Ältestes AJZ der Schweiz wird Fünfzig

Das autonome Jugendzentrum Biel Gaskessel feiert seinen 50. Geburtstag. In der Coupole wird dies mit Konzerten und Führungen gefeiert.

Wird 50: Der Bieler Gaskessel.

Wird 50: Der Bieler Gaskessel.

(Bild: Martin Bürki)

Das autonome Jugendzentrum (AJZ) Gaskessel in Biel wird Fünfzig. Der «Chessu» oder auf französisch «La Coupole», wie man in der zweisprachigen Stadt sagt, feiert das Jubiläum im Spätsommer. Auf dem Programm stehen Konzerte, Führungen und eine Ausstellung.

In den späten 1960-er Jahren war die Jugend in der Schweiz in Aufruhr und rebellierte gegen die verkrusteten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Werte der Elterngeneration.

Mehr Freiraum und Selbstbestimmung wollten die Jugendlichen - und einen Ort, an dem sie sich treffen und ausleben konnten. Auch in Biel war das nicht anders. Nach der symbolträchtigen Besetzung des Globusgebäudes in Zürich am 18. Juni 1968 fanden sich wenige Tage später in Biel rund 300 Personen zu einer Solidaritätskundgebung mit der Zürcher Jugendbewegung zusammen.

Auch in Biel wurde die Forderung nach einem AJZ laut. Im August 1968 forderten drei Bieler SP-Stadtratsmitglieder den Erhalt von einem der beiden zum Abbruch freigegebenen Gaskessel als AJZ.

Es folgte ein zähes Ringen, bis die Behörden zwei Jahre später das Projekt bewilligten. Danach standen langwierige Bauarbeiten an. Im Frühling 1975 wurde der «Chessu» schliesslich mit einem Konzert eröffnet.

Bedrängt von urbanem Chic

50 Jahre später gibt es im «Chessu» immer noch Konzerte, Filmvorführungen und andere Veranstaltungen. Auch politischen Meinungen wird eine Plattform geboten. Das autonome Kulturzentrum hat sich weit über die Kantonsgrenze hinaus einen Namen gemacht. Heute ist «La Coupole» nicht mehr aus der Kulturszene der zweisprachigen Stadt wegzudenken.

Anders als in Bern mit der Reitschule gab es in Biel mit dem «Chessu» kaum je grössere Probleme. Trotzdem könnte das AJZ unter Druck geraten, denn in seiner nächsten Umgebung macht sich Biel chic. Auf der Esplanade entsteht ein riesiges Wohnbauprojekt mit Hotel und Läden.

Konflikte mit den Nachtschwärmern der «Coupole» sind kaum auszuschliessen. Beim AJZ sorgt man sich, dass die in Biel breit akzeptierte Institution von der durchgestylten und kommerzialisierten Aufwertung des Stadtgebiets verdrängt werden könnte. Villa Fantasie muss weichen Der Esplanade-Überbauung weichen muss ein Nebenbau des AJZ, die Villa Fantasie. Sie soll durch einen Anbau an das Konzertlokal ersetzt werden. Dafür sprach die Stadt im Jahr 2011 rund 2,8 Millionen Franken als Kostendach.

Aus diesem Kredit hat der Bieler Stadtrat am Mittwoch eine weitere Zahlung von 62'000 Franken ausgelöst, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Mit den Geldern soll der Verein AJZ für den Wegfall der Villa Fantasie entschädigt werden. Die Mittel sind für die Sanierung, für Lärmschutzmassnahmen und für die Erweiterung des «Chessu» gedacht.

Dieses Vorhaben wird in Eigenregie durch den Verein AJZ, aber in enger Zusammenarbeit mit der Stadt realisiert. Die Finanzierung erfolgt zum grössten Teil durch ein Fundraising des AJZ.

Vielfalt präsentieren

Sorgenfalten hin oder her, das älteste AJZ der Schweiz feiert vom 30. August bis am 9. November seinen 50. Geburtstag. Das Festival bringt Künstlerinnen und Künstler zusammen, die alle in irgend einer Weise mit dem AJZ verbunden sind, so etwa die Band «The Young Gods», die im AJZ frühe Erfahrungen sammelte.

In den elf Tagen präsentiert sich der «Chessu» in seiner ganzen Vielfalt, wie die Organisatoren betonen. Die Bevölkerung kann sich durch den Gaskessel führen lassen. Eine Ausstellung lässt die 50-jährige Geschichte der «Coupole» aufleben. Auch ein Flohmarkt wird abgehalten.

Infos: www.ajz.ch.

flo/sda

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