich der Gemeinderat von dieser Vermietung ausdrücklich weniger Autos in den Quartieren. Dass Mobility die Standplätze nun auch dazu nutzt, ­«pures Emotion-Feeling» anzubieten, war kaum vorgesehen.

Mobility-Offroader in verkehrsberuhigten Strassen?

Mobility-Sprecher Patrick Ei­genmann beeilt sich denn auch, gegenüber dieser Zeitung zu beschwichtigen: «Bisher steht nur auf einem der Plätze, die wir von der Stadt gemietet haben, ein Auto dieser Kategorie.» Nämlich die Audi-Limousine an der Beundenfeldstrasse. Doch steht es dem Unternehmen frei, in einem ruhigen Quartiersträsschen, wo Kinder spielen, dereinst auch einen Offroader zu stationieren. Nadine Masshardt graut es vor dieser Vorstellung. Sie fordert deshalb: «Wenn die Stadt mit Mobility neue Verträge über Standplätze macht, müssen Bedingungen hinein über die Art der Fahrzeuge, die stationiert werden.»

Auch für die Stadtbehörden ist Mobility mit seinen «Fahrspass»- Autos zu weit gegangen: «Wir haben Mobility bereits bekundet, dass im Stadtgebiet nur stadt­verträgliche und schadstoffarme Fahrzeuge angeboten werden sollen», sagt Stephan Moser von der städtischen Verkehrsplanung. Es sei gut möglich, dass die Stadt entsprechende Bedingungen in die Vereinbarung über die 35 Standplätze aufnehme.

Patrick Eigenmann bestreitet, dass sich Mobility vom Grundgedanken der Genossenschaft verabschiedet habe, umweltfreundliche Autos zu vermieten. Studien würden zeigen, dass ein Mobility-Auto zehn Privatfahrzeuge ersetze. Er betont ausserdem: «Unsere Neuwagen stossen durchschnittlich nur 91 Gramm CO2 aus, während der Schweizer Schnitt bei 142 Gramm liegt.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 22.08.2016, 06:04 Uhr

Noch weniger Parkplätze für Anwohner

Mobility hat sich nicht nur bei umweltbewussten Autoteilern unbeliebt gemacht. Auch Stadtberner Parkkarteninhaber dürften sich nicht freuen über die 13 neuen Standplätze, die das Unternehmen anbieten will. Für diese Standplätze werden nämlich bisher öffentliche Parkplätze umgenutzt – unter anderem am Seidenweg, an der Neubrück-, an der Bühl- und an der Stadtbachstrasse. Ausgerechnet auf diesen Strassen in der Länggasse ist es aber für Parkkarten­inhaber sowieso schon schwierig, überhaupt einen Parkplatz zu finden. Im ganzen Quartier gibt es zwar rund 1600 öffentliche Parkplätze, aber um diese buhlen 1800 Parkkarteninhaber (wir berichteten). Auch in den Quartieren Breitenrain (Parkkarte 3014), Spitalacker (3013) und Mattenhof (3007) sind jeweils rund 200 Parkkarten mehr vergeben, als es Parkplätze hat. Dafür haben die Anwohner im Kirchenfeld, in Bümpliz und in Bethlehem in der Regel keine Mühe bei der Suche nach einem Abstellplatz für ihr Auto, weil es in diesen Quartieren mehr Parkplätze als Parkkarten gibt. em

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