Alleebäume müssen weichen

Bern

Für die Umgestaltung des Anschlusses Wankdorf müssen Bäume gefällt werden. Betroffen ist unter anderem ein grosser Teil der Allee an der Bolligenstrasse. Es kündigt sich bereits Widerstand an.

So wird der Anschluss Wankdorf in Zukunft aussehen. Auf der Visualisierung sieht man links die Allee an der Bolligenstrasse.<p class='credit'>(Bild: Nightnurse Images.ch)</p>

So wird der Anschluss Wankdorf in Zukunft aussehen. Auf der Visualisierung sieht man links die Allee an der Bolligenstrasse.

(Bild: Nightnurse Images.ch)

Markus Ehinger@ehiBE

Wer via Autobahnanschluss Wankdorf von Ost nach West oder von Süden nach Norden gelangen will, durchquert ein regelrechtes «Chrüsimüsi». Zahlreiche viel befahrene Strassen müssen befahren oder überquert werden. Das gilt gleichermassen für Auto- und Velofahrer wie auch für Fussgänger. Nach einer Verkehrsstudie wird der Autobahnanschluss Wankdorf in fünf Jahren «vollständig überlastet» sein, zudem bestehen Unfallschwerpunkte.

Deshalb will das Bundesamt für Verkehr (Astra) ab 2020/2021 den Knoten umgestalten: Bei der Kreuzung Bolligenstrasse/Schermenweg ist unter der Autobahn ein mehrspuriger Kreisel geplant. Über der Autobahn sind Überführungen für den Langsamverkehr vorgesehen. So entsteht eine dreistöckige Kreuzung, die in der Region ihresgleichen sucht.

Am Mittwochabend findet im Hotel-Restaurant Jardin an der Militärstrasse um 18 Uhr eine Infor­mationsveranstaltung zur Umgestaltung des Anschlusses Wankdorf statt. Bund, Kanton und Stadt erklären den Interessierten die geplanten Neuerungen sowie das weitere Vorgehen.

Bäume werden gefällt

Am Infoabend vom Mittwoch ebenfalls thematisiert werden dürfte die Tatsache, dass wegen der Umgestaltung etliche Bäume gefällt werden müssen. Betroffen ist zum Beispiel die Allee an der Bolligenstrasse zwischen Postfinance-Arena und Schermenweg.

Es sei aber davon auszugehen, dass in den nächsten zehn Jahren so oder so knapp die Hälfte der Alleebäume ersetzt werden müssten, heisst es beim Astra. Zum einen aufgrund der Alterung, zum anderen infolge der Bauarbeiten. Wie viele Bäume tatsächlich betroffen sind, kann noch nicht genau beziffert werden. Das Astra betont auf Anfrage, dass die Allee nach den Bauarbeiten wiederhergestellt wird.

Widerstand angekündigt

Bereits beim Projekt Tram Ostermundigen hat sich Jürg Schweizer, früherer Denkmalpfleger des Kantons Bern, für den Erhalt von Bäumen eingesetzt. Sollte die ­historische Allee an der Bolligenstrasse gefällt werden, sei Wi­derstand programmiert, sagt Schweizer.

«Ich kann schon jetzt sagen, dass man sich dagegen wehren wird.»Jürg Schweizer Alt-Denkmalpfleger

Er könne sich nicht vorstellen, dass die Abholzung stillschweigend hingenommen werde: «Ich kann schon jetzt sagen, dass man sich dagegen wehren wird.» Dass die Bäume wieder ersetzt werden sollen, lässt er als Argument nicht gelten. «Klar, die Bäume wachsen wieder. Aber eine Nachpflanzung ist mühsam. Heute sind Bäume einem anderen Stress ausgesetzt als noch vor 30, 50 oder 100 Jahren.»

Mehr Sicherheit

Auch der kleine Wald im hinteren Bereich der Grossen Allmend soll teilweise gerodet werden. Hier sollen aber laut Astra nach den Bauarbeiten ebenfalls wieder neue Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Beim Teil, der nicht wiederhergestellt wird, handelt es sich vor allem um Wald auf derjenigen Seite, die von der Allmend abgewandt ist, also auf der «Rückseite» des Hügels. Dort entstehen dafür neue Fuss- und Velowege, und die Zwischenräume werden begrünt.

Der Wald, der von der Allmend her sichtbar sei, werde vom Projekt nur wenig tangiert, heisst es beim Astra. Sowohl im bisherigen als auch im neu bewaldeten Bereich werde künftig die Sicherheit stark gewichtet. Man wolle Dickichte verhindern, die einem ein schlechtes Sicherheitsgefühl vermittelten. Der Baumbestand solle besser vom Licht durchflutet werden als heute.

Berner Zeitung

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