Achtung, Parkplatz!

Thörishaus

Seit Denner die Baracke beim alten Schulhaus Thörishaus verlassen hat, dürfen die dazugehörigen Parkplätze nicht mehr genutzt werden. Das begreift keiner.

Auf dem Parkplatz bei der Baracke standen auch am Dienstag Autos.

Auf dem Parkplatz bei der Baracke standen auch am Dienstag Autos.

(Bild: Beat Mathys)

Stephan Künzi

Stell dir vor, es ist Parkplatz, und keiner geht hin. Ge­nauer: Keiner darf hin, denn wer sein Auto auf eines der paar Parkfelder an der alten Denner-Baracke in Thörishaus stellt, handelt illegal. Da nützt es nichts, sich auf die Macht der Gewohnheit zu berufen. Oder darauf, dass an der Einfahrt ins Areal mit der Baracke zur Linken und dem alten Schulhaus zur Rechten doch ein Parkplatzschild steht. Verbot bleibt Verbot. Punkt.

Wie das kommt? Seinen Lauf nahm das Unheil im letzten Sommer, als Denner auf die andere Strassenseite in die neue Überbauung am Bahnhof Thörishaus Dorf zügelte. Das heisst, eigentlich reichen die Wurzeln des Übels viel weiter zurück.

Mehr als vierzig Jahre muss Statthalter Christoph Lerch in seinen Akten zurückblättern, bis er auf das richtige Schriftstück stösst: 1975 bekam die Gemeinde Neuenegg die Bewilligung für den Bau eines provisorischen Verkaufspavillons auf ihrem Land beim alten Schulhaus. Mitsamt den zugehörigen Parkplätzen.

Dumm nur, dass die gleiche Gemeinde um die Jahrtausendwen­de für das Gebiet, in das sie auch be­nachbarte Parzellen Privater einbezog, ganz andere, neue Pläne entwickelte. Sie erliess eine Überbauungsordnung, legte so in groben Zügen fest, wie der Dorfkern von Thörishaus künftig aussehen soll. Ein Wohn- und Geschäfts­viertel sollte es werden – mit dem denkmalgeschützten alten Schulhaus und einem autofreien Dorfplatz nebenan, dem die alte Baracke weichen sollte.

Genau hier liegt der Hund begraben, wie Lerch, nun ganz der Jurist, weiter ausführt. Weil die Gemeinde mit der Überbauung nach wie vor nicht weiter ist, zugleich aber um die Parkplatznot im Dorf weiss, wollte sie nach dem Denner-Auszug zwei Fliegen auf einmal schlagen. Kurzerhand fragte sie beim Statthalter nach, ob sie die nicht eben schmucke Baracke abreissen und die Parzelle als Abstellfläche für Autos nutzen könne.

Nein, be­kam sie zu hören, dem stehe die Überbauungsordnung im Weg, die hier ausdrücklich Raum zur Begegnung vorsehe. Ein Parkplatz als Zwischennutzung wäre zwar denkbar. Dann aber müsse Neuenegg konkret aufzeigen, in welchen Etappen es die Überbauung realisieren wolle. Und das sei bislang nicht passiert.

Für die Parkfelder bei der Baracke hatte dieser Bescheid ungeahnte Folgen. Denn Lerch wies die Neuenegger Behörden auch darauf hin, dass hier seit dem Denner-Auszug gar keine Autos mehr stehen dürften. Weil es ohne Laden keinen Grund mehr für diese Felder gebe – auf einen Schlag hatte Neuenegg nicht wie erhofft mehr, sondern weniger Parkplätze als vorher. Nun bleiben noch die Felder hinter dem alten Schulhaus. Sie sind aber den Mitarbeitern und Besuchern vorbehalten.

Stell dir vor, es ist Parkplatz, und keiner darf hin – nun war es an den Neuenegger Behörden, den Kopf zu schütteln. Niemand verstand, wieso die Fläche leer sein soll, wo sie doch genauso gut den Autos dienen könnte. Das tut sie auch, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Kein Wunder, wenn die Gemeinde versichert: Sie werde keinen büssen.

Berner Zeitung

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