Belebende Bergtour

Alpines Museum Bern

Das Alpine Museum hat am Dienstagmorgen mit einem Publikums-Zmorge seinen Überlebenskampf lanciert. Bis in zwei Wochen sollen mindestens 10’000 Personen ihre Solidarität mit dem Museum ausdrücken.

«Der Bund steht als Mitstifter im Vordergrund, um Hand zu bieten», sagt Stiftungspräsident Paul Messerli.

«Der Bund steht als Mitstifter im Vordergrund, um Hand zu bieten», sagt Stiftungspräsident Paul Messerli.

(Bild: Nicole Philipp)

Jürg Steiner@Guegi

Paul Messerli, emeritierter Geographie-Professor der Universität Bern und Stiftungsratspräsident des Alpinen Museums, wirkte am frühen Dienstagmorgen nicht wie jemand, der um die Zukunft fürchtet. Als er im museumseigenen Restaurant alps inmitten der rund 150 Frühstücksgäste das Wort ergriff, strahlte er die belebende Zuversicht eines Berggängers aus, der nach einer Trinkpause energisch den Rucksack über die Schultern wirft.

Mitte Juli erfuhr die Führung des Alpinen Museums, dass das Bundesamt für Kultur nach einem Parlamentsbeschluss seinen Finanzierungsschlüssel ändert. Statt gut einer Million Franken wird das Alpine Museum aus der Bundeskasse künftig nur noch 250’000 Franken erhalten. Dank einer Übergangslösung wäre das Jahr 2018 noch finanzierbar, ab 2019 jedoch stünde die Zukunft des Ausstellungshauses in den Sternen.

2012 hat Beat Hächler die Leitung des verstaubten Alpinen Museums übernommen und dieses mit mitunter kontroversen und gewagten Ausstellungen zum urbanen Debattenort über Fragen des Berggebiets gemacht. In den letzten Wochen übte sich der bestens vernetzte Museumsmanager Hächler mit seiner Crew in einer neuen Disziplin: dem Zusammenstellen tragfähiger Seilschaften für die politische Rettung des alpinen Museums.

Das Resultat, das am Dienstag zum Frühstück zu besichtigen war, zeigt, dass Hächler auch auf diesem Gebiet trittsicher unterwegs ist. Zentrale Meinungsmacher aus dem alpinen Raum - von der aufmüpfigen Umweltgruppierung «mountain wilderness» über den gesetzten Schweizer Alpen-Club (SAC) mit Zentralpräsidentin Françoise Jaquet bis zu Berggebietsforschern wie Jon Mathieu von der Universität Luzern - stellen sich hinter das Alpine Museum.

Der gewiefte Publizist Köbi Gantenbein, Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre», präsidiert ein Rettungskomitee, das mit dem ambitionierten Ziel antritt, auf ihrer eben aufgeschalteten Homepage bis in zwei Wochen mindestens 10’000 Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung zu sammeln.

Das soll der Rückhalt sein, mit dem der Berner Nationalrat Matthias Aebischer (SP) und der Bündner Ständerat Stefan Engler (CVP) ihre Rettungsstrategie im Bundeshaus umsetzen wollen.

Für Stifungsratspräsident Paul Messerli ist klar: «Die Rettung des Museums führt ausschliesslich über den politischen Weg.» Konkret: Über eine Mehrheit im Eidgenössischen Parlament. Seit Dienstag ist Messerli zuversichtlich, dass die heikle Expedition zu einem belebenden Erlebnis werden könnte.

Berner Zeitung

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