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Arbeitgeberpräsident fordert Rückbesinnung auf bewährte Werte

Arbeitgeberpräsident Rudolf Stämpfli hat am Freitag im Berner Stade de Suisse mit 350 Gästen das hundertjährige Bestehen des Verbands gefeiert.

Er sah die Gründe der Finanzkrise in der Verabschiedung der Banken von den realen Werten.

Hinzu kämen der totale Vertrauensverlust der Banken untereinander, der Anleger gegenüber den Instituten sowie die verfehlten Anreizsysteme, sagte der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberbands in seiner Jubiläumsansprache laut Redetext.

«Back to the roots»

Die Entschädigungssysteme hätten den «nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen Leistung, Erfolg und Verantwortung aus den Angeln» gehoben. Die Devise müsse «back to the roots» lauten, zurück zu den «echten und bewährten helvetischen Werten».

Der Vertrauensverlust sei das grösste Hindernis für eine gute Arbeitgeberpolitik. Komme noch eine allgemeine Verunsicherung hinzu, «dann tritt anstelle der lösungsorientierten Debatte der blanke ideologische Verteilkampf», warnte Stämpfli.

In seinem Blick zurück bezeichnete der Präsident die Geschichte des Verbands als Erfolg. 1908 im Vorfeld des 1. Weltkriegs gegründet, habe es Jahrzehnte der Vertrauensbildung zwischen Patrons und Gewerkschaften gebraucht.

Das dürfe nicht gefährdet werden. Der Erfolg der Schweiz basiere auf dem flexiblen Arbeitsmarkt mit der sozialen Abfederung durch die Sozialwerke - der «Flexicurity».

Im Vorfeld hatte Stämpfli in Zeitungsinterviews gesagt, er begrüsse die Aktienrechtsreform mit der grösseren Mitbestimmung des Aktionariats bei den Salären. Für «normale» Arbeitnehmer sieht Stämpfli weniger generelle Lohnerhöhungen, dafür mehr Einmalprämien bei Betriebserfolgen.

Bundespräsident Pascal Couchepin sagte in seiner Grussadresse, das deutsche «Arbeitgeber» stelle einen positiven Begriff dar. Der Verband habe diesem immer nachzuleben versucht, nicht zuletzt in einer ethischen Haltung der Patrons. Ein Unternehmen ohne Weitblick und gesellschaftliche Verantwortung könne nie langfristig erfolgreich sein.

Bildungsghetto droht

Professor George Sheldon von der Universität Basel erklärte aufgrund seiner Forschungen, der Bildungsstand der Schweizer Wohnbevölkerung halte mit den wirtschaftlichen Erfordernissen Schritt. Schlechter qualifizierte Berufsleute drohten aber unter die Räder zu kommen.

Beunruhigend sei, dass 20 Prozent der ausländischen Jugendlichen seit 1996 ohne Berufsbildung dastünden. Auf alle Jugendlichen bezogen seien es 10 Prozent. Angesichts der wachsenden Bildungsansprüche der Wirtschaft wachse hier ein potenzielles Arbeitslosenreservoir heran.

Vollbeschäftigung als Ziel

Hugo Fasel, Caritas-Direktor und ehemaliger Präsident der Gewerkschaft Travail.Suisse, sagte, die Finanzkrise habe nichts mit Marktversagen zu tun. Sie zeige, wohin der Markt treibe, wenn nur ihm gefrönt werde.

Als Herausforderungen für den feiernden Verband nannte Fasel die Vollbeschäftigung als Ziel wirtschaftspolitischen Handelns. Die Integration des Einzelnen geschehe durch die Arbeit. Jede nichtintegrierte Person koste.

(SDA)

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