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Antifa-Demo: Polizei führte 29 Personen ab

Zehn Jahre nach der «Schande von Bern» verhinderte die Kantonspolizei am Freitagabend eine unbewilligte Kundgebung bis auf einen Minidemozug rigoros. Die Polizei führte insgesamt 29 Demonstranten ab.

In der Berner Innenstadt wurden insgesamt 29 Personen von der Polizei angehalten und abgeführt. (6. Oktober 2017)
In der Berner Innenstadt wurden insgesamt 29 Personen von der Polizei angehalten und abgeführt. (6. Oktober 2017)
Jürg Spori
Kastenwagen in Reih und Glied – dahinter der Protestumzug.
Kastenwagen in Reih und Glied – dahinter der Protestumzug.
Jürg Spori
Der Wasserwerfer stand auf dem Waisenhausplatz bereit. Die Polizei war für eine allfällige Eskalation gewappnet.
Der Wasserwerfer stand auf dem Waisenhausplatz bereit. Die Polizei war für eine allfällige Eskalation gewappnet.
Jürg Spori
Bis spät in die Nacht markierte die Polizei in der Stadt Präsenz – hier am Bollwerk.
Bis spät in die Nacht markierte die Polizei in der Stadt Präsenz – hier am Bollwerk.
Jürg Spori
Wer sich am Freitagabend in der Stadt aufhielt, konnte das massive Polizeiaufgebot unmöglich übersehen.
Wer sich am Freitagabend in der Stadt aufhielt, konnte das massive Polizeiaufgebot unmöglich übersehen.
Jürg Spori
Bereitstehende Polizeifahrzeuge bei der Lorrainebrücke.
Bereitstehende Polizeifahrzeuge bei der Lorrainebrücke.
Jürg Spori
Nachdem die Demonstrierenden sich in die Reitschule zurückgezogen hatten, blieb die Polizei präsent.
Nachdem die Demonstrierenden sich in die Reitschule zurückgezogen hatten, blieb die Polizei präsent.
Jürg Spori
Hier wurde abgeriegelt: Polizisten versperren die Strasse zwischen Kapitel und Schützenmatte.
Hier wurde abgeriegelt: Polizisten versperren die Strasse zwischen Kapitel und Schützenmatte.
Jürg Spori
Auch viele Schaulustige waren am Freitagabend in der Stadt, um sich selbst ein Bild der Geschehnisse zu verschaffen.
Auch viele Schaulustige waren am Freitagabend in der Stadt, um sich selbst ein Bild der Geschehnisse zu verschaffen.
Jürg Spori
Auf dem Weg Richtung Reitschule zündeten vermummte Aktivisten Pyrofackeln.
Auf dem Weg Richtung Reitschule zündeten vermummte Aktivisten Pyrofackeln.
Raphael Moser
Der Rumpf-Demozug marschierte via Bollwerk Richtung Schützenmatte.
Der Rumpf-Demozug marschierte via Bollwerk Richtung Schützenmatte.
Raphael Moser
Dort wurde der Demozug von Polizisten blockiert.
Dort wurde der Demozug von Polizisten blockiert.
Raphael Moser
Personen, die der Polizei verdächtig vorkamen, wurden (teilweise auch in Handschellen) abgeführt.
Personen, die der Polizei verdächtig vorkamen, wurden (teilweise auch in Handschellen) abgeführt.
Jürg Spori
Polizei, so weit das Auge reicht. Die Mission war klar: Eine Demonstration musste verhindert werden. So wollte es die städtische Regierung.
Polizei, so weit das Auge reicht. Die Mission war klar: Eine Demonstration musste verhindert werden. So wollte es die städtische Regierung.
Jürg Spori
Ein Grossaufgebot an Polizeigrenadieren riegelte ab 19.30 Uhr...
Ein Grossaufgebot an Polizeigrenadieren riegelte ab 19.30 Uhr...
Jürg Spori
...den Zytglogge grossflächig ab.
...den Zytglogge grossflächig ab.
Raphael Moser
Die erweiterte Polizeipräsenz erstreckte sich über die gesamte Altstadt.
Die erweiterte Polizeipräsenz erstreckte sich über die gesamte Altstadt.
Raphael Moser
Die Polizei nahm gezielte Personenkontrollen vor.
Die Polizei nahm gezielte Personenkontrollen vor.
Raphael Moser
Dabei wurden etliche Verdächtige in Handschellen abgeführt.
Dabei wurden etliche Verdächtige in Handschellen abgeführt.
Raphael Moser
Der geplante antifaschistische Demonstrationszug beim Zytglogge konnte durch das massive Polizeiaufgebot nicht wie geplant um 19.30 Uhr durchgeführt werden.
Der geplante antifaschistische Demonstrationszug beim Zytglogge konnte durch das massive Polizeiaufgebot nicht wie geplant um 19.30 Uhr durchgeführt werden.
Jürg Spori
Ein Schutzwall beim Zytglogge.
Ein Schutzwall beim Zytglogge.
Jürg Spori
Rund um den Zytglogge war bereits zwei Stunden vor der geplanten Demo...
Rund um den Zytglogge war bereits zwei Stunden vor der geplanten Demo...
Jürg Spori
...erhöhte Polizeipräsenz zu sehen.
...erhöhte Polizeipräsenz zu sehen.
Jürg Spori
In der Marktgasse standen Kastenwagen bereit.
In der Marktgasse standen Kastenwagen bereit.
Leserreporter
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Am Samstagmorgen veröffentlichte die Kantonspolizei Bern die Bilanz des Grosseinsatzes, der am Freitagabend in Berns Innenstadt durchgeführt wurde. Im Rahmen des Einsatzes wurden insgesamt 29 Personen «für weitere Abklärungen» abgeführt und in Polizeiräumlichkeiten gebracht.

Dabei habe die Polizei «Vermummungs- und Demonstrationsmaterial» sowie insgesamt über ein Dutzend Pfeffersprays sichergestellt, heisst es im Communiqué. Bis auf eine Person, welche zur Verhaftung ausgeschrieben war, wurden sämtliche Personen im Verlaufe der Nacht wieder entlassen.

In der Medienmitteilung schreibt die Polizei, dass auch zahlreiche Personen aus anderen Kantonen angereist seien, um an der unbewilligten Kundgebung teilzunehmen. Es kam am Freitagabend zu keinen Sachbeschädigungen.

Ein ganz normaler Samstagmorgen

Bern am Morgen nach der verhinderten Antifa-Demo: Am Bollwerk erinnert kurz vor 7 Uhr nichts an die Geschehnisse der vergangenen Nacht. Der Vorplatz der Reitschule ist nahezu leer, vor dem Club Kapitel stehen übernächtigte Feiernde und rauchen, aus dem Lokal dröhnt nach wie vor Musik. Ein VW-Bus der Kantonspolizei fährt über die Schützenmatte, ansonsten wurde das massive Polizeiaufgebot vom Vorabend aufgelöst.

Viele Einsatzkräfte wurden bereits ungefähr um Mitternacht abgezogen, auch der Wasserwerfer wurde etwa um diese Zeit vom Waisenhausplatz weggefahren. Bis tief in die Nacht hinein waren jedoch in Berns Innenstadt noch Polizeipatrouillen anzutreffen, Securitas-Kräfte bewachten nach wie vor das Bundeshaus.

Filmreife Kulisse in Berns Innenstadt

Ein bisschen fühlte man sich am Freitagabend ab 19.30 Uhr am Zytglogge wie in einem Suspense-Film, in dem Heerscharen von ­Sicherheitskräften ein Gebiet ­minutiös, aber erfolglos durchkämmen, und als Zuschauer weiss man, dass der Gesuchte trotzdem dort ist.

Dutzende Berner Polizistinnen und Polizisten – verstärkt durch Korpsangehörige anderer Kantone – belagerten in Vollmontur den Kornhausplatz, aber von Linksaktivisten, die den Start ihrer nicht bewilligten Demonstration beim Zytglogge ange­kündigt hatten, keine Spur. Fast keine Spur.

Per Megafon erklärte die Polizei kurz vor 20 Uhr, dass die Stadtregierung jegliche Kund­gebung verboten habe, wer zu diesem Zweck hier sei, müsse damit rechnen, festgenommen zu werden. Tatsächlich hielt die Polizei ihr verdächtig erscheinende, meist jugendliche Per­sonen in der ganzen oberen Altstadt an, kontrollierte und untersuchte sie.

Man sah mehrere ­Personen, die teilweise in Handschellen abgeführt wurden, angeblich sollen bei einzelnen an­gehaltenen Personen mit Benzin gefüllte Flaschen gefunden worden sein. Gehässige Szenen waren indessen nur sehr vereinzelt zu beobachten. Es gab auch Leute, die im Abenteuermodus in der Stadt unterwegs waren.

Auszüge aus dem Polizeieinsatz am Freitagabend. Video: SDA

Nervosität per Smartphone

Ein wichtiger Teil der 6.-Oktober-Demonstration 2017 spielte sich in den sozialen Medien auf dem Smartphone ab. Während die Polizei im 20-Minuten-Rhythmus die Lage schilderte, verbreiteten die Demoorganisatoren über Facebook und Twitter plötzlich alternative Besammlungsorte.

Der Facebook-Post der anonymen Organisatoren.

Auch der städtische ­Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), der in Dächlikappe und Turnschuhen und in Begleitung von Alexander Ott, stellvertretender Leiter des Polizeiinspektorats, unterwegs war, starrte gebannt auf sein Smartphone.

Tatsächlich formierte sich um 21 Uhr unter dem Baldachin auf dem Bahnhofplatz plötzlich ein kleiner Demonstrationszug, dessen Initianten es gelungen war, ein Transparent gegen Rassismus (um den es bei der ganzen Sache hätte gehen sollen) durch die Kontrollen zu schmuggeln. Überraschend viele Leute, die am Bahnhof herumstanden, schlossen sich an, man zog Richtung Schützenmatte, zündete Pyros und verzog sich in die Reitschule. Was man festhalten kann: Die wohl rund tausend Polizisten ­waren den Demonstrierenden quantitativ massiv überlegen.

Bewusst ohne Bewilligung

So gesehen war der Freitagabend die Antithese zum SVP-Umzug vom 6. Oktober 2007, der auch darum aus dem Ruder gelaufen war, weil die Polizei das Eskalationsrisiko unterschätzt hatte. Diesmal hatten eher die Linksaktivisten die Lage schlecht eingeschätzt. Ihr Vorhaben, aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach «demonstrationsunfreundlich» gewordenen rot-grün regierte Stadt Bern ohne Bewilligung eine friedliche, grosse Kundgebung gegen Rassismus, Sexismus und Faschismus durchzuführen, klappte nicht.

Auf Twitter orientierte die Kantonspolizei Bern vor der Demo über die erhöhte Präsenz in der Innenstadt.

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