Abwarten und Tee pflücken

Neuenegg

Eine Tasse Grüntee aus eigenem Anbau muss kein Traum mehr sein. Seit kurzem sind Teepflanzen im Handel erhältlich. Auch bei Pflanzen Munz in der Nessleren ob Neuenegg.

Priska Munz zeigt eine Teepflanze, die bei guten Voraussetzungen zu einem stattlichen Strauch heranwächst.

Priska Munz zeigt eine Teepflanze, die bei guten Voraussetzungen zu einem stattlichen Strauch heranwächst.

(Bild: Andreas Blatter)

Der Trend zur eigenen Teepflanze macht sich jetzt auch in der Schweiz bemerkbar. Der Strauch, aus dessen Blättern Grün- und Schwarztee gebrüht wird, heisst Camellia sinensis var. sinensis (siehe Kasten). Der Zusatz «sinensis» sagt, woher die Pflanze stammt: aus China. Von dort verbreitete sie sich auf die Plantagen klassischer Teeländer wie Japan, Sri Lanka, Indien und Georgien.

Jetzt werden auch in der Region Bern Teesträucher verkauft. Beispielsweise bei Pflanzen Munz in Neuenegg. Beim Kräuterspezialisten stehen sie unübersehbar auf einem Tisch in Reih und Glied, grössere und kleinere Exemplare. Sie stammen nicht aus China oder Japan, sondern aus Holland. Dort werden sie aus Sämlingen kultiviert und für den Export grossgezogen.

Gärtnerin Priska Munz zeigt, welche Blätter der Teekamelie geerntet werden können: nur die obersten zwei bis vier, die noch hell und weich sind. Die unteren, älteren Blätter sind ledrig und ungeeignet zum Teekochen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Teebeutel schneller aufgebrüht ist als die selbst gepflückten Blätter. «Aber die Leute wollen ein Erlebnis haben und die Pflanze kennen lernen», sagt Priska Munz.

Interessierte Kunden

Jahrelang hat die Einkäuferin von Pflanzen Munz Ausschau nach Teepflanzen gehalten, bis der Trend von den Nachbarländern auch in die Schweiz über schwappte. «Die Kunden sind äusserst interessiert. Wer gern Tee trinkt, will wissen, von welchen Pflanzen das Kraut stammt», sagt Priska Munz und erklärt, dass sich mit den Blättchen der obersten Blatttriebe nur eine kleine Menge Tee herstellen lasse.

«Nach dem Pflücken muss man ein paar Wochen warten, bis wieder geeignete Blätter gewachsen sind.» Wer in der Schweiz solche Pflanzen kultiviere, tue das ja nicht, um eine Teeplantage anzulegen, sondern um die Teepflanze kennen zu lernen, zu beobachten und um ab und zu eigenen Tee zu degustieren.

Bedingt winterhart

Obschon Teesträucher auf den Plantagen in Japan und China auch tiefe Temperaturen aushalten müssen, rät Priska Munz zur Vorsicht, vor allem wenn die Pflanzen im Topf sind. «Man kann sie an einem milden, sonnigen Platz in die Erde eingraben oder auch im Frühling direkt ins Freie pflanzen, allerdings müssen sie langsam an die pralle Sonne gewöhnt werden», sagt die Gärtnerin. Sie rät, im Winter draussen stehende Pflanzen in Vlies einzupacken, und erklärt: «Je älter ein Teestrauch ist, umso robuster wird er.»

Die Sträuchlein bei Pflanzen Munz sind höchstens drei Jahre alt. Sie haben während ihres kurzen Lebens in kühlen Treibhäusern überwintert. Bei guter Pflege können sie noch Jahrzehnte leben und bis 80 Zentimeter hoch werden. Zum Vergleich: Auf den Teeplantagen wachsen sie drei bis vier Meter in die Höhe, was im mitteleuropäischen Klima allerdings fast unmöglich ist.

«Genügend hell und kühl überwintert, entwickelt sich der robuste Strauch problemlos», erklärt die Fachfrau. Und wer möchte, dass die Teekamelie etwas schneller wächst und mehr Blatttriebe produziert, kann sie auch ganz einfach im Topf als Zimmerpflanze kultivieren.

Berner Zeitung

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