Am Unifestival wurde eine Gameshow zur Realität

Bern

Am Samstag fand das Unifestival in der Berner Länggasse statt. Neun Bars, drei Bühnen, 12 Bands und ein dichtes Programm sorgten für ein ausverkauftes Haus.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Der Länggasse-Bus ist berstend voll, und alle haben ein gemeinsames Ziel vor Augen: das Unifestival. Die Warteschlange vor dem Unitobler-Gebäude ist immens, und das Sicherheitspersonal versucht, die Länggassstrasse frei zu halten.

Neben dem Gebäude stehen drei Männer, die einen Schlachtplan aushecken, wie sie schneller reinkommen. «Wollen wir zum Fenster rein?», fragt einer von ihnen. Drinnen findet man sich in einem Wirrwarr von Gängen, Hallen und Zimmern wieder. Im ersten von unzähligen Seminarräumen tanzen drei Männer vor offenem Fenster, während der DJ Musik auflegt.

3300 Tickets wurden verkauft

Das Unifest hat sich in diesem Jahr ein neues Motto und einen neuen Namen verpasst. Ein Festival soll es sein, mit vielen bekannten Berner Bands und fast doppelt so vielen Besuchern. 3300 Tickets wurden verkauft, wie die Festivalleitung bestätigt. Das Programm ist bunt: So gibt es den Folientango, wo man eine Präsentation spontan kommentiert. Die Organisatoren des Filmfestivals Shnit zeigen in einem Hörsaal einen Vorgeschmack darauf, was man von ihnen nächste Woche erwarten kann. Bei einem Poetry-Slam messen sich Leute in Mundakrobatik. Grosser Andrang herrscht auch an den neun Bars, hinter denen Studierende aus verschiedenen Fachschaften stehen.

Raus aus dem Seminarraum und wieder rein ins Getümmel. Ziel wäre die Tiefgarage, wo gerade DJ Kellerkind auflegt. Wer das Gebäude kennt, hat hier einen Vorteil, den angesteuerten Raum schnell zu finden. Oder man lässt sich einfach mit der Menge ins untere Stockwerk treiben, wo Drum’n’Bass läuft.

Aus einem Zimmer, in dem ein Theaterexperiment aufgeführt wird, dringt lautes Gegröle. Vorne gehen gerade zwei als Frauen verkleidete Männer aufeinander los, während zwei Besucher mit Gamepads auf dem Sofa sitzen und wie wild auf die Knöpfe drücken. Zu Beginn stellen sich die analogen «Streetfighter», wie sich das Projekt «Konglomerat M.I.D.I» nennt, wie in einem Videospiel auf, und man wählt nicht per Knopfdruck, sondern mit Zeigen, ob man nun die Krankenschwester, die Barockdame, die Dirndlfrau oder das Discogirl spielen möchte.

Mittels Brille und elektronischen Impulsen werden die Schauspieler gesteuert. In der nächsten Runde prügelt sich eine Krankenschwester mit einer Barockdame. Die Spieler krümmen sich vor lachen auf dem Sofa, und der ganze Raum grölt. Die Schiedsrichterin sitzt erhöht in der Mitte und verkündet mit einer Strassenpylone nach einigen Minuten die Gewinnerin, wobei hier die Kriterien nicht ganz so transparent sind.

Eine kunterbunte Welt

Die nächste Station ist die übervolle Mensa, wo gerade Discosaster auf der Bühne spielen. Nebst ihnen treten weitere Berner Bands auf: Alternativrocker Matto Rules, die angesagten Jeans for Jesus und We Love Machines mit ihrem «Kettensägenelektro». Sämtliche Türen zum rot-orange beleuchteten Innenhof sind in der lauen Oktobernacht geöffnet, wo es frische Luft und Platz gibt. Viele gönnen sich hier auf den Bänken eine Verschnaufpause.

Die Organisatoren haben den Besuchern ein richtiges Festival geboten und die Bildungsstätte in eine kunterbunte, feuchtfröhliche und kurzweilige Welt verwandelt.

Berner Zeitung

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