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Anwohner haben den Verkehr satt

Die SVP macht Druck: Sie verlangt von der ­Politik endlich Massnahmen gegen den Durchgangsverkehr in Oberlindach. Der Gemeinderat beauftragt ­vorerst ein Planungsbüro und hofft auf das Verkehrs­management Bern-Nord.

Ein gewohntes Bild in den Stosszeiten: Die Gemeindestrassen dienen vielen Pendlern als Umfahrung der oft überlasteten Autobahn.
Ein gewohntes Bild in den Stosszeiten: Die Gemeindestrassen dienen vielen Pendlern als Umfahrung der oft überlasteten Autobahn.
Iris Andermatt

Ein Evergreen ist ein Musikstück, das häufig gespielt wird und von den meisten Hörern geliebt wird. Marc Aeberhard spricht auch von einem Evergreen, wenn er über den Verkehr in Oberlindach spricht. Das Thema ist aber alles andere als Musik in den Ohren des Präsidenten der lokalen SVP: «Seit 20 Jahren weisen wir ­Anwohner darauf hin, dass die Strassen nach Diemerswil und Münchenbuchsee nicht als Bypass ausgelegt sind.» So sei unter anderem in den 90er-Jahren eine Petition mit über 120 Unterschriften allein aus dem Dorf Oberlindach eingereicht worden.

In Stosszeiten Stau

Passiert sei wenig. Ganz im Gegenteil: Der Verkehr habe stetig zugenommen, sagt der SVP-Präsident. Pendler aus Berns Norden würden diese Route ­benutzen, um Staus auf der Autobahn im Raum Schönbühl/Grauholz zu umfahren. Zu den Stosszeiten am Morgen und am Abend komme es regelmässig zu Staus. Zusätzlich bei Unfällen auf der Autobahn oder Grossveranstaltungen. Nicht nur die verstopften Gemeindestrassen geben Aeberhard zu denken, sondern auch Tempoüberschreitungen und rücksichtslose Fahrweisen. Zudem leide die Strasse, weil sie nicht für so viel Verkehr gemacht sei.

«Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann ein schwerer Unfall passiert», sagt Marc Aeberhard, der an der Verzweigung Diemerswil- und Buchsistrasse wohnt. «Muss es zuerst einen Toten geben, bevor etwas passiert?» Es seien zwar Massnahmen getroffen worden, wie etwa Poller. Eigentlich gut gemeint, aber bis auf einen schlecht positioniert und völlig unnütz. Die Anwohner hätten die Nase langsam voll von dieser Situation, die sich weiter verschlimmere. Das Verkehrsvolumen müsse endlich reduziert werden.

Noch mehr Schleichverkehr?

Die SVP Kirchlindach ist deshalb aktiv geworden und sucht das ­Gespräch mit den Verantwortlichen der Gemeinde, der Nachbargemeinden, der Regionalkonferenz und des Kantons. «Dieses Problem können wir nicht allein lösen», sagt Aeberhard. Kirchlindach müsse das Thema in den regionalen Gremien proaktiv einbringen. Dem Verkehrsmanagement Bern-Nord, das im nächsten Jahr gestartet werden soll, schaut er skeptisch entgegen (siehe Kasten). «Es konzentriert sich auf die Hauptachsen. Mögliche Ausweichrouten werden nicht berücksichtigt.» Kirchlindach bleibe aussen vor. Aeberhard befürchtet zusätzlichen Schleichverkehr.

Gemeindepräsident Werner Walther (parteilos) räumt ein, dass in Oberlindach Handlungsbedarf besteht. In den letzten Jahren seien verschiedene Massnahmen ergriffen worden, die erhoffte Wirkung sei jedoch nicht eingetreten. Die Verengungen hätten sogar zu einem zusätz­lichen Problem geführt. Durch das Abbremsen und Wiederbeschleunigen sei die Lärmbelastung höher geworden. Der Gemeinderat Kirchlindach hat nun ein spezialisiertes Planungsbüro beauftragt, das mögliche Massnahmen zur Verbesserung der ­Situation vorschlagen soll. Vielleicht gebe es Vorschläge, die bisher noch nicht geprüft worden seien.

«Wir haben jetzt über 20 Jahre Geduld und ­Verständnis gezeigt. Jetzt reichts!»

Marc Aeberhard Anwohner und SVP-Präsident

Für Marc Aeberhard ist dieses Vorgehen eine «Augenwischerei und nicht zielführend». Am Ende werde es heissen «ausser Spesen nichts gewesen». Schliesslich sei das Problem hinlänglich bekannt. Werner Walther wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Die Fachleute hätten möglicherweise neue Ideen, um den Verkehr zu reduzieren.

Forderungen gestellt

Der Gemeindepräsident ist nicht so negativ gegen das Verkehrsmanagement Bern-Nord eingestellt: «Es ist zuallererst eine Hoffnung, dass sich der Verkehr auf den Hauptachsen verflüssigen wird.» Damit würden diese Achsen wieder attraktiver, die Schleichwege würden weniger benutzt. Werner Walther betont in diesem Zusammenhang, dass die Gemeinde Kirchlindach sehr wohl angehört worden sei und ihre Anliegen habe deponieren können. So habe die Gemeinde Verkehrszählungen vor und während des Projekts erfolgreich verlangt.

Auch das kantonale Tiefbauamt als Federführer erklärt, dass die Massnahmen so konzipiert seien, dass «die unmittelbaren Nebenachsen nicht zusätzlich belastet werden». Sollten die Analysen zeigen, dass die Wirkung nicht wie gewünscht eintritt, würden bei Bedarf zusätzliche Massnahmen ergriffen.

Geduldsfaden ist gerissen

Marc Aeberhard hätte einige Ideen, wie der Durchgangsverkehr in Oberlindach beruhigt werden könnte. Als Erstes denkt er an ein temporäres Fahrverbot, das die Durchfahrt auf der ­Diemerswil- und der Buchsi­strasse einschränken würde. «Das müsste aber mit Kontrollen durchgesetzt werden», ergänzt der SVP-Präsident.

Weiter in Betracht zieht er eine Verkehrsregelung in den Stosszeiten oder allenfalls eine Renaturierung der Gemeindestrassen. Ihm ist bewusst, dass sich diese Massnahmen auf den Gemeindestrassen nur zusammen mit den Nachbargemeinden umsetzen lassen. Bisher sei das leider nicht möglich gewesen. «Wichtig ist, dass endlich etwas geht. Wir haben jetzt über 20 Jahre Geduld und Verständnis gezeigt. Jetzt reichts!», ergänzt Marc Aeberhard.

Werner Walther will zuerst die Erkenntnisse des Planungsbüros abwarten und die Auswirkungen des Verkehrsmanagements Bern-Nord im Auge behalten.

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