Ängelibeck: Zurück bleibt ein Scherbenhaufen

Bern

Nach einem monatelangen Bewilligungsverfahren und trotz positiver Fachberichte entschied die Stadt, dass der Ängelibeck im Mattenhof zonenfremd wäre. Die angeführten Gründe seien seit Beginn bekannt gewesen, kritisiert Bäcker Kurt Sahli.

Auf der Suche nach einem neuen Standort: Ängelibeck Kurt Sahli vor seiner Bäckerei im Murifeld.

Auf der Suche nach einem neuen Standort: Ängelibeck Kurt Sahli vor seiner Bäckerei im Murifeld.

(Bild: Beat Mathys)

Christoph Hämmann

Einer Behörde «Treuwidrigkeit» vorzuwerfen, wiegt schwer. Genau dies macht die Anwältin von Ängelibeck-Betreiber Kurt Sahli in einem Brief an das städtische Bauinspektorat. Sie reagiert darin auf die Ankündigung des Amts von Mitte Juni, Sahlis Baugesuch den Abschlag zu erteilen.

Das Projekt, an der Brunnmattstrasse 46a eine Bäckerei einzurichten, sei nicht zonenkonform, hatte das Bau­inspektorat mitgeteilt.«Ein Jahr lang haben wir Nachweis um Nachweis erbracht», sagt Ängelibeck Sahli.

Ein teures Lärmgutachten, das sogar tiefere Werte auswies als im Baugesuch angeführt, Amts- und Fach­berichte: Alles habe den Schluss nahegelegt, dass nichts dagegen spricht, Sahli seine Brötchen bald im Mattenhof backen zu lassen.

Wenn die Stadt nun trotzdem den Bauabschlag ankündige, schrieb Sahlis Anwältin, dann «erscheint dies nicht nur sehr stossend, sondern geradezu treuwidrig».

Positive Vorgespräche

Die heutige Backstube des Ängelibecks im Murifeld ist schon lange nicht mehr zeitgemäss. Anfang 2015 hatte Sahli das Gefühl, in der ehemaligen Kaffeerösterei Regina im Mattenhof den idealen Standort für eine neue Backstube gefunden zu haben: Gemischte Wohnzone, wo nicht störende Arbeitsnutzungen erlaubt sind, ein Flachdachbau in einem locker umbauten Innenhof, im Unter­geschoss ein grosses Lager.

«Die Vor­gespräche mit der Stadt verliefen positiv», erzählt Sahli. Im Mai 2015 reichte er das Baugesuch ein, aus der Nachbarschaft gab es einige Einsprachen. «Wir haben aber aufzeigen können, dass alle Vorschriften eingehalten werden.»

Insbesondere das Fazit des Amts für Umweltschutz, dass die massgebenden Planungswerte «überall sicher eingehalten» werden, habe bewiesen: Beim Ängelibeck handelt es sich um einen «nicht störenden Gewerbebetrieb».

Das Bauinspektorat jedoch kam – laut Sahli «aus heiterem Himmel» – zum Schluss: Der Ängelibeck sei eine «Grossbäckerei» und betreibe eine «industrielle Produktion für die Versorgung anderer Quartiere». Kurz: Das Geschäft sei störend und zudem nicht standortgebunden, weil es nicht nur der Versorgung des umliegenden Wohnquartiers diene.

Industrielle Produktion? So sollte man Sahli nicht kommen. «Diesen rufschädigenden Vorwurf hat ein Einsprecher in die Welt gesetzt», sagt er erbost. In seiner Backstube werde «im klassischen Sinne gewerblich produziert, mit sehr viel Liebe und Handarbeit». Seine Knetmaschinen, Öfen und Arbeitstische hätten «nichts, aber auch gar nichts mit einer Grossbäckerei zu tun», auch wenn er neun Verkaufsstandorte beliefere.

Viel Geld für nichts

Etwas wurmt Sahli fast noch mehr als der angekündigte Bau­abschlag, der ihn zum Rückzug seines Gesuchs bewog: «Die Gründe, die das Bauinspektorat anführt, hätten von allem Anfang an vorgebracht werden können.»

Stattdessen habe er für die ganzen Unterlagen und Untersuchungen eine hohe fünfstellige Summe in den Sand gesetzt. «Ein umsichtig geplantes, mehrjähriges Projekt endet in einem Scherbenhaufen», sagt Sahli.

Bei der Stadt antwortet die Stellvertreterin des Bauinspektors ausweichend. Ob die Gründe für den Bauabschlag nicht von Anfang an vorgelegen hätten, bleibt unbeantwortet. Und zu den Vorgesprächen könne sie nicht Stellung nehmen, weil sie nicht daran teilgenommen habe.

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