Adieu, et au revoir

Die Tour de France hat am Mittwochmittag Bern in Richtung Wallis verlassen. Wieder tummelten sich Tausende in der Stadt und im Wankdorf, wo man den Stars am nächsten kam. Gleich nach der Abfahrt begannen die Aufräumarbeiten.

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Christoph Hämmann

Um 12.30 Uhr, eine halbe Stunde nach dem Start der Tour-de-France-Etappe, ist am Guisanplatz die Kreuzung fast schon wieder hergestellt. Die vom städtischen Tiefbauamt mit der Firma Sika entwickelte Ab­deckung der Tramschienen hat sich bewährt. «Weil links und rechts nur etwa auf einer Breite von drei Zentimetern geklebt wurde, ist der Schutz schnell beseitigt, und die Gleise sehen aus wie vorher», sagt Patrik Gräppi, Projektleiter im Tiefbauamt.

Mit elektrischen Spachteln entfernen Angestellte des Amts den Klebstoff vom Asphalt. Danach sollen mit elektrischen Stahl­bürsten auch noch die letzten Rückstände aus den Hohlräumen des Asphalts gekratzt werden, ohne dass dabei der Boden beschädigt wird. Am Abend werden die beseitigten Folien in der Kehrichtverbrennung landen. Die Gummiprofile hingegen, die zwischen zwei Folien in die Schienen gelegt wurden, legt das Tiefbauamt beiseite. «Die können wir wieder brauchen», sagt Gräppi.

Video: Tramgeleise werden wieder befreit

Reibungsloser Ablauf

Gräppi geht ans Telefon. «Ich kann freigeben, Kusi? Sensationell!» Kollege Kusi hat gemeldet, dass auf der Seftigenstrasse, wo bloss Profile eingelegt, aber nichts geklebt wurde, bereits alles weggeräumt sei. Um 12.44 Uhr! «Sensationell», sagt Gräppi nochmals, sensationell, wie überhaupt die ganzen letzten Tage. Der Tour-Besuch sei ein Höhepunkt seiner Laufbahn, obwohl er sich gar nicht für Radsport interessiere. Am meisten freut ihn, wie die Männer des Tiefbauamts vorankommen. «Wir sind viel schneller, als wir gedacht haben.»

Die Freude Gräppis passt zum Gesamtbild: Bei schönstem Wetter erlebte Bern einen dreitägigen Tour-de-France-Besuch, der sich zu einem friedlichen Volksfest auswuchs. Während zweier Etappen und am vorgestrigen Ruhetag präsentierten sich Stadt und Region der ganzen Welt von ihrer schönsten Seite.

«Das Gastspiel der Tour de France im Kanton Bern war ein grosser Erfolg», bilanzierte am Mittwochnachmittag auch der Kanton in einer Medienmitteilung. Mehrere Hundert Angehörige der Kantonspolizei Bern, des Zivilschutzes und der Armee sowie über tausend freiwillige Helferinnen und Helfer seien für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. «Trotz Verkehrsbehinderungen verlief der Anlass aus polizeilicher Sicht ohne grössere Zwischenfälle.»

Autogramm, Abschiedskuss

In Bern zogen am Mittwoch vor allem die Innenstadt und das Start­gelände im Wankdorf noch einmal viele Schaulustige an. Auf der Allmend standen die Teamautos eine Stunde vor dem Start bereit für die Abfahrt, auf dem Dach teure, glänzende Rennräder. Vereinzelt fuhren Radprofis gemütlich über das Gelände, hielten mal für einen Schwatz, gaben Autogramme. Auf Monitoren wurde jeder Fahrer präsentiert, wie er eine Rampe hochfuhr und sich für die Etappe registrieren liess.

Wer einen Bändel um den Hals trug, konnte bis zu den Teamcars vorgehen. Dort blieb den Fahrern ein kleines, abgesperrtes Oval ohne Fans, die ihnen von der anderen Seite der Abschrankung dabei zusahen, wie sie noch einmal einen Schluck tranken, sich mit einem Funktionär besprachen oder sich von der Ehefrau verabschiedeten.

Tschäppät im vordersten Auto

Auch Lokalmatador Fabian Cancellara unterhielt sich mit seiner Frau, bevor er sich mit den Trägern der Spezialtrikots an der Spitze des Feldes einreihte. Der lokale OK-Präsident, Stapi Alexander Tschäppät, sowie OK-Vize und Ex-Gemeinderätin Barbara Hayoz posierten noch kurz zwischen den Stars, dann hüpften sie ins Auto, das hinter zwei Motorrädern das Feld anführte.

Um Punkt 12 Uhr radelten die Profis gemütlich los, über die Papiermühlestrasse und den Aargauerstalden in die Innenstadt, vorbei am Zytglogge und über den Bundesplatz Richtung Berner Oberland, Richtung Wallis. ­Zurück blieb eine Stadt voller gelber Hütchen und gepunkteter Leibchen.

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