Anwohner dürfen selber Krähen abschiessen

Bern

Auf privaten Grundstücken dürfen Anwohner die Saatkrähen ab September selber abschiessen. Rolf Schneeberger vom kantonalen Jagdinspektorat erklärt, worauf sie dabei achten müssen.

Saatkrähen abknallen: Ab 1.September im Kanton Bern erlaubt.

Saatkrähen abknallen: Ab 1.September im Kanton Bern erlaubt.

(Bild: Fotolia)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Saatkrähen verdrecken parkierte Autos mit ihrem Kot. Und den Lärm, den sie veranstalten, beschreiben Anwohner seit Jahren mit dem Wort «ohrenbetäubend».

Ebenfalls seit Jahren kämpfen Behörden gegen die gefiederten Störenfriede an. Unvergessen ist die Vergiftungsaktion im Jahr 2005, angeordnet durch die Kantonsregierung. Wildhüter vergifteten mehrere Hundert Rabenkrähen mit dem Schlafmittel Chloralhydrat. Dieses wurde auf Maiskörnern den Vögeln verfüttert.

Abschiessen erlaubt

Im Gegensatz zu den Rabenkrähen leben die Saatkrähen in Kolonien. Umso mehr Lärm und Dreck verursachen sie. Bis vor kurzem standen die Saatkrähen unter Schutz. Doch weil die Population ständig anwuchs, wurde der Artenschutz aufgehoben. Ab dem 1. September 2013 dürfen Jäger im ganzen Kanton auf die Saatkrähen los. Und sogar genervte Anwohner dürfen auf dem eigenen Grundstück auf die Vögel schiessen – Mieter ebenfalls. «Die sogenannte Selbsthilfe gibt ihnen dieses Recht», sagt Rolf Schneeberger, Fachbereichsleiter Aufsicht und Betrieb beim kantonalen Jagdinspektorat. Aber aufgepasst, folgende Massnahmen sollten beherzigt werden: «Man darf nur auf dem selber bewohnten Grundstück auf Krähen schiessen. Zudem müssen diese einen Schaden verursachen.» Permanenter Lärmpegel und regelmässiges Verkoten gelten als Schaden.

«Nicht ins Blaue schiessen»

Das Wichtigste sei der Kugelfang. «Ja nicht ins Blaue hinaus schiessen», mahnt der Experte. «Am besten zielt man gegen den Boden oder in Richtung einer Böschung.» Wer in die Bäume hochschiesse, solle ein Schrotgewehr mit kleinen Schrotkügelchen verwenden. «Zudem sollte man den Tieren keine Qualen bereiten. Krähen, die am Brüten sind, bleiben tabu.» Angst vor Unfällen hat Schneeberger kaum. Im Umgang mit anderen Wildtieren gelte die Selbsthilfe seit langem. Unfälle seien ihm keine bekannt. Die grösste Gefahr sei, dass Nachbarn Krach kriegen. «Die einen wollen die Krähen weghaben. Die anderen füttern sie am liebsten jeden Tag».

Die Stadt will verhindern, dass im Siedlungsgebiet auf Krähen geschossen wird: «Im Herbst, bevor die Krähen zurückkommen, geben wir Empfehlungen dazu ab, wie man die Vögel vergrämen kann», sagt Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie bei Stadtgrün Bern.

Berner Zeitung

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