Auch in der Papiermühle soll ein Hochhaus entstehen

Ittigen

Die Gemeinde Ittigen hat bei der Papiermühlekreuzung Grosses vor: Nebst anderen Häusern wird eventuell auch das Restaurant Thalheim verschwinden, dafür ist ein neues Hochhaus geplant. Der zu erwartende Mehrverkehr macht den Anwohnern Sorgen.

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Markus Zahno

«Wo soll man verdichtet bauen, wenn nicht in der Papiermühle?», sagt der Ittiger Gemeinderat Philipp Roth. Schliesslich sei hier fast alles in der Nähe: Bahn, Bus, Strasse und Einkaufsmöglichkeiten. Deshalb setzt nicht nur die Gemeinde grosse Hoffnungen in den Standort. Auch der Kanton hat ihn als Entwicklungsschwerpunkt definiert.

In welche Richtung sie die Entwicklung lenken möchten, haben die Behörden gestern an einem Infoabend skizziert. Rund ein halbes Dutzend gemeindeeigene und private Gebäude könnten dereinst abgerissen werden, darunter das Restaurant Thalheim. Als Ersatz sind verdichtete Neubauten geplant. Im wahrsten Sinne herausragend ist das Hochhaus, das anstelle des heutigen Parkplatzes neben der Papiermühlekreuzung entstehen soll. Mit 14 Stockwerken und 47 Metern Höhe wäre es etwa gleich hoch wie der Berner Postfinance-Tower. Beherbergen könnte es Läden, Büros, Wohnungen und Arztpraxen, so Philipp Roth.

Frühestens 2016

Bereits vor zehn Jahren startete die Gemeinde einen Planungswettbewerb. Der Siegervorschlag des Berner Architekturbüros Ernst Gerber sah ein elfstöckiges Haus vor. Mehr lag wegen der engen Platzverhältnisse nicht drin. «Dann merkten wir, dass es eine bessere Lösung gäbe», sagt Gemeindepräsident Beat Giauque. Also erweiterte man den Perimeter: Neu werden auch das Restaurant Thalheim sowie das Gebäude am Schulweg 3 in die Planung einbezogen. So wird ein grösseres Hochhaus möglich.

Noch steht das 47-Meter-Haus aber nicht. Als Erstes beginnt nun die öffentliche Mitwirkung zur neuen baurechtlichen Grundordnung. Diese dauert bis am 11.August. Danach werden die Eingaben ausgewertet und die Pläne allenfalls angepasst. Voraussichtlich im Dezember 2015 stimmt die Gemeindeversammlung ab – falls sie Ja sagt, könnten die Bauarbeiten für das Hochhaus frühestens Ende 2016 beginnen, sagt Roth.

Zuerst der neue Kreisel

Gebaut wird das Hochhaus von einem Investor, den die Gemeinde und die übrigen betroffenen Liegenschaftsbesitzer gemeinsam finden müssen. Auch eine andere Frage ist noch offen: Wie geht es mit der Umgestaltung der Papiermühlekreuzung weiter? Seit Jahren wartet die Gemeinde dort auf einen neuen Kreisel. Neu wollen Bund und Kanton nur noch 1 Million Franken an das 5-Millionen-Bauwerk zahlen. Deshalb muss das Projekt diesen Dezember nochmals vor die Gemeindeversammlung (wir berichteten). Der Kreiselbau soll danach zügig beginnen und fertig sein, bevor die rundherum geplanten Neubauten beginnen.

«Und der Schattenwurf?»

Der Individual- und der öffentliche Verkehr am Knoten Papiermühle hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die hier angesiedelten Büros des Bundes und der neue Swisscom-Businesspark tragen das ihrige dazu bei. Mit dem Hochhaus «wird das Chaos noch grösser», erklärte ein Bürger am Infoabend. Auch andere Ittigerinnen und Ittiger zeigten sich besorgt über die Verkehrssituation. «Statt über ein Hochhaus zu sprechen, sollte man dieses Problem lösen», sagte eine Bürgerin.

Andere bezweifelten, dass die vorgesehenen Läden im Hochhaus vermietet werden können. Schliesslich seien auch im nahe gelegenen Talgut-Zentrum nicht alle Ladenlokale belegt. «Und wie ist es mit dem Schattenwurf des Hochhauses?», fragte eine Ittigerin. Hier gab Planer Ernst Gerber Entwarnung: Nach den Berechnungen des Geometers sei keine der bestehenden Liegenschaften betroffen.

Berner Zeitung

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