Zum Hauptinhalt springen

Alles Wahre zur grünen Aare

Zwischen Marzili und Schönauerli tauchen jetzt in der Badesaison immer wieder dieselben Behauptungen auf. Experte Ueli Ochsenbein nährt den Small Talk mit fundierten Infos. Gestern übrigens erreichte die Aare 17,5 Grad.

Sprung ins kühle Nass: Um die Aare existieren viele Gerüchte.
Sprung ins kühle Nass: Um die Aare existieren viele Gerüchte.
Andreas Blatter

Wenn die Sonne tagsüber brennt, kann sie die Aaretemperatur bis am Abend um mehrere Grad erwärmen. Stimmt nicht ganz. Die Fliessstrecke ab Thun ist zu kurz. Das macht höchstens einige Zehntelgrad aus. Den höchsten Wert erreicht das Wasser aber tatsächlich am Nachmittag. Die warme Welle stammt aus dem Thunersee, wo die Sonne einen wesentlichen Einfluss hat. Bis nach Bern ist das Wasser dann rund drei Stunden unterwegs.

Letztes Jahr war die Aare im Juni wärmer. Stimmt. Gestern kletterte das Quecksilber zwar auf 17,5 Grad. Im Monatsmittel waren es 13,8 Grad. Im Juni 2009 betrug die Aaretemperatur im Mittel 15,7 Grad. Der Unterschied ist auf die kühle Wetterperiode zurückzuführen. Der Juni 2009 war wärmer.

20 Grad wird die Aare erst, wenn die Schneeschmelze vorüber ist. Die Behauptung ist falsch. Zwar werden die höchsten Werte jeweils im August gemessen. Im letzten Jahr betrug der Spitzenwert der Messstelle Bern/Schönau am Nachmittag des 20. August 22,1 Grad. Am 11. August 2003 erreichte die Aare sogar 23,5 Grad. Aber massgebend ist die Sonneneinstrahlung auf dem Thunersee und damit dessen Oberflächentemperatur. Das Gletscherwasser aus der Kander beispielsweise ist spezifisch schwerer und sinkt in tiefere Schichten ab.

Die Thuner sind schuld am zuweilen plötzlich kalten Aarewasser. Sie haben die Schleuse geöffnet. Falsch. Die Seeregulierung hat praktisch keinen Einfluss auf die Wassertemperatur. Es fliesst einfach etwas mehr Oberflächenwasser ab. Dieses spezifisch leichtere Wasser schwimmt wie Rahm auf der Milch.

Kiese, Rotache und Gürbe machen die Aare kalt. Stimmt nicht. Deren Wassermenge ist zu klein. Zudem sind sie selber nicht viel kühler als die Aare – wenn überhaupt.

Der Wind bläst im Oberland das warme Wasser seeaufwärts. Das ist tatsächlich so. Das warme Wasser wird dann in Richtung Interlaken gedrückt. Wasser aus tieferen, kühleren Schichten fliesst ab. Das kann in Bern ein, zwei Grade ausmachen. Wenn der Föhn bläst, ist es genau umgekehrt: Er trägt das warme Wasser in Richtung Thun und damit auch nach Bern.

Smaragdgrün ist die Aare, weil sie so sauber ist. Zum Teil. Diese schwierige Frage wurde schon verschiedentlich von Fachleuten erörtert. Sauberkeit spielt eine Rolle, aber auch die Algenmenge. Manchmal, wie diesen Sonntag, ist dazu eine kleine Trübung festzustellen. Das muss Gletscherschliff aus der Kander sein. Bis zum Kanderdurchstich floss der Bergbach bei Uetendorf in die Aare. Erst seit 1714 nimmt die Kander den Umweg durch den See. Wäre dies nicht so, hätten wir komplett andere Badeverhältnisse in Bern. Vorher muss das Wasser kühler und milchiger gewesen sein, ähnlich wie beim Rotten im Oberwallis.

Aarewasser kann man trinken. Das sollte man nicht tun. Ein zufällig beim Baden aufgeschnappter Schluck bringt einen zwar nicht um. Jedes Gewässer enthält aber Bakterien, auch E.-coli-Bakterien. Kläranlagen haben jedoch die Badewasserqualität massiv verbessert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch