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Anschlag auf türkisches Kulturzentrum?

In der Nacht auf gestern wurde ein Gebäude in Münchenbuchsee beschossen. Galt der Angriff dem islamischen Zentrum?

Schock für die Zwillingsbrüder Fabrice und Olivier Villard. Erst vor drei Wochen zogen sie in das Industriegebäude an der Waldeckstrasse 4 in Münchenbuchsee. Dort betreiben sie ihr Kommunikationsunternehmen. Als sie gestern Morgen um 8 Uhr ihre frisch renovierten und eingerichteten Räume betraten, war die Verwirrung gross. Auf dem neuen Parkett und auf den Büromöbeln lagen überall Glassplitter. Die Jalousien waren ausgefranst, die doppelt verglasten Fensterscheiben durchlöchert, sogar die Metallfassade hatte sich verbogen. Die Brüder fanden mehrere Patronenhülsen, eine steckte tief in der Wand. Sie riefen die Polizei an, welche den Tatort untersuchte und das Gebäude absperrte.

Verein zog kürzlich um

Wie die Untersuchungsbehörden gestern mitteilten, ist nicht bekannt, wer die Schüsse abgefeuert hat. Hingegen konnte geklärt werden, wann die Täter aktiv waren: in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 1.35 Uhr. Dafür gibt es nämlich einen Zeugen. Es handelt sich um S.A.*, der sich zu diesem Zeitpunkt im Lokal des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Bern und Umgebung aufhielt. Dieser Treffpunkt liegt einen Stock unterhalb des Büros der Firma Villard. «Kurz nacheinander hörte ich heftige Schläge, ich wusste aber nicht, woher der Lärm kam», erzählte S.A. gestern dieser Zeitung. Bereits nach 20 Sekunden sei der Spuk vorbei gewesen. Er habe aus dem Fenster geschaut, aber niemanden gesehen. Ausser S.A. war zu diesem Zeitpunkt niemand mehr im Gebäude. Denn dort gibt es nur Gewerbe- und keine Wohnräume. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die Täter Personen verletzen wollten. Bis um 23 Uhr hatten einige Mitglieder des türkischen Kulturvereins in ihrem Lokal zusammen am TV Fussball geschaut. S.A. hat keine Zweifel daran: «Die Schüsse galten unserem Verein.» Ebenso klar sind für ihn die Urheber. Er vermutet sie in kurdischen Kreisen. Die Polizei kann dies weder bestätigen noch völlig in Abrede stellen. «Wir ermitteln in alle Richtungen», sagt Sprecher Olivier Cochet.

Schon früher Anschläge?

Sollten die Schüsse wirklich dem islamischen Zentrum gegolten haben, waren die Schützen entweder ungeübt oder schlecht informiert. Denn die Patronen trafen ausschliesslich den obersten Stock. Dort war das Zentrum bis vor wenigen Monaten auch tatsächlich untergebracht. Aber: Im Oktober zog der Kulturverein in die Räume im unteren Stockwerk. Mehrere nicht genannt sein wollende Stimmen sagen, es habe schon früher Anschläge auf das Kulturlokal gegeben. Die einen sprechen von «Farbbeuteln», andere von «Molotowcocktails». Auch dies will der Polizeisprecher weder bestätigen noch dementieren. Die Aussagen würden in die Ermittlungen mit einbezogen. Noch gestern Nachmittag waren die Jungunternehmer Fabrice und Olivier Villard daran, ihre Räume wieder in Ordnung zu bringen. Die Täter müssen ein starkes Geschoss benützt haben, davon sind sie überzeugt.

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