Belp

Anwohner klagen über laute Asylsuchende

BelpDas Zentrum für minderjährige Asylsuchende in Belp liegt mitten in einem Wohnquartier. Radau, laute Gespräche und Musik machen den Anwohnern zu schaffen. Sie verlangen Massnahmen.

Musik und laute Diskussionen der jugendlichen Asylsuchenden stören die Nachtruhe in Belp.

Musik und laute Diskussionen der jugendlichen Asylsuchenden stören die Nachtruhe in Belp. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwei Wochen Zeit erhielten die Jugendlichen. Zwei Wochen, in denen sie hätten zeigen sollen, dass es auch anders geht, ruhiger. Doch es blieb laut in der zweiten Augusthälfte rund um das Asylzentrum für unbegleitete Jugendliche in Belp. Zu laut, finden jedenfalls die Anwohner. «Die Jugendlichen und ihre Betreuer sind hochkant gescheitert», schrieb Hugo Gerber in einem Brief an die anderen Nachbarn im Quartier.

Gleichzeitig teilte Gerber ihnen mit, dass am 18. Oktober ein «runder Tisch» mit Anwohnern, Vertretern von Gemeinde, Kanton, Polizei und Heimleitung stattfindet. «Wir haben ein massives Problem», sagt Gerber. «Das müssen wir jetzt lösen.»

Seit fast drei Jahren leben im Wohnheim Säget unbegleitete Minderjährige, die in der Schweiz Asyl beantragt haben. Das Haus hat 40 Plätze, derzeit sind 38 von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren belegt. Es gehört der Stiftung Nathalie, die dort früher Personen mit einer autistischen Behinderung betreute. Dafür wurde es aber zu klein. Das kam dem kantonalen Migrationsdienst gerade recht.

Lieber Krawall als Schlaf

Am Anfang blieb alles ruhig. Die Behörden schafften viel Verständnis für das Zentrum, auch bei den Anwohnern. «Wir fanden es gut, dass das Haus eine neue Zweckbestimmung hat», sagt ebenfalls Gerber. Lang sei es gut gelaufen, nur hin und wieder etwas laut geworden. Doch in diesem Sommer sei der Lärm zum Problem geworden. Er dringt auf die Balkone, auf die Terrassen und in die Schlafzimmer der umliegenden Häuser.

Nicht nur die direkten Nachbarn an der Sägetstrasse seien betroffen. Auch Bewohner der Garten- und der Galactinastrasse, die als Verbindung vom Heim zum Bahnhof dienen, beschwerten sich über die Jugendlichen. Und selbst von Bewohnern jenseits der Gürbe gebe es Klagen.

Gerber betont: «Wir haben kein Problem mit Flüchtlingen, aber mit den übermütigen Jugendlichen, die nachts lieber Krawall machen als schlafen.» Das seien immer nur ein paar wenige, die Mehrheit verhalte sich anständig. «Wir haben den Eindruck, dass sich die meisten von ihnen ebenfalls gestört fühlen.»

Nun fordern Gerber und weitere Nachbarn Massnahmen. Vor allem die Verantwortlichen während der Nacht hätten die Lage nicht im Griff. Er ist gespannt auf das Treffen in einem Monat und sagt: «Wir wollen auch zu einer Lösung beitragen.»

Es hallt im Lärmkessel

«Wir kennen das Problem», sagt Daniela Enzler, Sprecherin der Zentrum Bäregg GmbH, welche für das Wohnheim zuständig ist. Die Lage mitten in einem Wohngebiet sei «relativ schwierig». Die umliegenden Häuser seien nah, es halle rasch, so entstehe ein Lärmkessel. Schon Gespräche und etwas Musik seien in der Umgebung gut zu hören.

Für Reklamationen hat das Zentrum Bäregg gleich zu Beginn eine Hotline eingerichtet. Diese werde regelmässig benützt. Bei jedem Anruf würden die Verantwortlichen im Wohnheim informiert. Pro zwölf Bewohner stehe eine Betreuungsperson zur Verfügung, so ist es kantonal geregelt. Von vereinzelten Situationen abgesehen funktioniere die Betreuung gut, sagt Enzler. Notfalls könne ein Kriseninterventionsteam hinzugezogen werden. In der Nacht wird das Heim von einer Person beaufsichtigt, eine weitere ist vor Ort auf Pikett.

Es sei schon immer eine Herausforderung gewesen, den Lärmegel so tief zu halten, dass die Anwohner sich nicht gestört fühlten. In diesem heissen Sommer sei es nun wohl zu einer Sättigung gekommen. Deshalb habe das Zentrum Bäregg die Anwohner nun zum «runden Tisch» eingeladen. Enzler: «Wir sind sehr daran interessiert, dass wir eine Lösung finden.»

Geeignete Lage?

Auch Gemeindepräsident Benjamin Martin (SVP) kennt die Probleme an der Sägetstrasse. «Wir nehmen die Anwohner ernst.» Für ihn ist es aber nicht erstaunlich, dass es zu Konflikten kommt. «Die Frage stellt sich, ob die Lage mitten in einem Wohnquartier ideal ist für ein solches Zentrum.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.09.2017, 07:49 Uhr

Artikel zum Thema

Im Hip-Hop-Workshop für jugendliche Flüchtlinge

Seit einem Jahr tanzen in Bern Flüchtlinge­ ­gemeinsam Hip-Hop. Das eigentlich simple Projekt ist für die ­Jugendlichen zum Fixpunkt geworden. Mehr...

Abgewiesener Spenglerlehrling darf hoffen

Amaniel K. soll das Land verlassen, in einem Asylzentrum auf die Ausweisung warten, nicht mehr arbeiten. Am Freitag kam Bewegung in den Fall des abgewiesenen Spenglerlehrlings. Eine Kehrtwende? Noch nicht. Mehr...

Asylbewerber ziehen in die letzte Dorfbeiz ein

Hondrich Ende August geht in der Spiezer Bäuert eine Ära zu Ende: Mit dem Hotel-Restaurant Bärgsunne wird die letzte Beiz im Dorf ihre Türen schliessen. Spätestens bis Ende Jahr ziehen Asylbewerber aus der nahen Kollektivunterkunft Freyberg in den Betrieb um. Richtig erfreut ist darüber nur die Zentrumsbetreiberin. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Blogs

Echt jetzt? Bündner Brücke der Rekorde

Bern & so Spass mit Autos

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Kunst auf dem Gesicht: Ein Rohingya Mädchen in der Nähe von Cox's Bazar in Bangladesh hat ein verziertes Gesicht. (17. Dezember 2017)
(Bild: Alkis Konstantinidis) Mehr...