An der Beamtenparty spielte Züri West

Mit einem rauschenden Fest verabschiedete Berns Kulturabteilung ihren Vizeleiter. Kostenpunkt: 26'000 Franken. Es habe sich um einen «Vernetzungsanlass» gehandelt, heisst es nun bei der Stadt.

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250 geladene Gäste strömten am 24. Januar in die Berner Dampfzentrale. Eine Woche vor der Pensionierung von Peter Schranz, dem Vizeleiter von Kultur Stadt Bern, wurde gefeiert. Angerichtet wurde mit der ganz grossen Kelle. Es gab eine Lesung und Konzerte. Züri West spielte. Kostenpunkt: 26'000 Franken. Bezahlt von der Stadt Bern.

Keine Frage: Peter Schranz ist ein verdienter Mitarbeiter der Stadtverwaltung. 29 Jahre war er bei der städtischen Kulturabteilung und hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Vergabe der Kulturgelder professionalisiert wurde. Als Verantwortlicher für die Kulturkommissionen hatte er grossen Einfluss.

Doch was rechtfertigt 26'000 Franken für eine Abschiedsparty? Das Reglement nicht: «Pro Mitarbeitenden, der in den Ruhestand tritt, kann der/die Vorgesetzte 150 Franken aufwenden», zitiert Walter Langen­egger, der Leiter des Informationsdienstes, aus der Personalverordnung der Stadt Bern.

«Ein Vernetzungsanlass»

Also lässt sich die Abschiedsfeier nur legitimieren, wenn man sie anders nennt. Laut Veronica Schaller, Leiterin von Kultur Stadt Bern, handelte es sich um einen «Anlass zur Verdankung des jahrelangen Engagements der zahlreichen Mitglieder in den verschiedenen städtischen Kulturkommissionen, die von Peter Schranz während 29 Jahren betreut wurden».

Eingeladen waren alle aktuellen und ehemaligen Mitglieder dieser Kommissionen «sowie weitere Personen, die eine Schlüsselrolle in der Berner Kulturszene einnehmen oder eingenommen haben». Der ganze Kuchen, gut 350 Personen.

Die 350-mal verschickte Ein­ladung, die dieser Zeitung vorliegt, thematisierte tatsächlich zweierlei: «29 Jahre Kulturförderung Stadt Bern» und «29 Jahre mit Peter Schranz». Dass Schranz am Fest im Zentrum stand, zeigt ein Zusatz: «Wichtig! Bitte um Geheimhaltung, Peter soll überrascht werden!»

«Es handelte sich um einen Vernetzungsanlass», sagt Vero­nica Schaller, die sich dabei sogar auf die neue städtische Kulturstrategie abstützen dürfte, die Vernetzung und Partizipation als wichtige Ziele definiert. Die 26'000 Franken habe man hauptsächlich für die Gagen der Musikgruppen aufgewendet, so Schaller.

Warum die Stadt für einen «Vernetzungsanlass» die teuerste Band der Stadt engagieren muss, bleibt offen. Gesichert ist hingegen die Information, dass die Stadt bei der Verpflegung der Gäste weit knausriger war. Der Apéro war offeriert, danach waren Getränke und Essen kostenpflichtig. «Suppe, Brot und Käse gab es für 6 Franken.»

Schallers letzte Runde

Vielleicht ist das üppige Geschenk an die Kulturszene auch als Friedensangebot zu verstehen: Schaller war vor allem zu Beginn ihrer Tätigkeit als oberste Hüterin über das Berner Kulturbudget umstritten. Unter anderem deshalb, weil sie sich lange nicht für eine neue Kulturstrategie erwärmen konnte.

Die Hassliebe zwischen der Berner Kultur und Schaller hat sich inzwischen ein wenig gelegt. Letztes Jahr gab aber Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) bekannt, dass Schaller mit 63 in Pension geschickt wird. Das ist in Bern zwar üblich, doch Schaller hatte mehrfach durchblicken lassen, dass sie gerne über das Pensionsalter ­hinaus bleiben würde.

Für ihre Nachfolge sucht Stapi von Graffenried «eine Person, die über profunde kulturpolitische Kompetenzen verfügt, eine ausgewiesene kommunikative Führungspersönlichkeit ist und die städtische Kulturpolitik zielgerichtet weiterentwickeln kann», lässt Infochef Walter Langenegger verlauten.

Und weiter: «In der Präsidialdirektion sind viele Männer in den wichtigen Positionen. Der Stadtpräsident erwartet, dass sich zahlreiche kompetente Frauen bewerben werden. Somit sind die Chancen gross, dass eine Frau zum Zug kommt.»

Das Kandidatinnenkarussell

Die Schaller-Nachfolge war am «Vernetzungsanlass» in der Dampfzentrale eines der heissdiskutierten Themen. Wer setzt sich aufs Kandidatinnenkarussell? Hoch gehandelt wird seit langem Progr-Leiterin Franziska Burkhardt, die das neue Kulturkonzept erarbeitet hat.

Oder wirft sich bald Dampfzentrale-Präsidentin und SP-Grossrätin Nicola von Greyerz für die Berner Kultur ins Zeug? Oder Nicolette Kretz, Leiterin des Theaterfestivals Auawirleben, die in der Dampfzentrale den Auftritt von Züri West ansagen durfte? Oder gar ein Mann?

Die Personalie wird voraussichtlich noch an so manchem Apéro zu reden geben. Derzeit steht bloss fest, ab wann die Stelle frei ist: Schaller tritt Ende Januar 2019 ab. Mit welchen Festivitäten sie verabschiedet wird, ist dagegen noch nicht bekannt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.02.2018, 08:13 Uhr

Neue Expertin für Kunst im öffentlichen Raum

Im vergangenen Herbst hat die Stadt die Stelle einer Fachexpertin bzw. eines -experten Kunst und Kunst im öffentlichen Raum ausgeschrieben. Inzwischen ist diese mit Annina Zimmermann besetzt worden, wie Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) auf Anfrage bestätigt. Zimmermann studierte in Bern und Basel Kunstwissenschaft und Geschichte und schloss anschliessend in Utrecht einen Master of Arts in Arts Management ab.

Sie arbeitete unter anderem im Museum für Gegenwartskunst und beim Plug.in in Basel. In der neu organisierten Kulturabteilung ist Zimmermann eine von drei Verantwortlichen der Sparten «Musik», «Theater, Tanz und Literatur» beziehungsweise in ihrem Fall «Kunst und Kunst im öffentlichen Raum». hae

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