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Ärger über den «Rübenverkehr»

Noch bis Mitte Dezember liefern Bauern täglich 10'000 Tonnen Zuckerrüben zur Verarbeitung nach Aarberg – die Hälfte davon im Strassenverkehr. Der Mehrverkehr sorgt bei den Anwohnern für rote Köpfe.

Kurz nach der Ortseinfahrt Aarberg macht sich ein erdig dumpfer Geruch breit. Wenig später erreicht die sogenannte Kampagne, die Ernte der Zuckerrüben, auch die restlichen Sinne. Es rumpeln die Förderbänder der nahen Zuckerfabrik, lange Anhängerzüge stauen den Verkehr hinter sich. Fritz Blaser hat sich längst daran gewöhnt. In den Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld leitet er das Rübenmanagement, die nächsten Monate herrscht für ihn jeden Tag Hochbetrieb.

10'000 Tonnen Rüben treffen in Aarberg täglich ein, gut 8000 davon vermag der Betrieb zu Dicksaft zu verarbeiten, aus dem später der Zucker entsteht. Der Rest wird eingelagert und in ruhigeren Zeiten weiter verarbeitet.

Nahtransport via Strasse

Alle zwei Minuten fährt ein vollbeladener Anhängerzug auf die Waage, die Hälfte der Rüben wird auf der Strasse zur Fabrik geliefert. Seit die SBB ihre Verladestationen für Zuckerrüben reduziert hat, bedient sie nur noch Orte, die mehr als 30 Kilometer von den Fabriken in Aarberg und Frauenfeld entfernt sind. Rund 2100 Betriebe haben sich in der Schweiz zu einer Transportgemeinschaft, dem sogenannten Rübenring, zusammengeschlossen. Dieser koordiniert den Verlad auf die Schiene sowie den Transport über die Strasse.

«Jeder Rübenpflanzer aus der Nähe arbeitet einen Tag nur als Fahrer. So kann er sich die restliche Zeit um seinen Betrieb kümmern», erklärt Ueli Brauen, einer von drei Geschäftsleitern des Rübenrings. Die leeren Anhänger werden auf den Feldern sofort wieder gefüllt, der Verkehr in und um Aarberg lässt während gut zwölf Stunden nie nach. Eine Zumutung sei das für sein Geschäft, sagt Patrick Balsiger, der an der Zufahrtsstrasse zur Fabrik ein Brockenhaus betreibt. «Alleine der Geruch vertreibt mir während der Erntezeit viele meiner Kunden.» Persönlich sieht er sich als Verkehrsteilnehmer eingeschränkt, «die Traktore weichen nämlich nie aus», meint Balsiger. Die Zuckerproduktion soll nach ihm aber auf jeden Fall heimisch bleiben. Unerklärlich bleibt ihm der Rückzug der SBB aus dem Rübentransport.

Entlastung für Frauenfeld

Wenig begeistert vom ständigen Traktorengeratter ist auch Therese Krieg von der Weinhandlung Luginbühl nahe der Fabrik: «Wir sind uns bewusst, dass die Belastung nur von kurzer Dauer ist, dennoch begreife ich nicht, warum so viel über die Strasse transportiert wird.» Vor gut zehn Jahren hat die SBB viele Verladebahnhöfe geschlossen und begonnen, die Rüben von regionalen Verladungszentren aus direkt in die Fabrik zu liefern. Dies hatte mehr Strassentransporte zur Folge. Für den Standort Frauenfeld liegt bereits ein Entlastungsszenario vor, bis 2009 sollen mehrere Tausend Strassenfahrten auf die Schiene verlegt werden. Rübenmanager Fritz Blaser versteht die Probleme der Anwohner, verweist jedoch auf die Effizienz des Bahntransports: «Seit der Strassenverkehr das nähere Umfeld bedient, hat sich der Bahnverlad vielerorts erleichtert.»

Die Belastung für die Anwohner bleibt die gleiche, im Herbst muss im Seeland wohl weiterhin mit dem «Rübenverkehr» gerechnet werden.

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