Altes Tramdepot weiss nichts von neuer Konkurrenz

Bern

Auf dem Vorplatz des alten Bärengrabens in Bern soll Ende April ein neues Café enstehen. Das Alte Tramdepot wurde über das Vorhaben aber nicht informiert.

Die Gäste des Alten Tramdepots (rechts) müssen künftig neben dem neuen Museumscafé beim Zollhaus (links) vorbeigehen. (Archivbild)

Die Gäste des Alten Tramdepots (rechts) müssen künftig neben dem neuen Museumscafé beim Zollhaus (links) vorbeigehen. (Archivbild)

(Bild: Andreas Blatter)

Jan Amsler

Anliegend an das geplante Markenmuseum im historischen Zollhaus am Ostende der Nydeggbrücke in Bern soll Ende April ein Café eröffnet werden. Als Ergänzung zum Museumsbetrieb plant die Unternehmung Porte Blanche eine Bewirtung im Selbstbedienungsformat mit 50 Aussensitzplätzen.

Wie der «Bund» am Mittwoch berichtete, sollen sich die Gäste an einer Theke auf der Terrasse hinter dem Zollhaus mit Snacks und Getränken eindecken und anschliessend an einen der geplanten 15 Tische auf dem Vorplatz des alten Bärengraben setzen können.

Wer dann zum Alten Tramdepot will, muss zwischen Bärengraben und der neuen Gartenbeiz durchgehen. Als Konkurrent zum nur einige Meter dahinterliegenden Restaurant sehe sich Christian Herren (23), Geschäftsführer von Porte Blanche, aber nicht. Er bekundete gegenüber dem «Bund» sogar die Absicht, Bier vom Alten Tramdepot auszuschenken.

Altes Tramdepot nicht informiert

Von dieser geplanten Zusammenarbeit hat das Alte Tramdepot aber noch nichts vernommen. Überhaupt ist das Beizli-Vorhaben nicht bis dorthin durchgedrungen. Entsprechend überrascht zeigt sich der Medienverantwortliche Thomas Baumann am Mittwoch gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz: «Ich weiss nichts von einem Café.» Herren hätte ihn bei der Vorstellung des Museumsprojekts lediglich über «eine gelegentliche Bewirtung über die Gasse» informiert, von einer Aussenbestuhlung in dieser Grössenordnung sei nie die Rede gewesen.

Das Vorgehen lässt an der Fairness des Ausschreibungsverfahrens zweifeln. Laut Baumann wollte die Stadt Bern an diesem Standort keine Gastronomie, und Bewerber mit Take-Away-Plänen blitzten ab. Darum interessierte sich das Tramdepot auch nicht für das Zollhaus. «Es erstaunt mich, dass nun doch eine Wirtschaft entstehen soll», sagt Baumann, «wir hätten das sonst sicher angeschaut».

Tatsächlich suchte «Immobilien Stadt Bern» im Namen der Stadt nach einem «innovativen, kreativen, detaillierten und ansprechenden Betriebs- und Verkaufskonzept mit direktem Bezug auf den Standort», wie der Ausschreibungsdokumentation zu entnehmen ist.

Schmidt: «Uns interessierte, was im Innern bespielt wird»

Gemeinderat und Präsident der Beschaffungskommission Alexandre Schmidt relativiert: «Uns interessierte, was im Innern des Zollhauses bespielt wird.» Und dort soll bekanntlich das Museum eröffnen. Christian Herren hätte ihn zwar schon bei der Bewerbung um die historische Immobilie über die Pläne der Bewirtung im kleinen Rahmen informiert. Allerdings sei er davon ausgegangen, dass die Sitzmöglichkeiten für die kleine Terrasse, die etwas tiefer als der Bärengraben-Vorplatz hinter dem Zollhaus liegt, vorgesehen sind.

Nach dem Verweis auf den Bauplan, worauf Tische auf dem Vorplatz eingezeichnet sind, sagt er: «Ob das bewilligungsfähig ist, ist eine andere Frage.» Dies falle aber nicht in seinen Zuständigkeitsbereich, sondern müsse vom Bauinspektorat beurteilt werden. Die Bewilligung für die Aussenbestuhlung ist noch nicht erteilt, wie Jacques Strüby vom Bauinspektorat bestätigt.

Die Einsprachefrist läuft noch bis zum 9. März. Ob das Alte Tramdepot tatsächlich Konkurrenz vor seiner Haustüre erhält, und ob das Tramdepot-Bier dann auch wirklich auf dem Vorplatz serviert wird, steht noch in den Sternen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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