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Am Wochenende fühlt es sich an wie bei –25 Grad

Es wird kalt, und die Bise bläst: Ein richtiges Winterwochenende steht vor der Tür. Der Wetterexperte empfiehlt einen Ausflug an den See.

Christoph Hämmann
Eine Stadt erstarrt in sibirischer Kälte. Ab morgen wird es in Bern und der Region vier Tage lang richtig kalt.
Eine Stadt erstarrt in sibirischer Kälte. Ab morgen wird es in Bern und der Region vier Tage lang richtig kalt.

Morgen wird sie hier sein, die sibirische Kälte. Schuld ist der Wind, der nicht länger aus Westen blasen und sich gegen das riesige Kältehoch über Russland stemmen mag. Es weht jetzt ein anderer Wind: Er kommt aus Nordost und trieb das Hoch so weit vor sich her, dass wir nun an dessen Südrand liegen. Was das heisst, liest sich in den Wetterprognosen fürs Wochenende kurz und bündig: «Mit Bise sehr kalt.»

–12 ist nicht gleich –12

Wenig Grund für Hochstimmung also bei allen, denen Kälte in erster Linie einmal zuwider ist. Schlimmer noch: Die 12 Grad minus, die am Wochenende im Mittelland herrschen können, sind besonders kalte 12 Grad minus. Und wieder liegts am Wind: Laut Mario Rindlisbacher, Prognostiker bei der Berner Firma Meteotest, führt die Bisenlage dazu, dass die gefühlte Temperatur deutlich tiefer ist als jene, die das Thermometer anzeigt. «Bei einer Windstärke von 60 Kilometern pro Stunde, wie sie am Wochenende an exponierten Stellen auftreten kann, fühlen sich minus 12 wie minus 25 Grad an.» Effektiv 25 Grad minus, die dann auch so in der Zeitung stünden – das gebe es in der Region eigentlich nie, sagt der Wetterexperte.

Klimatologisch lasse sich das aktuelle Wetter erst im Nachhinein einordnen, sagt Rindlisbacher. So viel ist aber schon jetzt sicher: «Wetter wie das der nächsten Tage gibt es zwar nicht jedes Jahr, aber auch nicht bloss alle 100 Jahre.» Grundsätzlich sind die aktuellen Minustemperaturen nichts Besonderes für die Jahreszeit. Speziell an der aktuellen Situation ist laut Rindlisbacher, dass es trotz Wind und Bewölkung so kalt wird – und dass sich die Temperatur im Tagesverlauf fast nicht erhöht.

Reif für den See

Der Wind, der Wind, das vielgescholtene Kind – ein bisschen Zuspruch hat auch er verdient: Die «gute Durchmischung», wie es der Experte nennt, verhindert, dass sich die Kaltluft in tiefen Lagen sammelt. Deshalb heisst es dieses Wochenende: je höher, desto kälter.

Ansonsten wartet das Wochenende mit einem klassischen Dilemma auf: raus in die sibirische Kälte? Oder warten, bis einem die Decke der warmen Stube auf den Kopf fällt? Wer es drinnen nicht mehr aushält, kann laut Rindlisbacher entlang der Seen im besten Fall zwei Grad herausholen. Da die Gewässer noch relativ warm seien, wärme sich der Wind über ihnen auf. Zu beachten gilt es aber zwei Dinge: Es muss schon ein See vom Kaliber des Bieler-, Neuenburger-, Thuner- oder Brienzersees sein – am Moossee erzielt der Effekt nicht die gewünschte Wirkung. Und: Das Ausflugsziel sollte am südwestlichen Seeufer liegen, damit es wirklich etwas wärmer ist. Wer am Bielersee abgeschwächte Kälte sucht, fährt also nicht nach Biel, sondern nach Erlach.

Bis Montag bleibt es kalt, dann sollten die Temperaturen sachte ansteigen. Wie es danach weitergeht, kann Prognostiker Rindlisbacher noch nicht sagen: «Die Karten liefern Argumente für jedes mögliche Szenario.»

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