Muri

Auch im Villenquartier wird verdichtet

MuriEs geht ohne Ausnahmebewilligung: Ein Neubauprojekt am Mettlenhölzliweg zeigt, dass sich mit den bestehenden Vorschriften auch Villenquartiere verdichten lassen. Zuvor diente das ­alte Landhaus sogar als Filmkulisse.

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Ein Landhaus von 1971, grosszügige Räume im Parterre und ein steiles Satteldach, dessen Schräge schon im ersten Stock beginnt. Seit Anfang Jahr ist die Villa am Mettlenhölzliweg 27 in Muri regelmässigen Kino­gängern ein ­Begriff. «Usgrächnet Gähwilers» heisst der Film, in dem sie eine zentrale Rolle spielt, und Ende Januar war Premiere. Hauptfigur ist Ralph Gähwiler, ein biederer Lokalpolitiker, dem auf seinem Weg nach oben ein Asylbewerber in die Quere kommt.

Der Film zeigt viele Bilder von innen wie aussen, wirft insbesondere immer wieder Blicke in die gute Stube, zu der sich das attraktiv im Parterre gelegene Hallenbad verwandelt hat. Sie zeugen von einer Zeit, die mittlerweile Geschichte ist: Die Villa am Mettlenhölzliweg ist abgerissen worden, noch bevor der Film in den Kinos lief. An ihrer Stelle stehen nun zwei Doppeleinfamilienhäuser, zwei moderne Holzkuben.

Nur mässig besonnt

Dass dies in einer Landhauszone möglich ist, erwartet nicht jeder. Zu gross sind in Muri die Ängste davor, dass eine zu dichte Bebauung den Charakter der parkähnlichen und für das Ortsbild so prägenden Villenquartiere zerstört. So jedenfalls tönt es stets sofort, wenn der Ruf nach neuen Vorschriften mit kleineren Grenzabständen und grosszügigeren Gebäudehöhen laut wird. Auch wenn die Befürworter genauso rasch entgegnen, es sei ein Gebot der Stunde, das überbaute Gebiet besser zu nutzen – in dieser Si­tuation zeigt Architekt Tobias Geissbühler nun: Es geht auch mit den heutigen, weit grosszügigeren Vorgaben.

Dabei stand nicht einmal von Beginn weg fest, dass die Villa am Mettlenhölzliweg weichen muss. Die Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, hatten erst versucht, die Liegenschaft im alten Zustand zu verkaufen. Als sie nach zwei Jahren nicht weiter waren, begannen sie, über einen Umbau in eigener Regie nachzudenken. Gemeinsam mit Tobias Geissbühler kamen sie schliesslich zur Überzeugung, dass die Variante Abbruch und Neubau wohl die beste sein würde.

Das alte Landhaus hatte halt seine Schwächen, das sagt der Architekt offen. Es war so gebaut, dass die Wohnräume nur mässig von der Sonne profitierten. Vor allem aber stand es auf einer Aufschüttung und deshalb höher als die Parzellen rundherum. Das brachte zwar den Vorteil, dass die Garage nur leicht in den Boden versenkt werden musste und so mit dem Auto bequem erreichbar war. Dass das Parterre deshalb anderthalb Meter über dem Boden lag, erwies sich aber als grosser Nachteil. Denn damit war die erlaubte Gebäudehöhe viel rascher erreicht, was das Ausbaupotenzial massiv einschränkte.

Mit den Neubauten dagegen konnte Tobias Geissbühler die Parzelle voll ausnutzen. Und das, wie er betont, ohne eine Ausnahme in Anspruch nehmen zu müssen: Die Holzkuben halten zu den Nachbargrundstücken und unter sich selber die Grenzabstände ein. Mit ihren zwei Geschossen und der aufgesetzten Attika wirken sie auch nicht mächtiger als die Villa mit ihrem steilen Dach. Wer direkt vor dem Haus steht, nimmt nur das Parterre und den ersten Stock wahr, nicht aber den zurückversetzten kleineren Aufbau im zweiten Stock.

Je zwei Haushälften

Jeder Kubus ist in zwei 5½-Zimmer-Hälften geteilt, «ein Klassiker», so der Architekt. Unten liegt der Wohnbereich für die Familie, in der Mitte leben die Kinder und oben die Eltern – mit Nachdruck weist er auf die grossflächigen Fenster im Parterre hin. Sie lassen die Obergeschosse quasi auf Stelzen schweben und geben zugleich den Blick frei in den Garten. Sie sorgen für Weite, erweitern den Innenraum gefühlsmässig bis in den Garten.

Der Garten spielt im Projekt eine zentrale Rolle. Er ist mit Hecken und Bäumen so bestückt, dass die Bewohner trotz ihrer Nähe zueinander auch im Freien möglichst viel Privatsphäre geniessen. Die Lage der Pflanzen ist sogar im Grundbuch fixiert und die professionelle Pflege genauso vorgeschrieben. Entstanden ist das Konzept in enger Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Gartengestalter: «Wir haben ganz neue Wege eingeschlagen.»

5 statt 16 Bewohner

Es sollte sich lohnen. Die vier Haushälften hätten sich gut verkauft, blickt Tobias Geissbühler zurück. Eingezogen sind im letzten Frühling samt und sonders Familien. Das führt er nicht nur auf die klassische, eben familienfreundliche Raumaufteilung zurück, sondern auch auf das «für die Lage günstige Preisniveau». Zahlen nennt er keine, im Baugesuch war indes von einem Investitionsvolumen von 3,5 Millionen Franken die Rede.

Auch mit der Nutzung kann er zufrieden sein. Statt 5 leben heute auf dem knapp 1500 Quadratmeter grossen Areal 16 Personen – auf einer Gesamtfläche, die von knapp 900 auf gut 1300 Quadratmeter erhöht worden ist. «Diese massvolle Verdichtung verträgt sich sehr gut mit dem Charakter des Quartiers.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.11.2017, 10:12 Uhr

Villa Waldried: Auch ein Umbau kann zeitgemässes Wohnen ermöglichen

Es muss nicht immer ein Neubau sein. Das Beispiel der Villa Waldried in Muri zeigt, dass ein altes Haus auch nach tiefgreifendem Umbau modernes Wohnen in gehobener Art bieten kann. Architekt Alfred Paul spricht von einem spannenden Prozess: Zu Beginn sei vieles unklar gewesen. «Das Haus hat seine Geheimnisse erst nach und nach preisgegeben, das Projekt erst im Zug der Arbeiten genaue Formen angenommen.»

Auch in der Villa Waldried leben die Bewohner nun auf mehr Raum, statt 610 beträgt die Gesamtfläche nun 860 Quadratmeter. Dies verdanken sie in erster Linie einem Anbau, der das Restpotenzial der Parzelle voll ausschöpft. Dazu kommt ein Garagenvorbau, dessen Dach dem Hochparterre als grosszügige und – an dieser Hanglage besonders geschätzt – ebene Terrasse dient. «Der Aussenraum ist heute ein zentrales Thema», sagt Alfred Paul.

Drinnen liess die gute, statisch grosszügig dimensionierte Grundstruktur aus dem Jahr 1942 weitreichende Anpassungen zu. Im Hochparterre wurden Zwischenwände ganz oder teilweise herausgebrochen, im Obergeschoss verschwand der Zwischenboden, der die Sicht ­hinauf in den Dachgiebel versperrte. So wirken die Räume – auch das entspricht dem heutigen Zeitgeist – viel grosszügiger als bisher. Details wie das Treppengeländer dagegen wurden sogar im Stil der 1940er-Jahre nachgebaut.

Äusserlich sieht das Haus auch deshalb anders aus, weil es nun über eine moderne, dicke Wärmedämmung verfügt. Massig wirke es trotzdem nicht, betont der Architekt und verweist auf den Garagenvorbau, der den Bau wohltuend gliedere. skk

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