Altpapier im Panzerwagen

Bern

Am Donnerstag eröffnete die Barec AG in Bern die grösste Sortieranlage der Schweiz. Neben jeder Menge Altpapier werden in der Recycling-City auch elektronische Datenträger vernichtet: ein Prozess mit strengen Sicherheitsvorschriften.

Wie sensible Daten in der neuen Anlage entsorgt werden.

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Eine Schweizer Privatbank verliert einen grossen Kunden. Unter anderem muss nun auch geklärt werden, was nun mit den vertraulichen Daten passiert. Einfach ins Altpapier können die Unterlagen nicht geworfen werden – viel zu gross wäre die Gefahr, dass die Informationen in falsche Hände geraten.

Ausserdem werden in diesem Fall nicht mehr nur Papier, sondern vermehrt auch elektronische Datenträger wie Festplatten oder Smartphones entsorgt.Die Entsorgung von solch heiklen Daten ist seit Freitag auch in Bern-Wankdorf ein Thema: An der Wölflistrasse eröffnete die Barec AG die sogenannte Recycling-City, die grösste Sortieranlage der Schweiz.

Spezialeinheit der Securitas

Der spannendste Teil der Recycling-City befindet sich abseits der Haupthalle, in einem geschützten Betonbau: Diesen erreichen die Lastwagen nur, indem sie durch spezielle Kontrollschleusen fahren.

«Unsere Sicherheitsvorkehrungen sind vergleichbar mit denen eines Geldtransports», erklärt Markus Scheck, Geschäftsführer der Datarec AG, eines Tochterunternehmens der Barec AG. Die Vorsichtsmassnahmen würden bereits beim Abholen der Unterlagen beginnen: Dies übernehme eine Spezialeinheit der Securitas AG. Auch die Fahrzeuge und Behälter, in denen die Daten nach Bern transportiert würden, seien zusätzlich gesichert.

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In der neuen Anlage werden die Unterlagen schliesslich in einem riesigen Schredder vernichtet; 5 Tonnen Material kann dieser pro Stunde zerstören. Übrig bleiben dann von Papier und Festplatten nur noch 30 Millimeter grosse Fetzen. Dies sei die modernste Art der Vernichtung von vertraulichen Da­ten, erklärt Scheck: «Früher wurden die Festplatten magnetisiert oder durchbohrt – von diesen konnten aber teilweise noch Da­ten abgelesen werden.» Das Schreddern mache dies definitiv unmöglich.

Sortierung von Hand

Dass bei der Altpapierentsorgung früher vieles anders war, weiss auch Ulrich Egger, Projektleiter der Recycling-City: «Ursprünglich waren in der Schweiz die Schulkinder für die Papiersammlung zuständig.» Mittlerweile herrsche in der Branche aber ein immer stärker werdender Konkurrenzkampf. Dieser komme unter anderem daher, dass die Schweizerinnen und Schweizer immer mehr Rohstoffe rezy­klieren.

Das Flaggschiff von Recycling-City

Video: Florine Schönmann

Diesen Anforderungen wolle die Barec AG mit der neuen Sortieranlage nun gerecht werden: Auf insgesamt 7500 Quadratmetern finden sich sowohl automatische als auch manuelle Sortieranlagen. In letzteren findet man etwa die bunten Müllbeutel, welche die Stadt Bern im Rahmen eines Pilotprojekts einführt, um das Entsorgen von Müll einfacher zu gestalten (wir berichteten). Noch müssen die Beutel von Hand sortiert werden – falls das Pilotprojekt aber erfolgreich ist, könnte auch dieser Schritt automatisiert werden.

Hauptpfeiler der Recycling-City ist jedoch das Altpapier: Ganze Berge von losen Blättern oder gepressten Papierwürfeln finden sich in der neuen Halle wieder. Der Weg von der angelieferten Sammlung bis hin zum Endprodukt, welches weiter an die Papierfirmen geliefert wird, wird fast komplett automatisch zurückgelegt: Ein mechanisches Sieb entfernt den Karton, ein Feinsieb die kleineren Stoffe wie Kunststoffpartikel. Auch ein optischer Sensor hilft dabei, dass schliesslich nur reines Papier zu Ballen gepresst wird. Pro Jahr können so ganze 70 000 Tonnen Altpapier bewältigt werden – beinahe 100 Prozent davon wird rezykliert.

Am 9. 9. kann die Anlage zudem von der Öffentlichkeit besichtigt werden.

Berner Zeitung

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