Alles glaubt der Filius dem König nicht

Alchenstorf

Der Name verpflichtet: Remo Käser, Sohn von Schwingerkönig Adrian Käser, ist erst 16-jährig, positioniert sich aber bereits in der erweiterten Spitze. «Schwingen ist mein Leben», sagt der Alchenstorfer.

2009: Junior Remo bodigt Vater Adrian Käser im Training. Die Kämpfe im Sägemehl gehören jedoch der Vergangenheit an.

2009: Junior Remo bodigt Vater Adrian Käser im Training. Die Kämpfe im Sägemehl gehören jedoch der Vergangenheit an.

(Bild: Andreas Blatter)

Philipp Rindlisbacher

In der Nacht vom 4. auf den 5.Mai hatte Remo Käser einen Traum. Er stand im Sägemehl, griff mit Christian Dick zusammen und bodigte diesen. Am anderen Morgen bestritt der 16-Jährige das «Berner-Jurassische» in Tavannes. Als der Platzsprecher die Paarungen des 2. Gangs ausrief, musste Käser schmunzeln. Er traf auf Christian Dick. Die Fiktion wurde Realität – der 96-fache Kranzschwinger lag bald einmal auf dem Rücken. Es war Käsers erster Sieg gegen einen «Eidgenossen», von hellseherischen Qualitäten will das Talent aber nichts wissen.

Im Jura wurde Remo Käser Zweiter, er hat sich heuer bereits zwei Kränze ergattert. Seine erste Auszeichnung hatte er sich vor Jahresfrist erschwungen – als einer der Jüngsten in der Geschichte. Vergangene Saison triumphierte er zudem am eidgenössischen Nachwuchsschwingertag. «Mit diesen Erfolgen habe ich mir einen eigenen Namen gemacht», sagt der Alchenstorfer. So kommt es, dass er mittlerweile nicht mehr ausschliesslich im selben Atemzug genannt wird wie Vater Adrian. Dieser wurde 1989 als 18-Jähriger zum jüngsten König in der Schwingerhistorie gekürt.

Bilder als Inspiration

Dass er immer mal wieder mit seinem prominenten Vater verglichen wird, stört Remo Käser nicht. «Ich habe mich daran gewöhnt. Und setzt mir deswegen jemand zu viel Druck auf, geht das ins linke Ohr rein und rechts wieder raus.» Den Namen Käser empfindet er nicht als Bürde, auch wenn Szenekenner behaupten, bei der Kampfeinteilung werde der Junior nicht mit Samthandschuhen angefasst.

Was das Palmarès betrifft, steht Käser familienintern erst an dritter Stelle – auch Onkel Silvio Rüfenacht gewann den Königstitel (1992). Der Lehrling schaut sich aber öfters den Schlussgang des «Eidgenössischen» 1989 mit dem Vater als Hauptfigur an.

«Diese Bilder und seine mit vielen Preisen dekorierte Schwingerstube motivieren und inspirieren mich.» Seit Jahren filmt Adrian Käser jeden Gang seines Sohnes, am Tag danach werden die Kämpfe analysiert. «Er kritisiert zum Glück nicht andauernd», sagt Remo, «und man glaubt sowieso nur, was man glauben will.» Adrian Käser seinerseits attestiert seinem Jüngling grossen Trainingseifer. «Seine Stärke sind die Nerven. Ihn bringt nichts aus der Ruhe; er ist auch immer gut gelaunt.» Im Sägemehl kommt es nicht mehr zum Familienduell, das lädierte Knie des 1999 zurückgetreten «bösen» Berners lässt einen richtigen Kampf nicht mehr zu. «Trainieren wir am Boden, greift er aber ab und zu ein», erzählt Remo, der einst für Koppigen Eishockey spielte.

Sempach und die Kaninchen

Adrian Käser unterstützt seinen Filius auch in der Medienarbeit. «Blick» und «Schweizer Illustrierte» berichteten bereits über Remo, der versichert, er wolle sich nicht aufdrängen. «Die meisten Interviewanfragen lehne ich ab. In meinem Alter steht das Training im Vordergrund.» Je dreimal pro Woche schuftet er im Kraftraum und Sägemehl, die freie Zeit neben der Spenglerlehre ist knapp. «Schwingen bedeutet mir sehr viel. Es ist quasi mein Leben.» Diverse Einheiten absolviert Käser mit Matthias Sempach; der Spitzenschwinger ist zur Bezugsperson geworden. «Wir wuchsen nebeneinander auf, fütterten gemeinsam Kaninchen, mähten den Rasen.» Der Altersunterschied von zehn Jahren sei nie ein Problem gewesen.

Hinter Sempach wird sich Käser wohl bald zur zweiten Oberaargauer Kraft entwickeln. Morgen will er am Heimfest in Aarwangen um den Kranz schwingen, am 31.August und 1.September folgt in Burgdorf mit dem «Eidgenössischen» der Saisonhöhepunkt. «Weil ich nur acht Kilometer vom Festgelände entfernt wohne, werde ich im eigenen Bett schlafen können», sagt der Teenager. Die Organisatoren wird er in handwerklicher Hinsicht unterstützen.

Auf die Tipps vom Vater wird er nach den Gängen aber verzichten müssen, ist dieser doch als Co-Kommentator beim Schweizer Fernsehen vorgesehen. Dass Remo ihn als jüngsten König ablösen wird, ist nicht zu erwarten. «Das wird sicher nicht passieren», meint der Berner Hoffnungsträger. Ein Träumer ist Remo Käser nicht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz berichtet ab 8.30 Uhr live vom Schwingfest.

Berner Zeitung

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