Ärger wegen Gratisparkierern

Bern

In der blauen Zone der Länggasse herrscht Platznot. Oft machen Auswärtige den Quartierbewohnern mit Parkkarte die Abstellplätze streitig. Abends belegen sie in einigen Strassen doppelt so viele Felder wie die Ansässigen.

Alles ist zugeparkt: Ein typisches Bild in der Länggasse. In der Alpeneggstrasse war am Montagabend kein freier Parkplatz zu finden.

Alles ist zugeparkt: Ein typisches Bild in der Länggasse. In der Alpeneggstrasse war am Montagabend kein freier Parkplatz zu finden.

(Bild: Nicole Philipp)

Autobesitzer aus der Länggasse mit einer Anwohnerparkkarte wissen es: Wenn sie nach 18 Uhr einen freien Parkplatz in der blauen Zone suchen, müssen sie oft lange im Quartier herumfahren – und sind sie endlich fündig geworden, müssen sie manchmal einen längeren Spaziergang in Kauf nehmen, bis sie daheim sind.

Die Abstellmöglichkeiten in der Länggasse sind knapp: Im ganzen Quartier gibt es zwar rund 1600 öffentliche Parkplätze, um diese buhlen aber 1800 Parkkarteninhaber. Eine Stichprobe dieser Zeitung zeigt Erstaunliches: Nicht die Quartierbewohner machen sich die Parkplätze streitig. Sondern es sind auf gewissen Strassen mehrheitlich Besucher von auswärts, welche die blaue Zone belegen.

Eine Zählung am Donnerstagabend um 19 Uhr ergab: Von 178 Autos, die in der Länggasse in Bahnhofnähe abgestellt waren, hatten nur 75 eine Anwohnerparkkarte. Besonders begehrt bei Auswärtigen sind unter anderen die Gesellschafts-, die Zähringer-, die Alpenegg- und die Erlachstrasse. Dort hatten nur 38 Autos eine Parkkarte; fast doppelt so viele, nämlich 73 Autos, hatten keine.

Weisse Parkzone ist möglich

Auswärtige Autofahrer profitieren abends von der blauen Zone: Gesamtschweizerisch gilt diese von Montag bis Samstag von 8 bis 19 Uhr. Wer nach 18 Uhr sein Auto auf einem blauen Parkfeld abstellt, darf die ganze Nacht gratis parkieren.

Zum Vergleich: Im Parkhaus City-West kostet die Stunde am Abend 2.40 Franken. In der Länggasse nutzen das meist Autofahrer, die am Donnerstag in den Abendverkauf gehen, ein Konzert im Bierhübeli oder einen Sportanlass im Neufeld besuchen.

Karl Vogel, Leiter der Verkehrsplanung der Stadt Bern, räumt ein, dass die Parkfelder in der Länggasse abends häufig knapp seien. Dass in gewissen Strassen Auswärtige ohne Parkkarte derart in der Überzahl sind, dessen sei man sich nicht bewusst ­gewesen.

Lösen liesse sich das Problem mit einer weissen Zone mit Parkscheibenpflicht, sagt Karl Vogel. Eine solche Zone hat die Stadt bereits rund um den Kursaal, im Westside und seit September auch im Breitfeldquartier eingeführt.

Damit die Quartierbewohner von weniger Suchverkehr heimgesucht werden und mehr Parkplätze zur Verfügung haben, dürfen Fahrzeuge ohne Anwohnerparkkarte in dieser Zone nach 19 Uhr nur noch während maximal 60 Minuten parkieren.

Lösung mit kleinem Makel

«Die Bevölkerung im Breitfeld ist sehr zufrieden mit dieser Lösung», sagt Urs Frieden, Präsident der zuständigen Quartierkommission Dialog Nordquartier. «Bei jedem Fussballspiel im Wankdorf mussten die Anwohner früher um einen Parkplatz kämpfen», erzählt er.

Das komme heute nicht mehr vor. «Als kürzlich YB gegen St. Gallen und gleichzeitig der SCB im Eisstadion spielten, gab es sogar freie Plätze – auch dank Polizeikontrollen sowie Absperrgittern, die nur den Anwohnern die Durchfahrt gestatten.»

Einen kleinen Nachteil hat die weisse Zone für die Quartierbewohner: Haben sie Gäste mit Fahrzeug, dürfen auch diese nachts nicht mehr gratis parkieren. Dafür gebe es eine einfache Lösung, sagt Urs Frieden: «Ich habe zu Hause ­immer ein paar Parkkarten auf Vorrat.»

Ob es in der Länggasse ebenfalls eine weisse Zone geben wird, entscheidet die Verkehrsplanung im Zusammenhang mit einer weiteren neuen Zone im Quartier: Im Hochfeld plant die Stadt eine grossflächige Begegnungszone, wie es sie bereits im Burgfeld und im Breitfeld gibt.

«Wir werden zusammen mit der Quartierkommission anschauen, wo in der Länggasse eine weisse Zone sinnvoll wäre», sagte Karl Vogel.

Berner Zeitung

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